EM-Gastgeber Polen und Ukraine: Die Jugend träumt vom Sommermärchen

Aus der Ukraine und Polen berichten , André Eichhofer, und ; Christopher Kurt (Grafik)

Europa schaut auf die EM-Gastgeber Polen und Ukraine. Die Jugend in beiden Ländern hofft auf einen Imagegewinn durch das Fußballfest - und auf ein besseres Leben. Auf SPIEGEL ONLINE sprechen junge Ukrainer und Polen über Patriotismus, Politik und eine Zukunft im Westen.

Wer das "Zifferblatt" in einem Hinterhof der Kiewer Wladimirstraße betritt, scheint durch Zeit und Raum zu reisen. Draußen die Hauptstadt der rückständigen Ukraine, die mit korrupten Apparatschiks, skrupellosen Oligarchen und Menschenrechtsverletzungen Schlagzeilen macht. Drinnen ein hippes Café, das auch in Berlin oder Stockholm geöffnet haben könnte.

"Freier Raum" nennen die Besitzer ihr Lokal. Gäste zahlen hier nicht für Internet, Speisen und Getränke, sondern für die Minuten, die sie auf den Ikea-Sitzsäcken verbringen. Das "Zifferblatt" ist ein Anlaufpunkt für viele junge Ukrainer.

Es ist eine Generation, die in der unabhängigen Ukraine groß geworden ist, kaum Erinnerungen an die Sowjetunion hat - und deren Mehrheit sich an Europa orientiert. "Meine Eltern fühlen sich noch sehr Russland verbunden", sagt Alina Beskrowna, 21 Jahre, Mathematikstudentin aus Kiew. "Ich fühle mich eher als Europäerin."

Etwa 760 Kilometer westlich, in Polens Hauptstadt. Auf dem Campus der Warschauer Universität ist Europa längst Alltag: Die Jugend hat das kommunistische Polen nicht erlebt, ist nach der Transformation 1989 aufgewachsen. Sie gibt sich pragmatisch, als selbstbewusster Teil der EU.

Kaum ein Land ist so europafreundlich wie Polen: Gerade die jungen Menschen sehen, dass sie vom EU-Beitritt profitiert haben. Sie sehen die großen Chancen, die sich dadurch - auch beruflich - für sie persönlich bieten. Viele können sich vorstellen, einige Jahre in Großbritannien oder in Deutschland zu arbeiten.

Freitag beginnt die Fußball-Europameisterschaft 2012 in beiden Staaten. SPIEGEL-ONLINE-Reporter sind in die Gastgeberländer gereist, um von der Jugend zu erfahren, was das Fußballsommermärchen für sie bedeutet. Wie zufrieden die jungen Leute sind, was sie von Europa denken, sie auch politisch stört - und vor allem, wie sie sich ihre persönliche Zukunft erträumen.

Sehen Sie in der interaktiven Grafik oben, was sich junge Menschen in Polen und der Ukraine wünschen - oder klicken Sie hier.

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Sommermärchen??
juergw. 07.06.2012
Zitat von sysopEuropa schaut auf die EM-Gastgeber Polen und Ukraine. Die Jugend in beiden Ländern hofft auf einen Imagegewinn durch das Fußballfest - und auf ein besseres Leben. Auf SPIEGEL ONLINE sprechen junge Ukrainer und Polen über Patriotismus, Politik und eine Zukunft im Westen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,835654,00.html
Wer an Märchen glaubt,glaubt noch an den Weihnachtsmann und den Osterhasen.Zukunft im Westen? Dann träumt mal weiter-der Traum ist bald ausgeträumt-der goldene Westen ist pleite.Obwohl ein paar Leute die fürs billige Geld sich abstrampeln wollen, kann der "Westen" immer gebrauchen.
2. Weia
jenom 07.06.2012
Die ausgewählten Jugendlichen gucken nicht über ihren Tellerrand, Lösung globaler Probleme scheint keine Rolle zu spielen. Aber in konservativen Ländern gibt es mehr als genug Probleme zu Hause zu lösen, bevor man an einen weiteren, größeren Ueberblick denken kann.
3. Schade...
keldrisUbelveba 07.06.2012
dass keiner davon träumt, dass eine EM auch ohne Canozid stattfinden kann: Cat On A Wheel: Animals Matter (http://catonawheel.blogspot.de/search/label/Animals%20Matter)
4. Sommermächen - ich kanns nicht mehr hören
gifmemore 07.06.2012
War das 2006 oder 2008 .... der Wahnsinn ... läßt euch mal was neues einfallen. Samstag wissen wir, ob es für die deutsche Elf weiter als die Vorrunde geht - oder das Thema EM schon abgehakt werden kann.
5. Volle Zustimmung!
Abobada 07.06.2012
Zitat von keldrisUbelvebadass keiner davon träumt, dass eine EM auch ohne Canozid stattfinden kann: Cat On A Wheel: Animals Matter (http://catonawheel.blogspot.de/search/label/Animals%20Matter)
Danke, dass Sie das angesprochen haben. Diese Jugendlichen sollten sich eher dafür schämen, aus diesen Ländern zu kommen... Wenn ich die Bilder im Fernsehen sehe wie Europa sich auf das „Ereignis“ vorbereitet, bekomme ich Gänsehaut. Europa will ein Fest des Sports – und sie bekommen ein „Fest des Sports“ – auf rotem Rasen – die Fans werden durch Straßen ziehen um ihre Mannschaften zu feiern - auf Straßen, wo vor kurzer Zeit Tiere um ihr Leben kämpften – unter Krämpfen gestorben sind, weil sie Giftköder geschluckt haben – still verblutet sind, nachdem ihnen jemand mit einem Knüppel den Schädel eingeschlagen hat – oder, vor Angst schreiend, ins Feuer geworfen worden sind. Ich wünsche mir so sehr, dass ein Großteil der Menschen endlich mal ihre Doppelmoral aufgeben würden, AUFWACHT und entsprechend HANDELT! Boykottiert diese EM, kauft keine Fanartikel, geht nicht zum Public Viewing! Nur wenn es den Veranstaltern ans Geld geht, werden sie anfangen, zu überlegen, ob das, was sie tun, das Richtige ist – wenn die Einschaltquoten sinken – wenn keiner mehr in die Stadien geht – wenn alle Merchandising-Produkte in den Regalen bleiben - wenn die Sponsoren weniger Umsatz machen, weil sie das Morden unterstützen und wenn die Menschen nicht da feiern wollen, wo sie auf toten Seelen tanzen – dann wird sich etwas ändern.
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