Vor erstem Jahrestag Zehntausende Franzosen demonstrieren gegen Macron

Seit fast einem Jahr ist Emmanuel Macron Präsident in Frankreich - eine Tatsache, die dort nicht jedem gefällt. In der Hauptstadt gab es Proteste gegen seine Politik.

DPA

Studenten, Eisenbahner, Linke: In Paris sind am Samstag Zehntausende Franzosen aus Protest gegen ihren Präsidenten Emmanuel Macron auf die Straße gegangen. Sie zogen gemeinsam durch das Zentrum der französischen Hauptstadt und hielten dabei Schilder mit Aufschriften wie "Stop Macron" in die Höhe. Bald jährt sich seine Amtsübernahme zum ersten Mal.

Der Protest richtete sich gegen diverse Reformen des Präsidenten und seiner Regierung. Kritiker werfen Macron vor, mit seiner Politik vor allem Unternehmen und Besserverdiener zu bevorzugen.

Erst vor wenigen Wochen hatte es an etwa zwei Dutzend Universitäten, darunter Lille, Toulouse, Rennes, Straßburg, Metz, Nancy, Proteste gegen die Hochschulreform von Macrons Regierung gegeben. Streikende Studenten hatten den Zugang zu Uni-Gebäuden versperrt, Hörsäle besetzt und damit den Lehrbetrieb lahmgelegt.

Macron weilt weit entfernt

Der Protestzug in Paris wurde nun von einem Großaufgebot der Polizei abgesichert. Nach massiven Ausschreitungen am Rande von Demonstrationen am 1. Mai in Paris waren die Sicherheitsvorkehrungen für die Veranstaltung verschärft worden. Nach Angaben der Behörden nahmen 40.000 Menschen an dem Marsch teil. Die Linkspartei La France Insoumise ("Das unbeugsame Frankreich"), die die Demonstration unterstützte, sprach auf Twitter von 160.000 Teilnehmern. Die Polizei hatte angekündigt, 2000 Beamte einzusetzen.

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Frankreich: "14. Mai 2017, Wiederherstellung der Monarchie"

Beobachter sehen die Demonstration als Test dafür, ob sich die zersplitterte Linke in ihrem Protest gegen den sozialliberalen Macron vereinen kann. Unter anderem trat der Chef von La France Insoumise, Jean-Luc Mélenchon, auf.

Macron selbst war am Samstag Tausende Kilometer von den Protesten entfernt. Das Staatsoberhaupt beendete einen Besuch im französischen Überseegebiet Neukaledonien im Südpazifik.

vks/dpa



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Spr. 05.05.2018
1. Sozialliberal? Nein, neoliberal!
Ausgerechnet Macron als sozialliberal zu bezeichnen setzt schon ein sehr hohes Maß am Realitätsverweigerung voraus! Macron macht mit seiner Politik für Unternehmen und das oberste 1% auf dem Rücken des Volkes den Schröder. Das beinhaltet auch, dass Macron sich von andauernden Demonstrationen mit noch so vielen Teilnehmern genauso wenig von seinem neoliberalen Weg abbringen lässt wie Schröder, der selbst Demonstrationen in sämtlichen (Groß-)Städten mit Hunderttausenden Teilnehmern unter Hinweis auf die Dummheit der Demonstranten geflissentlich ignoriert hat. Von den Franzosen ist aller Erfahrung nach anzunehmen, dass diese sich ein dermaßen verächtliches Verhalten von ihrem Präsidenten nicht so einfach gefallen lassen wie der deutsche Michel. Da werden wir noch sehr viel öfter vom Widerstand des Volks gegen die neoliberale Politik Macrons hören und lesen - und letztendlich auch von dem Erfolg des Widerstands.
gersois 05.05.2018
2. Wie immer!
In Frankreich kann regieren, wer auch immer gewählt wurde. Nach kurzer Zeit wollen ihn die Franzosen nicht mehr! Zu viele Reformen, zu wenig Reformen, falsche Reformen, ganz egal! Das war bei Hollande so und auch bei Sarkozy. Und es würde bei Mélenchon nicht anders sein. Macron hat noch Zeit, seine Reformen durchzuziehen. Am Ende seiner Amtszeit wird franzose sehen, wo Frankreich steht.
spadoni 05.05.2018
3. Emmanuel Macron
hat leider keine andere Wahl, er muss Frankreich, das sonst kurz vor dem Bankrott stehen würde, reformieren. Aber die Franzosen, von jeher etwas aufsässig und faul, demonstrieren oder streiken wann immer die Gelegenheit sich bietet, gegen alles und jeden. Niemand möchte auf seinen kleinen "confort "verzichten, dass der Staat dabei zugrunde gehen kann, interessiert sie nicht. Frankreich ist der sozialste Staat in der EU, noch vor Deutschland, und zahlreiche Franzosen, viele davon Einwanderer, leben auf Kosten des Staates. Und das möchte natürlich keiner missen!!!
-su- 05.05.2018
4.
Zitat von spadonihat leider keine andere Wahl, er muss Frankreich, das sonst kurz vor dem Bankrott stehen würde, reformieren. Aber die Franzosen, von jeher etwas aufsässig und faul, demonstrieren oder streiken wann immer die Gelegenheit sich bietet, gegen alles und jeden. Niemand möchte auf seinen kleinen "confort "verzichten, dass der Staat dabei zugrunde gehen kann, interessiert sie nicht. Frankreich ist der sozialste Staat in der EU, noch vor Deutschland, und zahlreiche Franzosen, viele davon Einwanderer, leben auf Kosten des Staates. Und das möchte natürlich keiner missen!!!
So kann man es natürlich auch hinstellen. Die Franzosen seien einfach zu "faul" und demnostrieren lieber. Was für eine Arroganz spricht aus einen Beitrag wie den Ihrigen. Deutschland ist doch das Beste Beispiel dafür, wohin diese "Reformen" führen. Ausweitung des Niedriglohnsektors, Verarmung der Arbeitslosen und Altersarmut. Die einzigen die von dieser Politik profitieren, sind die die schon viel haben und von ihren Kapitaleinkünften leben. Die Dummen sind die Arbeiter. Das haben die Franzosen erkannt und bekämpfen den Neoliberalen Macron. Der übrigens von seiner zweifelhaften Reformpolitik dadurch ablenken will, dass er "Europa erneuern" und kriegerische Abenteuer (Syrien, Mali usw.) führen will.
schmidtandrea3 05.05.2018
5. Warum lieben Ihn die Franzosen nicht?
Also ich verstehe es nicht. Da wählen die Franzosen einen ehemaligen Banker zum Präsidenten, er streicht als eine der ersten Amtshandlungen die Vermögenssteuer und jetzt will er zum Ausgleich eine Arbeitsmarktreform a la "Agenda 2010" (zu deutsch: hartz IV) den Franzosen schenken. Und die sind nicht begeistert?
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