Elfenbeinküste Uno wirft Ouattara-Anhängern Massaker vor

Die Elfenbeinküste versinkt in Gewalt: Nach Angaben der Vereinten Nationen haben Anhänger des gewählten Präsidenten Alassane Ouattara ein Massaker verübt. Er bestreitet die Vorwürfe. Anhänger von Widersacher Laurent Gbagbo verteidigen dessen letzte Bastionen.

Gbagbo-Anhänger in Abidjan: Truppen des Amtsinhabers auf dem Rückzug
DPA

Gbagbo-Anhänger in Abidjan: Truppen des Amtsinhabers auf dem Rückzug


Abidjan/Johannesburg - Er ist der gewählte Präsident der Elfenbeinküste und genießt die Unterstützung ausländischer Staaten. Doch die Uno erhebt schwere Vorwürfe gegen Anhänger von Alassane Ouattara: Kämpfer des international anerkannten Staatsoberhauptes sollen mehr als 330 Menschen im Westen des Landes getötet haben. Nach Angaben der Hilfsorganisation Caritas fielen in der Stadt Duékoué sogar mehr als 1000 Menschen einem Massaker zum Opfer.

Von über 330 Menschen, die in der westlichen Stadt Duékoué umgekommen seien, seien viele von Kämpfern Ouattaras getötet worden, teilte die Uno-Mission in der Elfenbeinküste mit. Mehr als hundert Menschen seien von Anhängern des bisherigen Staatschefs Laurent Gbagbo getötet worden, der sich seit der Wahl im November weigert, die Macht abzugeben.

Die Regierung von Ouattara wies die Anschuldigungen zurück. Unter den Getöteten seien keine Zivilisten gewesen. Zudem seien mehrere Massengräber im Westen des Landes entdeckt worden, für die Anhänger von Ouattaras Konkurrent Laurent Gbagbo verantwortlich seien.

Laut Caritas ereigneten sich die Tötungen vergangene Woche in einem Stadtviertel, das Ouattara-Kämpfer unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Die Regierung des gewählten Präsidenten erklärte, Friedenstruppen der Vereinten Nationen hätten Duékoué verlassen und die Zivilisten dort rachsüchtigen Milizsoldaten Gbagbos ausgeliefert.

Duékoué ist nahezu vollständig zerstört

Ivorische Entwicklungshelfer, die in Duékoué waren, erklärten dagegen, Überlebende dort machten Ouattara-Kämpfer für die Morde verantwortlich. Nach Angaben der Uno kündigte Ouattara eine Untersuchung der Vorfälle an.

In Duékoué sind die Spuren der Gewalttaten sind nicht zu übersehen: Fast sämtliche Häuser der 75.000-Einwohner-Stadt sind verbrannt, in den Ruinen liegen zahlreiche verkohlte Leichen. Die Straßen sind verlassen, zahlreiche Einwohner sind in die Wälder geflohen. "Wir wollen nicht nach Hause zurück, wir haben Angst", sagt einer von rund 4000 Menschen, die in einer von Uno-Truppen bewachten Kirche Schutz gesucht haben.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch teilte mit, sie habe Fälle von Missbrauch verzeichnet, für die größtenteils Gbagbo-Anhänger verantwortlich seien. Die Taten seien an tatsächlichen oder mutmaßlichen Anhängern Ouattaras sowie an westafrikanischen Einwanderern und Muslimen verübt worden. Die Organisation erklärte, sie habe auch "glaubwürdige Berichte von Taten erhalten, die begangen wurden, als Ouattaras Truppen die Kontrolle über mehrere Städte im Westen (der Elfenbeinküste) übernahmen".

Ouattaras Truppen gehen in die Offensive

Truppen Ouattaras wollten am Sonntag erneut auf die Metropole Abidjan vorrücken, um Gbagbo zum Amtsverzicht zu drängen. In der Stadt waren am Sonntag Schüsse zu hören, die meisten Einwohner blieben in ihren Häusern. Am Morgen wurde in der ganzen Stadt das Wasser abgestellt, immer wieder viel der Strom aus. Ouattara-Truppen kontrollieren mittlerweile rund 80 Prozent des Landes.

Den Flughafen der Metropole brachten am Samstag französische und Uno-Soldaten unter ihre Kontrolle, wie ein französischer Militärsprecher mitteilte. Am Sonntag trafen demnach mehrere Flugzeuge mit 300 Soldaten ein. Bei einem Angriff von Spezialkräften Gbagbos wurden nach Uno-Angaben vier Blauhelmsoldaten schwer verletzt.

Die Uno ließen nach mehreren Überfällen auf ihr Büro rund 200 Mitarbeiter evakuieren. Aus Uno-Kreisen verlautete, sie würden mit Hubschraubern zum Flughafen von Abidjan und von dort per Hubschrauber in die nördliche Stadt Bouake gebracht. Die Evakuierungsanordnung gelte für "notwendiges Personal", hieß es. Andere Mitarbeiter waren bereits vor einigen Monaten evakuiert worden.

