Reise des französischen Präsidenten Was Macron und Napoleon verbindet

Emmanuel Macron ist nach Korsika gereist - und natürlich provoziert das Vergleiche mit dem berühmtesten Sohn der Insel: Napoleon Bonaparte. Tatsächlich gibt es einige Parallelen zwischen Kaiser und Präsident.

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Von , Paris


Er tut so, als wäre es das Normalste der Welt: Ein französischer Präsident, der durch die Gassen der korsischen Hauptstadt Ajaccio schlendert. Emmanuel Macron, der globale Polit-Star, gibt sich volksnah.

Nur 0,5 Prozent der französischen Bevölkerung leben auf Korsika. Die 300.000-Bewohner-Insel liegt abgeschieden. Die Bewohner hegen ihre eigenen bescheidenen Autonomieambitionen. Im letzten Dezember wählten sie erstmals seit 40 Jahren eine Mehrheit korsischer Nationalisten ins Parlament der Insel. Deswegen ist Macron gekommen. Er will den Unabhängigkeitsdrang der Korsen bremsen.

Doch ganz abgesehen vom aktuellen Anlass: Ein französischer Präsidentenbesuch auf der "Insel der Schönheit" ist immer etwas Besonderes. Auch weil sich jeder Pariser Machthaber dort zwangsläufig in den Schatten des berühmtesten aller Korsen stellt: Napoleon Bonaparte.

Vergleiche zwischen Macron und Napoleon füllen in Frankreich Bücher

Macron provoziert geradezu den Vergleich mit dem alten, teils verhassten, teils bewunderten Revolutionskaiser. Napoleon kam mit 30 Jahren an die Macht, Macron mit 39. "Ich trage den französischen Eroberungsgeist in mir", sagte Macron schon im vergangenen Mai, in der inzwischen historischen TV-Wahlkampfdebatte mit der Rechtsradikalen Marine Le Pen. Das ließ sich natürlich als Anspielung auf vergangene napoleonische Feldzüge verstehen. Im französischen Kollektivgedächtnis bleibt der Korse Frankreichs Eroberer schlechthin. Die Vergleiche zwischen Macron und Napoleon füllen in Frankreich mittlerweile Bücher.

Die historische Rolle Napoleons auf seiner Heimatinsel passt ins Bild, das der Präsident heute von sich vermitteln will: Als einer, der nicht nur die Welt erobert, sondern auch zu Hause hart durchgreift. Nichts anderes tat einst Napoleon in seiner Heimat Korsika, wo er alle Aufstände niederschlagen ließ. Bis heute streiten die Korsen, ob Napoleon seine Insel damals verraten hat oder für sie in Namen der Französischen Revolution die größten Lorbeeren erkämpfte. Frankreich streitet heute ebenso, ob der Globalisierungsbefürworter Macron die französische Identität verrät.

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Macron besucht Korsika: Auf der Insel des Kaisers

Macron nimmt das napoleonische Erbe an: Er will zu Hause einschneidende Reformen (Arbeitsmarkt, Rente, Arbeitslosenversicherung) durchsetzen, um Frankreich in der Welt neue Geltung zu verschaffen. Damit riskiert er viel, wie vor ihm Napoleon. Beide waren nie unumstritten. Die "unerträgliche Verweigerung von Menschlichkeit" warf der französische Literaturnobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio jetzt dem Machtmenschen Macron vor. Doch der antwortete: "Menschlichkeit ohne Effizienz, das sind schöne Worte. Effizienz ohne Menschlichkeit, das bedeutet Ungerechtigkeit. Es bedarf der Menschlichkeit und der Effizienz." Diese Antwort würden viele Franzosen spontan als " bonapartistisch " bezeichnen.

Der Widerstand gegen Macrons Napoleon-Masche hat gerade erst begonnen. Auf Korsika demonstrierten am Samstag mehrere Tausend Bürger in Ajaccio für "die Demokratie und den Respekt des korsischen Volkes". Als hätte ein Macron damit nichts am Hut.

Korsika als gute Bühne für Macron

Hat er aber durchaus. Kein anderer Präsidentschaftskandidat hatte im letzten Wahlkampf so sehr die Autonomiebegehren der Korsen unterstützt. Unter den Nationalisten befinden sich sogar Anhänger von Macrons Partei "La République en Marche". Jetzt fordern sie von ihm, die korsische Sprache zu fördern, der Insel ein eigenes Statut zu geben und die gefangenen Terroristen der einst gewalttätigen "Korsischen Nationalen Befreiungsfront" in Gefängnisse auf der Insel zu verlagern. Die Frau eines Gefangenen mit einem sechsjährigen Kind sprach Macron auf der Straße in Ajaccio darauf an. Er antwortete dieses Mal einfühlsam. Zuvor hatte er die korsischen Terroristen in einer Rede mit den Terroristen des "Islamischen Staats" verglichen.

Der französische Strategie-Experte Jean-Dominique Merchet, der gerade ein Buch mit dem Titel "Macron Bonaparte" veröffentlichte, zieht eine historische Parallele zwischen Kaiser und Präsident: Napoleon hatte 1799 einst Royalisten und Jakobiner mithilfe des gemäßigten militärischen Establishments verdrängt. Macron habe 2017 rechte und linke Extremisten mithilfe des gemäßigten Medien-Establishments geschlagen. Beide wären zudem "individuelle Abenteurer, große Verführer und autoritäre Persönlichkeiten", sagt Merchet.

insgesamt 9 Beiträge
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christophe007 07.02.2018
1. Soooo ein Quatsch!!
Darf man vielleicht daran erinnern, dass Bonaparte ein blutrünstiger Kriegstreiber, der ganz Europa in Schutt und Asche gelegt hat? Dass er ursprünglich ein General der Revolution war, der aber die 1794 abgeschaffte Sklaverei 1804 wieder einführte? Ein solcher historischer Vergleich ist grotesk und rotznäsig. Jeder Besuch eines französischen Präsidenten auf dieser Insel ist heikel. Dass er sich dahin getraut hat, heißt noch lange nicht, dass er der ungehemmte Machtmensch und Kriegsherr von damals ist.
e-d.p 07.02.2018
2. Die Größe,
auf jedem Fall.
spon_4664242 07.02.2018
3. Die ältere Gattin
Obwohl es bei Josephine ja nur 5 Jahre waren.
licorne 07.02.2018
4.
Macron war vor allen in Korsika, um einer Gedenkfeier für den vor 20 Jahren ermordeten Präfekten Erignac beizuwohnen. "Die Frau eines Gefangenen mit einem sechsjährigen Kind sprach Macron auf der Straße in Ajaccio darauf an." Hier geht es um den Mörder des Präfekten. Die Napoleon Vergleiche sind herbeiphantasiert.
frenchie3 07.02.2018
5. Die Korsen hätten auch demonstriert
wenn Lieschen Müller offiziell gekommen wäre. Man überlebt eher einen Bayern einen Preißn zu nennen als einen Korsen als Franzosen. Sehr mutig von Macron da hinzugehen
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