Türkische First Lady Emine Erdogan preist Harem - und erntet Kritik

"Im Harem wurden Frauen auf das Leben vorbereitet", sagt Emine Erdogan, die Ehefrau des türkischen Präsidenten. Ihren Worten folgen wütende und verständnislose Kommentare.

Ehepaar Erdogan (2013)
AFP

Ehepaar Erdogan (2013)


Die türkische Präsidentengattin Emine Erdogan hat mit Äußerungen über die Vorzüge des Harems im Osmanischen Reich für Irritationen gesorgt. "Der Harem war eine Schule für Mitglieder der osmanischen Dynastie und eine Lehreinrichtung, in der Frauen auf das Leben vorbereitet wurden", sagte die Frau von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die Sätze fielen nach Angaben von Fernsehsendern bei einem offiziellen Termin in Ankara.

Im Harem galten während der osmanischen Herrschaft strenge Regeln, an die sich auch der Sultan halten musste. Zudem gab es genaue Vorschriften für die Auswahl und Ausbildung der Haremsfrauen: Je nach ihren Talenten wurden sie beispielsweise in Literatur, Musik, Kalligrafie oder Fremdsprachen geschult - allerdings nur zur Unterhaltung des Sultans. Ihm mussten einige der Frauen auch sexuell zu Diensten sein.

In den sozialen Netzwerken wurden die Äußerungen der First Lady teils wütend kommentiert. In der Zeit von Murad III, im 16. Jahrhundert Sultan des Osmanischen Reiches, seien Bücher das Einzige gewesen, was nie in einen Harem gelangt sei, zitiert der "Guardian" Ozlem Kurumlar von der Universität Istanbul.

Präsident Erdogan selbst hatte mit einem Kommentar am internationalen Frauentag vergangenen Dienstag Proteste hervorgerufen. Für ihn sei eine Frau "in erster Linie eine Mutter", sagte er. Dem Staatschef wird seit Langem vorgeworfen, die Gesellschaft stärker entlang islamischer Werte ausrichten zu wollen. Dass er die Gleichberechtigung von Mann und Frau für keine gute Idee hält, hat er bereits mehrfach kundgetan.

Protestmarsch in Istanbul
AFP

Protestmarsch in Istanbul

aar/AFP

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