Festnahme russischer Fans Moskau bestellt französischen Botschafter ein

Die Polizei in Cannes hat einen Bus mit 43 russischen Fußballfans festgesetzt. Der Kreml reagiert harsch.

Bengalisches Feuer im Stadion
AP

Bengalisches Feuer im Stadion


Die Regierung in Moskau ist wegen der Festnahme Dutzender russischer Fußballfans am Rande der EM aufgebracht. Nun hat das russische Außenministerium den französischen Botschafter einbestellt. Frankreich sei aufgefordert worden, den Fall so schnell wie möglich auf zivilisierte Weise zu klären, teilte das Ministerium mit.

Die französische Polizei hatte am Dienstag in der Nähe von Cannes einen Bus mit 43 russischen Fußballfans festgesetzt. Elf Personen sollen mittlerweile wieder auf freiem Fuß sein. Die anderen blieben in Gewahrsam und sollten weiter befragt werden. Die Hintergründe sind noch unklar. Laut Polizei hatten sich die russischen Fans geweigert, ihre Personalien anzugeben.

Im Video: Mutmaßliche russische Hooligans gestoppt

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Außenminister Sergej Lawrow kritisierte die Festnahme als "absolut inakzeptabel". Das russische Außenamt warnte: Sollte rund um den EM-Auftritt des Nationalteams Sbornaja antirussische Stimmung geschürt werden, würde dies den bilateralen Beziehungen schaden.

Die Uefa hatte dem russischen Verband einen EM-Ausschluss angedroht, sollte es während der EM im Stadion noch einmal zu Krawallen von russischen Fans kommen. Russische Hooligans hatten am Samstag in Marseille englische Fans angegriffen und so Ausschreitungen provoziert.

Beim zweiten Vorrundenspiel gegen die Slowakei in Lille haben Russlands Fans dennoch ein bengalisches Feuer gezündet. Der Vorfall ereignete sich unmittelbar nach dem Anschlusstor der Russen durch den eingewechselten Denis Gluschakow in der 80. Minute. Das Abbrennen von Feuerwerk gehört allerdings nicht zu den Vergehen, die zu einem Ausschluss führen würden.

Vor und während des Spiels in Lille war die Stimmung relativ friedlich geblieben. Die Polizei hat in der nordfranzösischen Stadt ein vorläufiges Fazit zum Spiel gezogen: Zehn Menschen wurden im Vorfeld des Spiels in Gewahrsam genommen, drei davon wegen Trunkenheit. Das gab die Präfektur des Départements Nord bekannt. Präfekt Michel Lalande sprach von einer "extrem beruhigenden Bilanz".

Drei Russen und einem Ukrainer droht die Ausweisung aus Frankreich. "Der Staatsanwalt befasst sich mit ihren Fällen. Wenn es keine Strafverfolgung gibt, werde ich für alle vier die Ausweisung anordnen", sagte Präfekt Michel Lalande kurz vor Spielbeginn.

Im Video: "Neonazi-Szene spielt eine große Rolle"

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vek/dpa/AFP

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