"Nicht nur Zigarette" Macron erkennt Cannabis-Geruch sofort

"Ich habe immer noch einen Riecher dafür", gab Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei einem Zusammentreffen mit Jugendlichen zu. Der 39-Jährige hatte aber auch eine Warnung für die Teenager.

Emmanuel Macron am Freitagabend in Französisch-Guyana
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Emmanuel Macron am Freitagabend in Französisch-Guyana


Er ist zwar mittlerweile Präsident, einen Joint erkennt Emmanuel Macron allerdings noch immer. "Einige unter euch rauchen aber nicht nur Zigarette", sagte er bei einem Zusammentreffen mit Jugendlichen im Überseegebiet Französisch-Guyana.

"Ich habe immer noch einen Riecher dafür", so Macron. Damit hatte der 39-Jährige die Lacher auf seiner Seite. Eine Ermahnung gab es aber gleich dazu: "Das wird euch nicht dabei helfen, gut in der Schule zu sein. Das müsst ihr den Jüngeren sagen." Macron hatte am Freitagabend überraschend ein Problemviertel der Hauptstadt Cayenne besucht und dort mit Menschen auf der Straße geredet.

Sein Besuch des Übersee-Départements in Südamerika, das mit großen wirtschaftlichen und sozialen Problemen kämpft, war allerdings von gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei überschattet. Auch weil der Präsident mit Äußerungen zu geplanten Nothilfen für Empörung gesorgt hatte: "Ich bin nicht der Weihnachtsmann, und die Bewohner Guayanas sind keine Kinder", hatte er am Donnerstagabend auf die Frage nach zusätzlichen Mitteln für die Not leidende Bevölkerung geantwortet.

Jugendliche in Cayenne
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Jugendliche in Cayenne

In dem Überseeterritorium und in Paris stießen Macrons Äußerungen auf scharfe Kritik: "Wir brauchen keinen Weihnachtsmann, wir brauchen eine Regierung, die versteht, dass in Guayana nichts mehr geht", sagte der Vorsitzende des örtlichen Bürgermeister-Verbandes, David Riché, dem Sender Franceinfo. Der frühere französische Premierminister Bernard Cazeneuve rief Macron auf, "nationale Solidarität" zu zeigen.

Vertreter des Überseegebiets fordern von Paris insgesamt 3,2 Milliarden Euro Nothilfen, die Vorgängerregierung hatte im April nach wochenlangen Protesten aber nur 1,1 Milliarden in Aussicht gestellt. Macron schrieb dazu auf Twitter: "Die Zusagen werden eingehalten, nicht mehr, aber auch nicht weniger."

Vor der Präfektur von Französisch-Guayana in der Stadt Cayenne versammelten sich daraufhin Demonstranten, die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen sie vor. Einige Demonstranten warfen mit Molotow-Cocktails und anderen Geschossen. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

In dem Überseegebiet mit rund 250.000 Einwohnern sind mehr als 40 Prozent der Menschen unter 25 Jahre arbeitslos. Aktivisten beklagen, 30 Prozent der Bevölkerung hätten keinen Zugang zu Trinkwasser oder zu Elektrizität.

