Emmanuel Macron "Frankreich ist zurück"

In einem TV-Interview hat sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erneut gegen Kritik verteidigt, er sei abgehoben. Zudem sprach er über die Erfolge seines Landes, über Donald Trump und Harvey Weinstein.

Macron beim TV-Interview
REUTERS

Macron beim TV-Interview


Der französische Präsident Emmanuel Macron hat am Sonntag sein erstes längeres nationales Fernsehinterview gegeben, es dauerte rund eine Stunde und wurde live übertragen. Dabei sprach der 39-Jährige über zahlreiche Themen, darunter die folgenden:

  • Macron hob die Erfolge Frankreichs seit seiner Wahl zum Präsidenten hervor. Paris wurde als Veranstaltungsort für die Olympischen Spiele 2024 ausgewählt. Die frühere französische Ministerin Audrey Azoulay soll demnächst an der Spitze der Uno-Kulturorganisation Unesco stehen. "Wir sind hier. Frankreich ist zurück", sagte Macron den TV-Sendern TF1 und LCI.
  • Macron verteidigte sich gegen Kritik, er sei abgehoben und kümmere sich vor allem um die Reichen: Er sei der Präsident aller Franzosen.
  • Macron erwartet spürbare Auswirkungen seiner Arbeitsmarktreformen spätestens in zwei Jahren. "Die Arbeitslosigkeit geht derzeit zurück", sagte er. "Wir werden den vollen Effekt der derzeit von der Regierung umgesetzten Reformen in eineinhalb bis zwei Jahren sehen." Während des Wahlkampfs hatte Macron erklärt, die Arbeitslosenquote von nahe zehn Prozent bis zum Ende seines Mandats auf sieben Prozent zu senken. "Ich tue die Dinge, von denen ich im Wahlkampf gesagt habe, dass ich sie tun werde."
  • Macron ist mit seinem US-Amtskollegen Donald Trump uneins über die Klimapolitik und Iran. Trump wolle "die Sache mit Iran verhärten", sagte Macron. Das halte er für eine "schlechte Methode". Macron hob gleichzeitig die Bedeutung der USA im gemeinsamen Anti-Terror-Kampf im Nahen Osten und in Afrika hervor. "Die Vereinigten Staaten sind unsere Verbündeten."
    Macron bekräftigte seine Absicht, nach Iran zu reisen. Der Élyséepalast hatte bereits am Freitag angekündigt, Macron könnte seinen iranischen Amtskollegen Hassan Rohani besuchen. Details waren dazu aber offen geblieben. Trump hatte am Freitag in Washington den Druck auf die Regierung in Teheran erhöht und nicht anerkannt, dass der Iran das Atomabkommen einhält.
  • Nach der tödlichen Messerattacke von Marseille und Behördenversagen will Frankreich verstärkt auf einen härteren Kurs bei Abschiebungen setzen. Ausländer, die eine Straftat begingen und keine Aufenthaltserlaubnis hätten, würden abgeschoben, sagte Macron. "Ich werde hier unerbittlich sein."
  • Macron dringt darauf, Harvey Weinstein die Auszeichnung der Ehrenlegion zu entziehen. Dem Filmproduzenten werden sexuelle Belästigung und Vergewaltigung vorgeworfen. "Ja, ich habe in der Tat die Schritte eingeleitet, um die Ehrenlegion zu entziehen", sagte Macron.
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Heft 42/2017
SPIEGEL-Gespräch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron

In einem Gespräch mit dem SPIEGEL hatte Macron kürzlich auch über seine neue Rolle gesprochen. Das Präsidentendasein sei für einen selbst das Ende der Unschuld und verändere das Leben gewaltig: "Alles, was man tut, was man sagt - aber auch das, was man nicht sagt -, hat plötzlich eine Bedeutung."

