Nach Emine Erdogans Äußerung Was ist eigentlich ein Harem?

"Im Harem wurden Frauen auf das Leben vorbereitet", sagt Emine Erdogan - und erntet heftige Kritik. Doch was versteht man eigentlich unter einem Harem?

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Harem in Ägypten (um 1880)
Corbis

Harem in Ägypten (um 1880)


"Der Harem war eine Schule für Mitglieder der osmanischen Dynastie und eine Lehreinrichtung, in der Frauen auf das Leben vorbereitet wurden", sagte die Frau von Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einem offiziellen Termin in Ankara. Sie erntete Kopfschütteln.

Der Begriff "Harem" wird im Westen häufig als Synonym für "Vielweiberei" verwendet: Es handelt sich demnach um eine Ansammlung leicht bekleideter, gut aussehender Frauen, die alle einem Mann gefügig sind. Geprägt wurde dieses Bild über Jahrhunderte auch durch Gemälde, Opern ("Die Entführung aus dem Serail") und Literatur ("1001 Nacht").

Woher kommt das Wort "Harem" und was versteht man darunter?

Das Wort stammt ursprünglich vom arabischen "haram" ab und bedeutet dort "heiliger verborgener Ort". Das darauf aufbauende türkische Wort "Harem" hat die Bedeutung "Frauenräume" oder "Privaträume". Ursprünglich bezieht es sich auf Wohnbereiche, die für Nicht-Familienmitglieder unzugänglich sind, aber auch auf die Frauen selbst, die dort leben.

Wann und wo gab es Harems?

Der Harem war zu sehr frühen Zeiten bis hin zu den osmanischen Herrschern eine Einrichtung wohlhabender, meist städtischer Häuser. In ihm lebten zum Teil mehrere Gattinnen oder Nebenfrauen des Familienoberhaupts, seine Konkubinen, Töchter, andere weibliche Verwandte, Kinder, Sklavinnen und Dienerinnen.

Im osmanischen Reich gab es Harems mit bis zu mehreren Hundert Frauen und Kindern. Bekanntestes Beispiel ist der Topkapi-Palast in Istanbul mit bis zu 400 Haremsgemächern. Einige Bewohnerinnen erhielten eine strenge Ausbildung, lernten Lesen und Schreiben sowie Handarbeit. In der Türkei verschwanden die Harems mit Einführung der Einehe 1926.

Hat ein Harem etwas mit dem Islam zu tun?

Eine typisch-islamische oder arabische Einrichtung ist der Harem nicht: Es gab Vergleichbares auch im alten Ägypten oder im chinesischen Kaiserreich. Die Sitte, dass die weiblichen Mitglieder eines Haushaltes abseits von den Männern lebten, übernahm die arabische Welt wohl im 7. Jahrhundert von den Byzantinern.

Im Islam ist der Harem der Trakt eines Hauses, in dem sich Frauen getrennt vom Männerbereich unverschleiert bewegen können. Der Koran schreibt die strikte Trennung von Frauen- und Männerräumen nicht explizit vor, empfiehlt Frauen aber, sich nicht zur Schau zu stellen. Frühe Koran-Kommentatoren leiteten daraus die Empfehlung einer Isolierung der Frauen im Haushalt ab.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
Rotauge 10.03.2016
1. was wohl
ein Privatpuff der Sultane.
wilam 10.03.2016
2. Na, vielleicht auch mal
die mathematischen Verhältnisse erwähnen: der Mann hatte die Auswahl und die Frauen mussten warten. Wie geschaffen für einen Lautsprecher Gottes.
westpfälzer 10.03.2016
3. Es wird
aber auch Zeit, dass sich diese "Lebenshilfe für Frauen", dieses "Gesellschaftsmodell" wieder durchsetzt!! Offensichtlich sehen dies insbesondere politisch sehr aktive Frauen auch so! Weshalb kommt bei diesen sonst Freude auf, dass sich die deutsche Gesellschaft durch den Zustrom von Menschen aus dem entsprechenden Kulturkreis ändert, ändern muss!
joes.world 10.03.2016
4. Und was, wenn wir diese Aussage alle missverstanden haben?
Vielleicht wollte Frau Erdogan am Ende mit dieser Aussage, nur Frau Merkel auf ihr nächstes Gespräch mit ihrem Gatten vorbereiten? Denn in der islamistisch angehauchten Welt des Herrn Erdogan (Merkels einzigem Plan!), wäre es unschicklich, wenn Erdogan selber das Treffen mit Merkel vorbereiten würde. Frauen haben mit Frauen zu reden. Die Botschaft ist klar. Und sie wurde Merkel schon mit dem Menschenhandel "tausche Syrer gegen anderen Syrer" (die UNO findet das nicht so prickelnd, aber was kümmert das eine Kanzlerin im Wahlkampf) vorgestellt. Von ihr eventuell noch nicht in voller Konsequenz verstanden. Weshalb Frau Erdogan gerne nachhilft. Erdogans Hofzeremoniell entsprechend wäre es, wenn die Kanzlerin bei ihrem nächsten Bettelbesuch eine Handvoll CDU Nachwuchspolitikerinnen als Gastgeschenke mitbringt. Die von diesem dann, in einem Austauschjahr, aufs politische Leben vorbereitet werden könnten.
micromiller 10.03.2016
5. Emine lebt noch in einer Zeit,
aus denen wir seit einigen Generationen herausgewachsen sind. Den Grad einer Zivilisation kann mann an der Unabhängigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter messen. Jedoch muss der Entwicklungsstand einer Zivilisation nicht identisch mit Glück und Zufriedenheit sein.
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