lgr/dpa



insgesamt 14 Beiträge
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biancakaltfeuer 28.10.2017
1.
Dieser Macron ist ein sympathischer Typ. Er sagt, was er denkt: Hört auf zu kiffen, setzt euch auf den Hosenboden, statt schon wieder "Hilfe" aus Paris zu fordern. Bin mal gespannt, was ihm der nächste Finanzminister von Jamaika so durch die Blume sagt. Irgendwas mit Camembert und Rotwein, vielleicht.
gatopardo 28.10.2017
2. (Neo)liberale Positionen
von EU-Politikern haben mich nie wirklich angezogen. Bei Macron war alles anders, als er in den Wahlkampf zog und wir waren begeistert. Aber welche Auswahl hatte man denn schon in Frankreich zwischen links- und rechtsradikal. Bin jetzt aber nicht sicher, ob er bei seiner Twitter-Aussage zu Guayana eine glückliche Hand hatte.
der_gärtner13 28.10.2017
3. Richtig so, Macron!
250.000 Einwohner und 3,2 Mrd Euro? Und ebenfalls typisch für die Breitengrade: Gekifft und geschnackselt ohne Verhütung wird weltmeisterlich - aber mit Arbeit haben sies nicht so . Da wächst dann die Bevölkerung in 10 Jahren um 30-35% und der Franzose in Frankreich soll alimentieren! Und das ist ja nicht die einzige Übersee-Kolonie, wo es so läuft. Das ist mit "ich bin doch nicht der Weihnachtsmann und ihr keine Kinder" noch sehr nett umschrieben von Macron! Man braucht auch keine Debatten darüber zu führen, welche Verantwortungen Frankreich auf Grund seiner Kolonialherrengeschichte hat. Es geht darum, was man den "Leuten heute" noch vermitteln kann ohne dass sich Demokratien gegen sich selbst wenden - vielleicht das nächste große Problem des noch jungen Jahrhunderts!
Strangelove 28.10.2017
4. Man kann es sich auch sehr einfach machen
Zitat von der_gärtner13250.000 Einwohner und 3,2 Mrd Euro? Und ebenfalls typisch für die Breitengrade: Gekifft und geschnackselt ohne Verhütung wird weltmeisterlich - aber mit Arbeit haben sies nicht so . Da wächst dann die Bevölkerung in 10 Jahren um 30-35% und der Franzose in Frankreich soll alimentieren! Und das ist ja nicht die einzige Übersee-Kolonie, wo es so läuft. Das ist mit "ich bin doch nicht der Weihnachtsmann und ihr keine Kinder" noch sehr nett umschrieben von Macron! Man braucht auch keine Debatten darüber zu führen, welche Verantwortungen Frankreich auf Grund seiner Kolonialherrengeschichte hat. Es geht darum, was man den "Leuten heute" noch vermitteln kann ohne dass sich Demokratien gegen sich selbst wenden - vielleicht das nächste große Problem des noch jungen Jahrhunderts!
und dabei ordentlich danebengreifen. Was hat das bitteschön mit den Breitengraden zu tun, oder wollten Sie sagen bei den Dunkelhäutigen dort? Es gibt genügend Länder die klimatisch ähnlich sind und wo es besser läuft, insbesondere in Asien (wenn auch nicht unbedingt Demokratien). Abgesehen davon möchte ich Sie in dem Klima mal hart körperlich schuften sehen, im Freien ist das nur eingeschränkt möglich. Meist ist es letztlich eine Frage der Bildung(smöglichkeiten) und der Perspektive, ob die Geburtenraten hoch sind. Das war früher in "unseren Breitengraden" nicht anders und ist zum Teil immer noch bei sozial Schwachen so. Bei uns wird vielleicht auch mehr gesoffen als gekifft, die Folgen sind bei beidem aber ähnlich. Ich halte die geforderte Summe auch für etwas hoch. Interessant wäre aber zu wissen was mit dem Geld gemacht werden sollte. Nur Alimentation der Bevölkerung oder vor allem Investitionen in die Infrastruktur. Und wenn ich lese wie schlecht die (kleine) Bevölkerung dort versorgt ist, verstehe ich, dass die wollen, dass der Staat das ändert. Wäre in Frankreich selbst wohl auch so.
bamesjond0070 29.10.2017
5.
"250.000 Einwohner und 3,2 Mrd Euro? Und ebenfalls typisch für die Breitengrade: Gekifft und geschnackselt ohne Verhütung wird weltmeisterlich - aber mit Arbeit haben sies nicht so . Da wächst dann die Bevölkerung in 10 Jahren um 30-35% und der Franzose in Frankreich soll alimentieren!" 1. Ich weiß nicht ob ich betreffend Ihres Textes lachen oder weinen soll 2. Vielleicht könnte man 150 Jahre nach Ende des Kolonialismus seine Kolonien auch wieder abgeben.
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