Macrons Rede im US-Kongress "Make our planet great again"

Frankreichs Präsident Macron hat in seiner Rede im US-Kongress die Verbindungen beider Länder hervorgehoben. Gleichzeitig richtete er eine kritische Botschaft an die amerikanische Politik.

Emmanuel Macron
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Emmanuel Macron


In seiner Rede vor dem US-Kongress hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dafür plädiert, gemeinsam auf die weltweiten Probleme zu reagieren. Den Weg einzelner Länder in den Nationalismus und Isolationismus halte er für falsch, sagte Macron vor den Abgeordneten.

Die Aussage kann durchaus als leichte Kritik an US-Präsident Donald Trump verstanden werden, der mit seiner Politik einen starken nationalen Fokus verfolgt. "Die Tür gegenüber der Welt zu verschließen" sei keine Lösung, sagte Macron. Man müsse stattdessen die Augen weit offen halten gegenüber den Gefahren - und zwar gemeinsam. "Dann sind wir stärker."

Man befinde sich derzeit in einem kritischen Augenblick, in dem die Welt zusammenstehen müsse, um internationale Organisationen wie die NATO und Uno zu schützen, sagte Macron. Seine Rede wurde immer wieder vom Applaus der Abgeordneten unterbrochen.

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Macron bei Trump: Küsschen hier, Küsschen da

Mahnende Worte fand Frankreichs Präsident auch mit Blick auf Umweltfragen: Durch die Verschmutzung der Meere, den ungebremsten CO2-Ausstoß und die Zerstörung der Artenvielfalt werde der Planet getötet, sagte er. Es gebe jedoch keinen "Planeten B".

Zusammen mit Unternehmenschefs und den örtlichen Kommunen solle "unser Planet wieder groß werden" (engl. "make our planet great again"), sagt Macron. Er sei zuversichtlich, dass die USA dem Pariser Klimaabkommen eines Tages wieder beitreten werden.

Beim der Frage des Atomabkommens mit Iran appellierte er an Trump, nicht vorschnell aus dem Atomabkommen mit dem Iran auszusteigen. Er räumte ein, dass die Vereinbarung nicht perfekt sei. Man dürfe das Abkommen aber nicht aufgeben, ohne etwas anderes an seiner Stelle zu haben. Macron bekräftigte seine Absicht, in einem neuen Deal ein Gesamtkonzept für den Umgang mit dem Iran zu regeln.

"Gemeinsame Vision für die Menschheit"

Zudem beschwor der französische Präsident die tief verwurzelten gemeinsamen Werte Frankreichs und der USA. Beide Nationen hätten wegen ihrer Werte und ihres Geschmacks der Freiheit schwere Verluste erlitten. "Deswegen stehen wir etwa in Syrien zusammen, um zusammen gegen Terroristen zu kämpfen, die alles zerstören wollen, wofür wir stehen", sagte Macron .

"Wir teilen eine gemeinsame Vision für die Menschheit", sagte Macron und sprach vom "Wunder der Beziehungen" beider Länder. Man habe eine ganz besondere Beziehung zueinander, eine "special relationship".

Es ist der letzte Tag von Macrons Besuch, er ist seit Montag in der US-Hauptstadt. Der französische Präsident sprach auf Englisch. Er war der achte französische Präsident, der eine Rede vor dem Kongress hielt.

