SPIEGEL-Gespräch mit Emmanuel Macron "Die einzige Antwort auf die AfD ist Mut"

Ungewöhnliche Bekenntnisse eines französischen Präsidenten: Im SPIEGEL spricht Emmanuel Macron über die Bürde des Amtes, den Umgang mit rechten Populisten und seine Nähe zu Angela Merkel.

Emmanuel Macron
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Emmanuel Macron


Emmanuel Macron hat seine Europarede an der Sorbonne im Detail mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel abgestimmt. Das erklärt der französische Präsident in einem ausführlichen Gespräch in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. In der Rede am 26. September, nur zwei Tage nach der Bundestagswahl, hatte sich Macron für einen Neustart Europas starkgemacht - und die große Nähe zu Deutschland betont.

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Heft 42/2017
SPIEGEL-Gespräch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron

Dem SPIEGEL sagte der Präsident nun: "Ich hatte am Ende des Wahlkampfs sowie noch am Wahlabend mit ihr gesprochen. Sie hat sogar den Text meiner Rede vorab erhalten. Mir ging es darum, Diskussionen in Deutschland zu vermeiden, die die Kanzlerin dazu gezwungen hätten, sich von meiner Rede zu distanzieren." Macron betont, er habe sehr freundschaftliche Gefühle gegenüber Angela Merkel und es gebe da "diesen unbedingten Willen, uns gegenseitig zu verstehen". (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Er glaube nicht, so Macron im Interview, dass eine mögliche Jamaikakoalition in Deutschland seinem europäischen Projekt im Wege stehen werde: "Sowohl bei den Grünen wie bei der FDP liegt eine Unterstützung Europas in der DNA der jeweiligen Partei." Er habe also Hoffnung. Auf den Aufstieg der rechtspopulistischen AfD gebe es laut Macron nur eine Reaktion, das habe er Angela Merkel auch mitgeteilt. Man müsse den Kampf gegen die AfD aufnehmen, dürfe nicht schüchtern sein gegenüber diesen Leuten: "Die einzige Antwort auf die AfD ist Mut, ist Ehrgeiz."

Zu seiner neuen Rolle sagt er, das Präsidentendasein sei für einen selbst das Ende der Unschuld und verändere das Leben gewaltig: "Alles, was man tut, was man sagt - aber auch das, was man nicht sagt -, hat plötzlich eine Bedeutung." Auf die vor allem in Frankreich geäußerten Vorwürfe, er sei arrogant und ein Präsident der Reichen, meint Macron gegenüber dem SPIEGEL: "Ich bin nicht arrogant, ich bin entschlossen." Den traurigen Reflexen des französischen Neids werde er nicht nachgeben, "weil eben dieser Neid unser Land lähmt".

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - diese Woche bereits ab Donnerstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 55 Beiträge
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peterpahn 13.10.2017
1. Macron steht unter Druck: Die französische Wirtschaftsschwäche ...
Macron steht unter Druck: Die französische Wirtschaftsschwäche ist offensichtlich und ohne tiefgreifende Reformen wird sich daran nichts ändern. Wenn er sich an die Reform des aufgeblähten französischen Sozialstaates und des rigiden Arbeitsmarktes macht, ist allerdings mit heftigem Widerstand zu rechnen. Deshalb interpretiert er das Problem einfach um: Wenn Frankreich als Standort im Vergleich zu den anderen europäischen Länder nicht attraktiv genug ist, müssen die anderen eben durch mehr Sozialleistungen und höhere Mindestlöhne unattraktiver werden. Vor diesen Plänen kann nur gewarnt werden.
elromo 13.10.2017
2. Mut ist immer gut
Ich bin mir zwar nicht ganz sicher was ich von Macron halten soll - aber die Überschrift dieses Artikels trifft es: Wir brauchen Mut um der AFD und dem aufkommenden Nationalismus in Europa entgegeznutreten. Dem aufkommenden Nationalismus in Katalonien, Spanien, Frankreich, Polen, Ungarn, Venetien, Sachsen, Teilen Skandinaviens und vielen andere Regionen und Ländern in Europa und der Welt ein Stop entgegenzurufen ist unumgänglich. Wir müssen alle umdenken und neue Lösungen finden. Wir leben in einer globalen Welt und ob uns das gefällt oder nicht wir werden lernen damit zu leben. Die Probleme müssen in Afrika und Asien gelöst werden.
Papazaca 13.10.2017
3. Ich mag Macron. Aber von der AfD hat er keine Ahnung
Mit Mut und Ehrgeiz kann man die AfD nicht in den Griff bekommen. Das sind deplatzierte Begriffe in diesem Zusammenhang. Der überwiegende Teil der AfD-Wähler sind Protestwähler. Also muß man wissen, wofür oder wogegen sie protestieren. Und dann stellt sich die Frage, ob sich das politische Establishment dieser Forderungen annimmt. Die AfD für sich ist irrelevant, liegt sogar sicher ohne die Protestwähler unter 5%. Das wahre Thema ist also nicht die AfD sondern der Protest. Das Macron auf seine Freundin Angela hört, kann ich ja verstehen. Aber versteht sie? Als Mutter der AfD müßte sie eigentlich alles sehr gut verstehen und einordnen. Aber dazu fehlt es ihr leider an Einsicht und Zivilcourage.
Silbendrechsler77 13.10.2017
4. Macron hat recht...
...aber er meint sicher nicht den Mut, sich irgendwie gegen "rechts" zu positionieren. Diesen "Mut" gibt es nämlich inzwischen gratis und im Dutzend. Gemeint muss ein Mut sein, sich den Themen zu stellen, die die Menschen bewegen; Mut zu haben, auch kontroverse Dinge anzusprechen und zu diskutieren, Mut, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen.
guillermo_emmark 13.10.2017
5. Uminterpretiert?
Zitat von peterpahnMacron steht unter Druck: Die französische Wirtschaftsschwäche ist offensichtlich und ohne tiefgreifende Reformen wird sich daran nichts ändern. Wenn er sich an die Reform des aufgeblähten französischen Sozialstaates und des rigiden Arbeitsmarktes macht, ist allerdings mit heftigem Widerstand zu rechnen. Deshalb interpretiert er das Problem einfach um: Wenn Frankreich als Standort im Vergleich zu den anderen europäischen Länder nicht attraktiv genug ist, müssen die anderen eben durch mehr Sozialleistungen und höhere Mindestlöhne unattraktiver werden. Vor diesen Plänen kann nur gewarnt werden.
Da haben Sie jetzt aber uminterpretiert. Und zwar gewaltig. Es geht bei Macrons Aussage nämlich mitnichten um "die anderen". Es geht um Deutschland mit boomender Wirtschaft und kaum steigenden, vielfach sinkenden Reallöhnen. Uns das ist einer von mehreren Kernen des europäischen Pudels. Vermutlich sogar der grösste.
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