Aufruhr in der Elfenbeinküste Soldaten besetzen 500.000-Einwohner-Stadt

Verärgerte Soldaten haben die zweitgrößte Stadt der Elfenbeinküste besetzt. Offenbar geht es um nicht gezahlte Löhne. Auch in zwei weiteren Städten erhoben sich meuternde Truppen.

Meuternde Soldaten in Bouaké
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Meuternde Soldaten in Bouaké


Soldaten in der westafrikanischen Elfenbeinküste haben in mehreren Städten des Landes Waffenlager geplündert und Straßensperren errichtet. Wie das Verteidigungsministerium der Elfenbeinküste mitteilt, hätten unzufriedene Soldaten die zweitgrößte Stadt Bouaké besetzt. In der 500.000-Einwohner-Stadt kontrollierten die meuternden Militärs strategisch wichtige Punkte.

Verteidigungsminister Alain-Richard Donwahi forderte die Soldaten vom Regierungssitz Abidjan aus auf, Ruhe zu bewahren und in die Kasernen zurückzukehren, damit man "eine tragfähige Lösung finden" könne.

Laut Bewohnern von Bouaké begann der Aufstand in der Nacht zum Freitag, am Morgen war an mehreren Stellen der Stadt Gewehrfeuer zu hören. Wie "Le Monde" unter Berufung auf Zeugen in der Stadt berichtet, setzen sich die bewaffneten Gruppen aus aktiven und ehemaligen Soldaten zusammen. Sie beschwerten sich über "ausstehende Bonuszahlungen" und "nicht eingelöste Gehaltsversprechen".

Unruhen in mindestens zwei weiteren Städten

Demnach hätten die meuternden Truppen in Bouaké ein zentrales Waffenlager der Armee und mehrere Polizeistationen geplündert und die Zufahrten im Norden und im Süden der Stadt blockiert. Die Lage sei jedoch ruhig: Taxis führen wieder, die Bürger blieben aber aus Angst in ihren Häusern. Einem Krankenhausmitarbeiter zufolge gab es zunächst keine Verletzten.

Wie die BBC und Reuters meldeten, waren auch in der Handelsstadt Daloa und in der nordivorischen Stadt Korhogo den Freitag über Schüsse zu hören. Auch dort hätten sich Truppenteile wegen ausbleibender Bezahlung gewaltsam erhoben.

Die Elfenbeinküste legte 2011 einen fast zehn Jahre dauernden Bürgerkrieg bei, an dessen Ende der bis heute amtierende Staatschef Allassane Ouattara von Laurent Gbagbo die Macht übernahm. Zuvor hatte sich Gbagbo geweigert, den Wahlsieg Ouattaras anzuerkennen. Bei monatelangen Unruhen kamen in der Folge 3000 Menschen ums Leben.

Gbagbo muss sich derzeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Zum Prozessbeginn im Januar 2016 plädierte Gbagbo auf unschuldig. Weil er dort im Gefängnis sitzt, hatten Teile von Gbagbos Partei FPI 2015 die Wahl boykottiert. Ouattara wurde dabei mit 83 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

cht/dpa/Reuters

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