Elie Wiesels Geburtshaus beschmiert "Immer neue Orte und Spuren des Hasses"

Die Nationalsozialisten deportierten Elie Wiesel nach Auschwitz. Nun haben Unbekannte das Geburtshaus des verstorbenen Nobelpreisträgers mit Hassparolen verschandelt. Das Auschwitz-Komitee reagierte entsetzt.

Kinder in Wiesels Geburtsort Sighetu Marmatiei (September 2017)
AP

Kinder in Wiesels Geburtsort Sighetu Marmatiei (September 2017)


Antisemitische Parolen am Geburtshaus des Friedensnobelpreisträgers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel im nordrumänischen Sighetu Marmatiei haben weltweit Entsetzen ausgelöst. Das Internationale Auschwitz-Komitee mit Sitz in Berlin erklärte, man sei "entsetzt und zornig" über den Vorfall.

"Die europäische Landkarte des Antisemitismus füllt sich erschreckend schnell mit immer neuen Orten und Spuren des Hasses. Elie Wiesel hat sein ganzes Leben lang für die Erinnerung, die Menschenwürde und die Bekämpfung des Antisemitismus durch Bildung gekämpft", sagte Christoph Heubner, Vizepräsident des Gremiums.

Der Vorfall zeige, dass die Aufklärung über den Holocaust in vielen Ländern, darunter Rumänien, verstärkt werden müsse. "Die Auschwitz-Überlebenden ermutigen die Politiker Europas, noch deutlicher zu machen, daß der Hass des Antisemitismus nicht nur die Juden bedroht, sondern die Demokratien Europas."

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Elie Wiesel ist tot: Sein Leben in Bildern

Unbekannte hatten in der Nacht zum Samstag die Hauswand mit antisemitischen Sprüchen besprüht. Das Haus ist heute eine Gedenkstätte für Elie Wiesel und ein Museum für jüdische Kultur. Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Nach Angaben der Regionalverwaltung wird das Haus von außen von Kameras überwacht, so dass es Hoffnung gebe, die Täter zu stellen.

Wiesel war einer der bekanntesten Holocaustüberlebenden. Er wurde 1928 in Sighet in Siebenbürgen geboren, 1944 deportierten die Nationalsozialisten ihn und seine Familie nach Auschwitz. Sein Vater Schlomo, seine Mutter Sarah und die kleinste seiner drei Schwestern starben in der NS-Vernichtungsmaschinerie (mehr über das Leben Wiesels lesen Sie hier).

SPIEGEl-Interview mit Elie Wiesel (2006)

Nach der Emigration in die USA engagierte Wiesel sich für die aktive Erinnerung an den Holocaust und verfasste zahlreiche Romane zu dem Thema. Im Juli 2016 starb er im Alter von 87 Jahren.

mxw/dpa



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