Elfenbeinküste: Entscheidungsschlacht um Abidjan

Frankreich lässt seine Staatsbürger evakuieren, die Uno fliegt ihre Mitarbeiter aus. Der blutige Machtkampf in der Elfenbeinküste geht offenbar in die entscheidende Phase: Die Truppen des gewählten Präsidenten Ouattara kündigten den Beginn einer Schlussoffensive um die Metropole Abidjan an.

Ouattara-Truppen vor Abidjan: Kampf um die Wirtschaftsmetropole Zur Großansicht
REUTERS

Ouattara-Truppen vor Abidjan: Kampf um die Wirtschaftsmetropole

Abidjan - Innerhalb von vier Tagen haben die Truppen des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara fast das ganze Land unter ihre Kontrolle gebracht. Jetzt soll auch die letzte vom bisherigen Amtsinhaber Laurent Gbagbo gehaltene Bastion in der Elfenbeinküste fallen: Ouattaras Regierungssprecher Sidiki Konaté kündigte eine Schlussoffensive im Kampf um die Wirtschaftsmetropole Abidjan an.

Die Truppen hätten am Montagnachmittag an vier Fronten Angriffe gestartet. Man habe genaue Informationen über die Anzahl der Panzer von Gbagbos Einheiten. Ziel seien die Stadtviertel Plateau im Zentrum und Cocody im Norden. Im Bezirk Plateau befindet sich der Präsidentenpalast, während im nördlichen Vorort Cocody die Zentrale des Staatsfernsehens und Gbagbos Residenz liegen. Der Kommandeur des Angriffs sagte der Nachrichtenagentur Reuters, 4000 Soldaten stünden für die Offensive bereit. Hinzu kämen 5000 Kämpfer, die bereits in Abidjan seien. Die Einnahme der Stadt könne bis zu zwei Tage dauern.

Ein aus mehreren Dutzend Fahrzeugen bestehender Konvoi mit schwer bewaffneten Soldaten drang nach Augenzeugenberichten in die Metropole ein. Am nördlichen Stadtrand standen weitere Kräfte bereit. AFP-Reporter berichteten, aus Plateau seien Explosionen und Artilleriefeuer zu hören. In beiden Vierteln hatte es bereits in den vergangenen Tagen teils heftige Kämpfe zwischen den Anhängern der beiden rivalisierenden Politiker gegeben.

Gbagbo, der bisherige Staatschef stellte sich auf die Entscheidungsschlacht um Abidjan ein und scharte seine Anhänger um seine Residenz. Er weigert sich, seine Niederlage bei der Präsidentenwahl vom 28. November 2010 anzuerkennen.

Die EU hatte vor Beginn der Offensive einen eindringlichen Appell an die Bürgerkriegsparteien gesandt. In Abidjan und im ganzen Land steige die Gewalt und gebe es immer mehr Todesopfer, mehr als eine Millionen Menschen seien auf der Flucht, erklärte EU-Krisenreaktionskommissarin Kristalina Georgieva am Montag. "Ich bin alarmiert über Berichte von Menschenjagden und von ethnischen Morden."

Uno und Frankreich starten Evakuierungen

"Im Namen der Menschen, im Namen der Humanität, schützen Sie die Zivilbevölkerung und bewahren Sie die Elfenbeinküste vor einem weiteren Versinken im Bürgerkrieg", appellierte Georgieva an Gbagbo und Ouatarra. Sie warnte vor einem Übergreifen des Dramas auf die Nachbarländer, insbesondere Liberia. "Mehr als 120.000 Menschen flüchten sich in Gebiete, die selbst schon am Rande einer humanitären Krise stehen."

Der Sprecher seines Rivalen Ouattras versicherte, dass die Offensive die Evakuierungsaktionen des Auslands nicht behindern werde. Nach Angaben eines Sprechers der französischen Truppen in dem westafrikanischen Land wurden am Montag rund 250 Ausländer, darunter auch Franzosen, mit vier Flugzeugen nach Dakar im Senegal und nach Lomé im Togo gebracht. Mit einem Sonderflug waren bereits am Sonntag 167 Ausländer nach Dakar und Lomé ausgeflogen worden.

Unbekannte Bewaffnete haben bereits mehrere Menschen entführt, darunter zwei Franzosen. Vier oder fünf Menschen seien aus einem Hotel in Abidjan verschleppt worden, teilte das französische Außenministerium mit. Die französische Botschaft vor Ort tue alles, um die Gekidnappten wiederzufinden.