mho/Reuters/dpa



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railwaysengineer 25.04.2018
1. Schulstunde
Mit dieser Rede vor dem amerikanischen Kongress hat Macron dem narcist in command deutlich vorgestellt, wie ein hochgradig gebildeter Präsident einer Nation die Interessen der Bevölkerung nicht nur seines Landes, sondern der gesamten Erde vermittelt . . .
pragmat 25.04.2018
2. Macrons Traum
Monsieur Macrons Rede beschwörte die gemeinsamen Werte, die es zu verteidigen gelte. Er sprach wie ein echter Transatlantiker. Und seine Rede wurde bejubelt, insbesondere von den US-Demokraten, wenn er sich in seinen Standpunkten von Mr Trump unterschied. Das war es, was diese Leute hören wollten, denn deren Obstruktionspolitik in der Praxis sagt etwas anderes, als dass sie auf ihn hören würden. So gibt es immer noch keine Ernennung des neuen Außenministers Pompeo, weil die US-Demokraten im Senat ihrer extremen Linken zuliebe diese Ernennung durch Filibustertaktik verzögern. Die stimmen also nicht mit Nein, sondern ziehen die Abstimmung hinaus um zu sabotieren. Das macht dann die US-Außenpolitik lächerlich und zahnlos. Monsieur Macron muss sich daran gewöhnen, dass sein Appell zur gemeinsamen Bekämpfung der Feinde der Freiheit und Demokratie zwar von einigen gehört wurde, die anderen dagegen ihr eigenes politisches Süppchen daraus kochen wollen.
fatal.justice 25.04.2018
3. Zahnlos.
Zitat von pragmatMonsieur Macrons Rede beschwörte die gemeinsamen Werte, die es zu verteidigen gelte. Er sprach wie ein echter Transatlantiker. Und seine Rede wurde bejubelt, insbesondere von den US-Demokraten, wenn er sich in seinen Standpunkten von Mr Trump unterschied. Das war es, was diese Leute hören wollten, denn deren Obstruktionspolitik in der Praxis sagt etwas anderes, als dass sie auf ihn hören würden. So gibt es immer noch keine Ernennung des neuen Außenministers Pompeo, weil die US-Demokraten im Senat ihrer extremen Linken zuliebe diese Ernennung durch Filibustertaktik verzögern. Die stimmen also nicht mit Nein, sondern ziehen die Abstimmung hinaus um zu sabotieren. Das macht dann die US-Außenpolitik lächerlich und zahnlos. Monsieur Macron muss sich daran gewöhnen, dass sein Appell zur gemeinsamen Bekämpfung der Feinde der Freiheit und Demokratie zwar von einigen gehört wurde, die anderen dagegen ihr eigenes politisches Süppchen daraus kochen wollen.
Soweit ich mich an heute Mittag entsinnen kann war die Kongressrede des französischen Präsidenten ein einziger Affront gegenüber der Regierungstätigkeit des derzeit amtierenden US-Präsidenten. Es war eine ambitionierte Ansprache für die transatlantische Tradition interkontinentaler Kooperationsbereitschaft, welche sich seit über einem Jahr anschickte, jeglichen neuzeitlichen Vereisungsrekord einzustellen. Mutig - muss ich eingestehen. Mir fällt zumindest kein anderes europäisches Staatsoberhaupt ein, welches die Chuzpe aufbrächte, in einer Rede vor einem fremden Parlament die Hoffnung zu verkünden, die Abgeordneten mögen sich ihrer Regierung zu widersetzen. Respekt...
ditta 25.04.2018
4. Herkulesaufgabe
Bei allem jugendlichen Elan des Herrn Macron : der Aufruf, den Planeten wieder groß machen zu wollen, zeugt entweder vom Unverständnis physikalischer Gesetze oder von einer milden Form des Größenwahnsinns! Zu einem Zeitpunkt, wo es auf Frankreichs Straßen brodelt, gibt es wahrlich große Aufgaben zuerst in diesem seinen Land zu lösen. Da steht ein Trump mit dem Ziel wiederzuerlangender greatness für die US durchaus bescheidener dar.
g.eliot 25.04.2018
5. Monsieur le Président, vous étiez formidable!
Macrons fulminante, mutige Rede hat jeden Aspekt der rückwärtsgewandten Weltsicht des Trumpismus vernichtet. Bravo! Der Kongress hat getobt vor Begeisterung, und es war absolut nicht ersichtlich, dass nur die Demokraten begeistert waren, believe me! Ob Trump Macron danach immer noch streichelt oder ihn zum Feind erklärt? We'll have to wait and see...;-) Hier eine köstlich amüsante Parodie auf Macrons „Verrat“ an den USA: Macron turns on Trump in speech to Congress. We must ban the French! http://www.chicagotribune.com/news/opinion/huppke/ct-met-macron-congress-trump-huppke-20180425-story.html
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