In Abidjan waren am Wochenende rund um die letzten Gbagbo-Bastionen und das Staatsfernsehen Schüsse zu hören, wie Anwohner berichteten. Im Fernsehen wurden die Gbagbo-Anhänger zur Mobilisierung aufgerufen. Sie sollten einen menschlichen Schutzschild um Gbagbos sein Büro und seine Residenz zu bilden. Hunderte junge Männer waren am Sonntag in der Nähe des Präsidentenpalasts in Abidjan versammelt.

ulz/AFP/dapd



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insgesamt 7 Beiträge
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indiantiger 03.04.2011
1. Ohja
Massaker, Massenmord, Genozid - höchste Zeit, das die Marionette UN-Sicherheitsrat wieder die Militärmaschinerie in Gang setzt. Rein mit der NATO in die Elfenbeinküste! Neokolonialismus unter der Schirmherrschaft der UNO ist angesagt!
january54 03.04.2011
2. Erinnerung an Libyen
Und wieder muessen ZIVILISTEN leiden und sterben! Die UNO ist machtlos bar dieser Gewalt. Einfach nur furchtbar traurig...! Ich bin nur noh bestürzt. Die Zivilisten können keine Hilfe erwarten...-
blurps11 04.04.2011
3. Skandal-Hase und andere Fleischtöppe
Die Menschen im unterentwickelten Westen des Landes sind schon während des gesamten Konflikts weitgehend unbeteiligte Leidtragende. Im Kern handelt es sich ja ähnlich wie beim "Freiheitskampf" in Libyen um einen Verteilungskrieg: Die vor ein paar hundert Jahren in diese Region eingewanderten Akan-Völker siedeln überwiegend im Süden, in der geographischen Mitte des Landes und an der Grenze zum heutigen Ghana. Zusammen mit den Ashanti und den kleineren Akan-Völkern des Nachbarlands bildeten sie seitdem das kulturelle und ökonomische Zentrum Westafrikas. Gbagbos Anhänger rekrutieren sich hauptsächlich aus diesen Leuten, weil sie unter ihm bevorzugten Zugang zu den allerdings auch primär von ihnen erwirtschafteten Fleischtöpfen bekamen. Im Norden des Landes gibt es überwiegend Einwanderer aus Mali, Burkina Faso und sonstigen umliegenden Ländern, die während der Jahrzehnte zwischen der Unabhängigkeit und dem ersten grossen Bürgerkrieg kamen. Die wollen jetzt auch endlich an ebendiese Fleischtöpfe und sind fast ausschliesslich Ouattara-Angänger. In Duekoue und generell dem Westen der Elfenbeinküste leben viele Angehörige ethnischer Minderheiten und "Ureinwohner" der Region, die mit dem geschilderten Konflikt wenig bis nicht am Hut haben. Darauf haben die bewaffneten Mitglieder beider Parteien in diesem Bürgerkrieg leider noch nie Rücksicht genommen.
frubi 04.04.2011
4. .
Zitat von sysopDie Elfenbeinküste versinkt in Gewalt: Nach Angaben der Vereinten Nationen haben Anhänger des gewählten Präsidenten Alassane Ouattara ein Massaker verübt. Er bestreitet die Vorwürfe. Anhänger von Widersacher Laurent Gbagbo verteidigen dessen letzte Bastionen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754785,00.html
Bei dem Thema Lybien wird immer von vermuteten Massakern gesprochen und schon springt wie Weltgemeinschaft ein und rüstet wie die Amerikaner vor 30 Jahren eine Rebellengruppe auf während in der Elfenbeinküste wirklich Menschen massenhaft umgebracht werden. Ach hätten die Ivorer doch auch eine fette Ölquelle. Sarkozy persönlich würde auf einem weißen Schimmel in die Elfenbeinküste einreiten. Das die Weltgemeinschaft diesen Wiederspruch nicht verstehen will wundert mich aber kaum. So ist das halt mit unseren Interessen.
rickyx 04.04.2011
5. Beweis: Französiche Truppen schießen auf Studenten in Abidjan
Es werden seit gestern viele Infos in Tweeter und Facebook über die Verantwortung von Frankreich in diesem Bürgerkrieg dargestellt. Die Französen habe erstmal behauptet sie wären in der Stadt, weil Ihre Mitbürgern in Gefahr wären. Was Sie nicht gesagt haben, ist dass die in der Elfenbeinküste lebenden Französe oft seit Jahrenzehten dort leben oder sogar dort geboren sind. Sie sind mehr als Einheimischen und viele wollen nicht mit diesem Krieg zu tun haben. Sie werden auch nie ich sage nochmal nie von Bürgern attakiert o.ä. Ein Fransöschicher Bürger, Lehrer in Duékoué und fanatischer GBagbo Anhänger wurde von Ouattara Truppen ermordet. Seit Samstag sind Französiche Scharfschütze auf Dächer von mehrere Hochhausern in Abidjan. Sie Ziele nur in eine Richtung. Die Richtung voher die Gbagbo Truppen kommen sollten. Die Jugen Patrioten sind seit samstag mobilisiert und schlaffen auf die straßen um zu verhindern, dass mächtige Französiche Waffen die Armee niederschlagt. In der folgende Videos von Studenten wird es deutlich. Wir können hier über alles Reden, Massenmord, Verantwortlichkeit des einen oder der anderen. Eine Sache ist klar. Der Krieg wird beendet wenn Die Franzosen jemanden an der macht haben, der Ihre Interesse und die der NATO vertretten kann. Schade das die Welt ein Schlachtfeld ist. Hier die Videos wo Französiche Truffen schießen, wenn die Studenten den Zuttritt in stragegischen Vierteln verhindern: http://www.youtube.com/watch?v=G5xLBnMsv4U&feature=player_embedded. Auf diese Webseite können Sie Zeugenberichte über das Massaker hören: English und Französich http://afrohistorama.over-blog.com/
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