Die Vereinten Nationen brachten Hunderte Mitarbeiter in Sicherheit. Das Uno-Hauptquartier in Abidjan sei evakuiert worden, teilte die Organisation mit. Bei der Aktion wurden Truppen Gbagbos unter Feuer genommen.

als/AFP/Reuters/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Frankfreich und UN sind Kriegsparteien
team_gleichklang_de 04.04.2011
Sofort nach dem fürchterlichen Massaker, was die Truppen des angeblich zum Präsidenten gewählten Quattara verübt haben, greifen französische Truppen ivorische Soldaten an, um deren Verteidigungslinie gegenüber den vorrückenden Rebellen zu schwächen. Die Rebellen rücken in eine Stadt ein, deren Bevölkerung ihnen mehrheitlich feindlich gegenüber steht. Es ist keine Befreiung, sondern eine Eroberung. Die UN scheint entschlossen, einen Mann, der in Massenmorde involviert ist, an das Präsidentenamt zu bringen, damit er die Massaker verschleiern kann. Nach allem, was wir wissen, konnten die Menschen in den von den Rebellen kontrollierten Gebieten niemals offen für Gbagbo eintreten, ohne ihr Leben zu riskieren. Soviel zur Fairness der Wahlen. Wobei selbst die UN Unregelmäßigkeiten zugibt, nur meint, diese wären nicht schwerwiegend genug. Wie auch immer, die UN ist entschlossen, eine seit jahren äußerst brutal vorgehende, in den Blutdiamantenhandel verstrickte Rebellenbewegung an die Macht zu bringen. Die UN ist damit nicht mehr Vermittlerin, sondern Kriegspartei.
2. Das kleinere Übel
NOtU 04.04.2011
Wieder so ne Sache in der man sich wohl nur für das kleinere Übel entscheiden kann. Immerhin kann man, bei der ganzen schei*se, zumindest beim "gewählten" hoffen, beim Diktator (denn nichts anderes ist ein Politiker der sich entgegen der Mehrheit mit Waffengewalt an der Macht hält) findet man nur Gewissheit. Ob es eine intervention von französischen Soldaten rechtfertigt ist fraglich. Andererseits könnte der damit steigende französische Einfluss dem hoffen auch ein wenig nachhelfen. Abwarten heisst die Devise. Abwarten und das beste daraus machen. Realistisch betrachtet kann man aber auch nur auf die Hoffnung hoffen, hoffe ich...
3. Darf man fragen ........
tô-yirri 04.04.2011
Zitat von team_gleichklang_deSofort nach dem fürchterlichen Massaker, was die Truppen des angeblich zum Präsidenten gewählten .....
Darf man ganz bescheiden anfragen, woher Ihre erleuchteten Feststellungen kommen? Jedenfalls trennen die sprichwoertlichen "Welten" Ihre Stellungnahme und das, was z.B. eine serioese Quelle wie "Jeune Afrique" vor und seit den Wahlen im letzten Jahr als Informationen zur gegenwaertigen Auseinandersetzung Gbagbo/Ouattara anbietet. Zur kleinen Nachhilfe (falls gewuenscht) folgender Link: www.jeuneafrique.com.fr Jemand, der die CdI aus eigener Anschauung kennt und schaetzt und versucht, sich informiert zu halten.
4. Dia
Noctim 05.04.2011
Das Problem da unten ist, dass jeder selbsternannte oder sogar gewählte Machthaber Dreck am Stecken hat und seine Legilaturperiode in der Regel auf militärische Macht stützen muss. Im Grunde sind das alles kleine "Warlords", aber keine "Politiker" im eigentlichen Sinne. Deswegen kommt Afrika auch nicht aus der Krise raus: Anstatt sich gegen die Plünderer in Form der Supermächte (China, Amerika, Europa etc.) zu wehren, zu verweigern oder immerhin zu solidarisieren, hauen sie sich gegenseitig auch noch die Köpfe ein und sind bis auf den letzten Blutstropfen korrupt und gewaltbereit.
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Fotostrecke
Elfenbeinküste: Fliehen und weiterziehen

Fläche: 322.462 km²

Bevölkerung: 19,738 Mio.

Hauptstadt: Yamoussoukro / Regierungssitz: Abidjan

Staatsoberhaupt:
Alassane Ouattara

Regierungschef:
Daniel Kaban Duncan

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