"Großer Soldat" Macron ehrt Nazi-Kollaborateur Pétain

Philippe Pétain war für die Deportation von Juden verantwortlich, nach 1945 wurde er zum Tode verurteilt. Trotzdem hat Frankreichs Staatschef Macron den Soldaten nun geehrt - als Held des Ersten Weltkriegs.

Emmanuel Macron mit dem Modell eines Panzers aus dem Ersten Weltkrieg
DPA

Emmanuel Macron mit dem Modell eines Panzers aus dem Ersten Weltkrieg


Emmanuel Macron weiß um die, wie er es sagt, "unheilvolle Entscheidung" Philippe Pétains, während des Zweiten Weltkriegs mit den Nationalsozialisten zusammenzuarbeiten. Dennoch hat der französische Präsident nun Pétain geehrt - und seine Verdienste während des Ersten Weltkriegs hervorgehoben.

Der Nazi-Kollaborateur Philippe Pétain sei ein "großer Soldat" des Ersten Weltkriegs gewesen, sagte Macron im ostfranzösischen Charleville-Mézières. "Ich erkenne die Rolle an, die unsere Marschälle und unsere Armee gespielt haben."

Der Armee verdanke Frankreich den Sieg. Pétains Rolle während der nationalsozialistischen Besatzung ändere nichts an seinen Verdiensten für Frankreich, sagte Macron während einer Reise zu markanten Orten des Ersten Weltkriegs. Der französische Staatschef verteidigte mit diesen Worten die Ehrung Pétains und sieben anderer Marschälle im Pariser Invalidendom anlässlich des Waffenstillstands vor 100 Jahren.

Jüdischer Dachverband empört

Pétain war jedoch auch maßgeblich für die Deportation französischer Juden mitverantwortlich. Er wurde nach Kriegsende 1945 wegen Hochverrats in Frankreich zum Tode verurteilt, dies wurde jedoch in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Pétain starb 1951 mit 95 Jahren.

Die Dachorganisation jüdischer Institutionen in Frankreich CRIF übte scharfe Kritik an Macrons lobenden Worten für Pétain. "Ich bin schockiert über diese Aussage", sagte CRIF-Präsident Francis Kalifat. "Pétain war derjenige, der die Deportation von 76.000 französischen Juden in Todeslager erlaubte. Petain unterzeichnete das (Gesetz über) den Status der Juden, wonach Juden von öffentlichen Ämtern und dem Zugang zu Bildung ausgeschlossen wurden und den Davidstern tragen mussten." Es sei eine Beleidigung, dass ein französischer Präsident Pétain auf "gleicher Ebene wie die anderen Generäle" ehre.

Macron: Wirklichkeit sei "manchmal komplexer"

Der 1856 geborene General Pétain wurde lange als "Held von Verdun" gefeiert, weil er die Stadt 1916 in einer monatelangen Schlacht gegen die Deutschen verteidigte. Danach wurde er zum Kommandeur der französischen Nordarmee ernannt und fügte den Deutschen zusammen mit Marschall Ferdinand Foch 1918 die entscheidende Niederlage zu.

Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich 1940 arbeitete Pétain mit den Nazis zusammen und wurde Regierungschef im unbesetzten Teil Frankreichs. Er war Kopf des sogenannten Vichy-Regimes, das bis 1944 mit den Nazis kollaborierte. Macron sagte mit Blick auf das Vichy-Regime: "Ich verschleiere kein Kapitel der Geschichte." Aber die politische und menschliche Wirklichkeit sei "manchmal komplexer, als man glauben mag".

apr/AFP/AP



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