Auf die vor allem in Frankreichgeäußerten Vorwürfe, er sei arrogant und ein Präsident der Reichen, meinte Macron gegenüber dem SPIEGEL: "Ich bin nicht arrogant, ich bin entschlossen." Den traurigen Reflexen des französischen Neids werde er nicht nachgeben, "weil eben dieser Neid unser Land lähmt". (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

aar/AP/dpa/Reuters

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frenchie3 16.10.2017
1. Die Sache mit dem Neid
Daß der sich traut das laut zu sagen, auch wenn er zehn mal Recht hat. Na ja, mal viel Glück weiterhin. Eigentlich hätte er es leicht, schlimmer als unter Hollande geht es eh nicht
seine-et-marnais 16.10.2017
2. Herzhafter Lacher
Der Artikel beginnt :"Macron hob die Erfolge Frankreichs seit seiner Wahl zum Präsidenten hervor. Paris wurde als Veranstaltungsort für die Olympischen Spiele 2024 ausgewählt. Die frühere französische Ministerin Audrey Azoulay soll demnächst an der Spitze der Uno-Kulturorganisation Unesco stehen. "Wir sind hier. Frankreich ist zurück", sagte Macron den TV-Sendern TF1 und LCI." Diese Selbsttäuschung ist zum Speien, Paris wurde nicht für die Olympischen Spiele 2024 ausgewählt, da war schlicht keine Konkurrenz da. Keine andere Stadt wollte die Spiele, und dann war LA da, das aber 2028 bevorzugte. Und vor allem, Anne Hidalgo, unsere Pariser Bürgermeisterin und fanatische Bobo-Puigdemont, wollte das. Und so ist Macron, eine kräftige Portion Chuzpe gepaart mit Arroganz, übergossen mit viel Kommunikation und einer Sauce financière unbekannter Herkunft. Das Ganze schwammig präsentiert mit einem haut goût von Fisch und Fleisch, gemischt, alle Geschmâcker gleichzeitig, eine richtige Pampe . Macron ist wie Paris 2024, solange die Parteienkonkurrenz aus PS.im Luftschutzkeller sitzt, die Konservativen heillos zersritten sind, Frage ist, sind Edouard, Darmanin oder Solère jetzt noch Republikaner, Mélenchon seit zwei, drei Wochen ausflippt, der FN gespalten ist, Meister in der neuen Welt die der alten Welt doch so ähnlich ist. Nur, das Interview, erst mit dem Spiegel, dann auf TF1 zeigt, dass er gar nicht so sicher im Sattel sitzt. Der Spiegel, das war weil er die EU braucht, Merkel braucht. Er wollte so dem Jamaica-Cocktail den sich Deutschland braut einen Spritzer Cognac zugeben. Nur, der österreichische Jagertee wird stärker den Jamaica-Cocktail geschmacklich beeinflussen als Macrons Cognacspritzer. Und das Interview im Fernsehen war, da singt einer im Wald weil er sonst Angst hat. Das Interessante war nicht Macron, der gebetsmühlenartig alles zum x-ten Mal erzählt, und j'assume hinzusetzt. Das Interessante waren die nachfolgenden Diskussionen in denen Macron-Mitstreiter, Minister oder Abgeordnete dann ewig versicherten, das ist der richtige Weg, und man muss den 'Zusammenhang' aller Massnahmen sehen, die dann mal, wie Macron sagte, in vielleicht zwei Jahren einen Erfolg zeigen. Bis dahin habe ich persönlich 1.7% CSG-Steuer mehr, bezahle nach wie vor die Wohnsteuer, Diesel wird noch teurer, schon heute 10% über deutschem Niveau. Auch die Lebensmittelpreise werden steigen, das Leben ist eh viel teurer als in Deutschland, da Macron 'gerechte Preise' für Bauern will (mehr als 30% der frz Bauern haben weniger als 350 Euros im Monat) die aber auf die Konsumenten abgewälzt werden, usw usw Nachsatz, Macron hat die Argumentation der 'Rieselung des Reichtums', also man muss nur die Reichen steuerlich entlasten, dann kommt automatische den Armen und Arbeitslosen langfristig Geld, Glück und Reichtum zu, aufgegeben. Da hat er sich mehr Schaden als Nutzen zugefügt, den Krampf hat ihm keiner geglaubt.
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