Elfenbeinküste Uno unterstützt Oppositionskandidat Ouattara  

Im Machtkampf um das Präsidentenamt in der Elfenbeinküste hat sich der Weltsicherheitsrat hinter den oppositionellen Wahlsieger Ouattara gestellt. Das Gremium machte deutlich, im Notfall auch zum Eingreifen in dem westafrikanischen Staat bereit zu sein. 

Uno-Truppen in der Elfenbeinküste: Unterstützung für Ouattara
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Uno-Truppen in der Elfenbeinküste: Unterstützung für Ouattara


New York - Der Uno-Sicherheitsrat hat sich in die Krise in der Elfenbeinküste eingeschaltet und seine Unterstützung für den Oppositionellen Alassane Ouattara als Wahlsieger erklärt. Das Gremium forderte in einer am Mittwoch verabschiedeten Erklärung "alle beteiligten Seiten" auf, das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen anzuerkennen. Der Uno-Sicherheitsrat verwies zudem darauf, dass auch die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) Ouattara bereits als rechtmäßigen Wahlsieger anerkannt habe.

Das Gremium will es offenbar nicht bei einem reinen Appell belassen, sondern ist auch zum Eingreifen in der Elfenbeinküste bereit. Der Rat erklärte in New York, er sei bereit "gezielte Maßnahmen" gegen Personen zu ergreifen, die den Friedensprozess in der Elfenbeinküste störten oder gegen die Menschenrechte und die Arbeit der Uno verstießen. Der Sicherheitsrat "verurteilt auf das Schärfste jeden Versuch, den Willen des Volkes zu umgehen", hieß es in der Erklärung weiter.

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Elfenbeinküste: Gefährliche Spannungen in Westafrika
Bei der Stichwahl am 28. November siegte laut der Wahlkommission des Landes Ouattara mit 54 Prozent der Stimmen, doch der Verfassungsrat erklärte den amtierenden Präsidenten Laurent Gbagbo zum Sieger, dessen reguläre Amtszeit bereits vor fünf Jahren abgelaufen war. Sowohl Ouattara als auch Gbagbo ließen sich inzwischen vereidigen und setzten eigene Regierungen ein.

Die Präsidentenwahl sollte die Elfenbeinküste nach dem 2003 beendeten Bürgerkrieg eigentlich einen und wieder zurück zur Normalität führen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.

Bereits vor Bekanntgabe der Wahlergebnisse waren mindestens vier Menschen bei einem Überfall auf ein Büro Ouattaras von paramilitärischen Kräften getötet und mehr als ein Dutzend verletzt worden. Die Armee ließ bereits in der Nacht zum Freitag alle Grenzen des Landes sperren und die Übertragungen ausländischer Fernsehsender unterbrechen.

ler/AFP/dpa



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elbröwer 09.12.2010
1. Diktatoren
"im Notfall auch zu einem Eingreifen in dem westafrikanischen Staat bereit zu sein." Für ganz Afrika scheint dies die einzige Möglichkeit zu sein damit die Bürger dieser Länder ein menschenwürdiges Leben führen können.
wwwwalter 09.12.2010
2. Ouattara ist der Mann der USA, und des Westens
Ouattara hat in den USA studiert, und war anschließend rund 20 Jahre beim Internationalen Währungsfonds tätig. Mehr als logisch, wenn der Westen sich für diesen Mann einsetzt, der sich in den Jahren als Ministerpräsident als knallharter Wirtschaftsliberaler präsentiert hat. Die aktuelle Situation ist auch nicht so eindeutig, wie allgemein in der Presse vermittelt wird. Es gibt sehr wohl Hinweise auf massive Wahlfälschungen. Und die sogenannte Wahlkommission kann auch nicht wirklich als unabhängig bezeichnet werden. Wie in diesem Artikel schon herausgestellt gibt es einen grundlegenden Konflikt in diesem Land, der durch Wahlen nicht zu läsen ist - reicher muslimischer Norden (hier liegen die ganzen Kakaoplantagen) gegen ärmeren christlichen Süden. Einem zweigeteilten Land kann man keinen Präsidenten aufzwingen, auch wenn er vielleicht ein paar Prozent mehr bekommen hat. Hier versagen die Rezepte der westlichen Demokratien völlig. Aktuell verfährt man nach dem Prinzip - Augen zu und durch - koste es, was es wolle.
wwwwalter 09.12.2010
3. Menschenwürdiges Leben kann man nicht herbeischießen
Zitat von elbröwer"im Notfall auch zu einem Eingreifen in dem westafrikanischen Staat bereit zu sein." Für ganz Afrika scheint dies die einzige Möglichkeit zu sein damit die Bürger dieser Länder ein menschenwürdiges Leben führen können.
Um Gottes Willen, wie stellen Sie sich das vor - möchten sie die Anarchie in Afrika einführen ? Das einzige, was wir mit solchen Militäroperationen erreichen würden, wäre noch mehr Blutvergießen, und völlig destabilisierte Staaten (Somalia lässt grüßen). Allein schon finanziell wären solche groß angelegten Militäroperationen kaum mehr zu stemmen, die Vereinigten Staaten und Europa haben aktuell ganz andere Probleme zu bewältigen.
Centurio X 09.12.2010
4. Anarchie in Afrika....
Zitat von wwwwalterUm Gottes Willen, wie stellen Sie sich das vor - möchten sie die Anarchie in Afrika einführen ? Das einzige, was wir mit solchen Militäroperationen erreichen würden, wäre noch mehr Blutvergießen, und völlig destabilisierte Staaten (Somalia lässt grüßen). Allein schon finanziell wären solche groß angelegten Militäroperationen kaum mehr zu stemmen, die Vereinigten Staaten und Europa haben aktuell ganz andere Probleme zu bewältigen.
... na ja Walter, die ist schon dort und muß nicht erst eingeführt werden. Ohne Militärinterventionen von außen wird sich das Übel wohl nicht beseitigen lassen. Aber Sie haben wohl recht, daß großangelegte und die Anarchie final beseitigende Militäroperationen wegen der hohen Kosten und der fehlenden Manpower nicht zu erwarten sind Frankreich wird im Notfall wie gehabt wieder ein bis zwei Kompanien Legionäre aus Korsika oder Djibouti zur Evakuierung der Europäer hinschicken und das wars dann auch schon.
schnuppe, 09.12.2010
5. Wahlen müssen Sinn haben
Wenn die Wahlkommission den Sieg Ouattaras bestätigt hat, dann muss Gbagbo abtreten. Bei dem Problem der Zweiteilung des Landes (so wie ich gehört habe, ist der Süden nicht die arme Hälfte, sondern im Gegenteil der Landesteil der zu Geld macht, was im Norden erarbeitet auf den Plantagen mühsam erarbeitet wird) und überhaupt Teilung nach Stämmen und Religionen wäre es gut, wenn Präsidenten einander abwechseln würden, d.h. eine Legislaturperiode darf der Süden, eine der Norden den Präsidenten stellen. Die Tatsache dass die Politiker, die einmal an den Fleischtöpfen sitzen da nie wieder wegwollen und Wahlen höchstens als legitimierende Aufhübschung ihrer Machtposition verstehen, ist ein riesiges Problem in Afrika. Dass darüber aber jemand bereit ist, ein Land in die Misere zu stürzen - siehe Mugabe, darf nicht zugelassen werden. Politiker müssen im Interesse ihres Landes handeln - endlich einmal! Gbagbo muss gehen.
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