Elfenbeinküste: Soldaten nehmen Gbagbo in seinem Bunker fest

Der Machtkampf an der Elfenbeinküste ist beendet: Kämpfer der Rebellen haben den abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo in seiner Residenz festgenommen, beteiligt an dem Einsatz waren auch französische Eliteeinheiten und Uno-Soldaten. Gbagbos Getreue sind auf dem Rückzug.

Abidjan - Das Spiel ist aus: In der Elfenbeinküste ist nach französischen Angaben der langjährige Staatschef Laurent Gbagbo festgenommen worden. Truppen seines Rivalen Alassane Ouattara hätten Gbagbo am Montag in der Metropole Abidjan festgenommen, sagte der französische Botschafter Jean-Marc Simon. An dem Einsatz waren offenbar auch Truppen aus Frankreich und der Vereinten Nationen beteiligt. In die Festnahme allerdings seien französische Truppen aber nicht verwickelt gewesen, sagte ein französischer Regierungssprecher in Paris.

Ouattaras Truppen hätten Gbagbo ins Golf Hotel, das Hauptquartier des international anerkannten Präsidenten Ouattara, gebracht, sagte Simon weiter. Nach Angaben einer Sprecherin Ouattaras wurde auch seine Frau Simone dorthin gebracht.

Französische Einheiten waren mit Panzern auf den Bunker des abgewählten ivorischen Machthabers Laurent Gbagbo vorgerückt. Mindestens zehn gepanzerte Fahrzeuge hätten Gbagbos Truppen zum Rückzug gezwungen, berichten Augenzeugen. Anhänger des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara hätten den Angriff in der Wirtschaftsmetropole Abidjan unterstützt, hieß es weiter. Sie hätten vor allem Stellungen in der Nähe des staatlichen Fernsehsenders und Gbagbos Wohnsitz angegriffen.

Henri Guaino, Berater des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, betonte im TV-Sender France 2, Aufgabe der französischen Soldaten sei die Vermeidung eines Blutbads. Wörtlich betonte er: "Diese militärische Intervention Frankreichs wurde von der Uno erbeten, um die Zivilbevölkerung zu schützen."

Gbagbo hatte sich in Abidjan mit schwer bewaffneten Milizen verschanzt und weigerte sich bis zuletzt, die Macht an seinen gewählten Nachfolger Alassane Ouattara abzugeben. Frankreich hat derzeit etwa 1650 Soldaten in dem westafrikanischen Krisenstaat.

Französische und Uno-Kampfhubschrauber hatten am Sonntag und in der Nacht zum Montag bereits den Präsidentenpalast sowie die Residenz Gbagbos und mehrere Militärlager angegriffen. Zuvor war das Hotel, in dem der international anerkannte Präsident Alassane Ouattara untergebracht ist, in Brand gesteckt worden. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon bestätigte, die Angriffe auf Gbagbo-Stellungen angeordnet zu haben, da dieser Verhandlungen vor mehreren Tagen dazu benutzt habe, seine Truppen "umzugruppieren" und erneut schwere Waffen in Stellung zu bringen.

ffr/Reuters/dpa/dapd

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1. Kann
Spiegeleii 11.04.2011
ja nur richtig sein. Frankreich ist eine westliche Demokratie und deshalb auf der Achse des Guten.
2. ...
JensDD 11.04.2011
Zitat von sysopDie französische Armee hat den abgewählten Präsidenten der Elfenbeinküste in ihre Gewalt gebracht. Soldaten waren mit Panzern auf die Residenz von Laurent Gbagbo vorgedrungen, dessen Truppen sind auf dem Rückzug. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,756303,00.html
also ich möchte kein Freund der Franzosen sein - heute wird man noch geküßt und umarmt - morgen schon mit Schimpf und Schande belegt und gejagt, grad wie es den Napoleons gefällt - siehe Gbagbo und Ghadaffi - welche Heuchler.
3. Bravo Frankreich
paretooptimal 11.04.2011
Irgendwie sind die Franzosen die richtigen Haudegen. Da wird nicht lange gefackelt, sondern Fakten geschaffen. Macht mir die Franzosen symphatisch. Kurze Entscheidungswege, die militärisch einzuhalten sind.
4. @Spiegeleii
Tunesier 11.04.2011
Zitat von Spiegeleiija nur richtig sein. Frankreich ist eine westliche Demokratie und deshalb auf der Achse des Guten.
Aus meiner Sicht und nach meinen bisherigen Informationen auch ein richtiger Schritt. Wenn diese militärische Intervention dafür zielt, einen Bürgerkrieg zu stoppen und einen abgewählten Präsident zu entmachten, dann unterstütze ich das vollkommen. Ich weiß zwar, dass Sarkozy möglicherweise seine Interessen und Macht weltweit stärken will, aber wenn das im Einklang mit den Interessen von underdrückten Völkern geschieht, dann kann ich das nur gutheißen. Er soll ihnen allerdings jetzt nicht gleich anbieten, einen Nuklearzentrum (im Auftrag von avereo oder wie sie heißt) zu bauen! ;)
5. Lüge
sozialminister 11.04.2011
Ich denke diese Nachricht ist so gelogen, wie sie da steht. Frankreich hätte es niemals alleine geschafft Gbagbo gefangen zu nehmen. Entweder haben die Amerikaner ihnen geholfen, oder die Meldung stimmt einfach nicht.
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Fotostrecke
Elfenbeinküste: Die Schlacht um Abidjan

Fläche: 322.462 km²

Bevölkerung: 19,738 Mio.

Hauptstadt: Yamoussoukro / Regierungssitz: Abidjan

Staatsoberhaupt:
Alassane Ouattara

Regierungschef:
Daniel Kaban Duncan

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Elfenbeinküste: Fliehen und weiterziehen

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