Frankreich Macron-Mitarbeiter soll Demonstrant geschlagen haben

Ein Mitarbeiter von Präsident Macron soll bei einer Demonstration einen Mann attackiert haben - der Élysée-Palast verurteilte das Verhalten des Mitarbeiters.

Anti-Macron-Demonstration in Paris
AFP

Anti-Macron-Demonstration in Paris


Gegen einen leitenden Mitarbeiter von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron ist wegen eines Angriffs auf einen Demonstranten ein vorläufiges Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Paris mit. Der Sprecher des Élysée-Palastes, Bruno Roger-Petit, sprach von einem "nicht hinnehmbaren Verhalten".

Der Mitarbeiter hatte laut der Tageszeitung "Le Monde" bei der Demonstration zum 1. Mai einen jungen Mann in Paris angegriffen. Er habe dabei einen Polizeihelm getragen, obwohl er kein Polizist sei. Demnach hatte Macrons Stabschef ihm erlaubt, als Beobachter an einem Einsatz der Polizei bei der Demonstration teilzunehmen. Einem Video zufolge, das in den sozialen Netzwerken kursiert, war er mit anderen Polizisten auf den Mann losgegangen.

Suspendiert und versetzt

Nachdem der Vorfall intern bekannt wurde, war er laut der französischen Regierungszentrale bereits für zwei Wochen suspendiert und anschließend in die Verwaltung versetzt worden. Das sei die schwerste jemals gegen einen führenden Mitarbeiter des Palastes verhängte Strafe, teilte ein Sprecher mit.

Die Zeitung "Le Monde" berichtet, dass der Beschuldigte während des Präsidentenwahlkampfs 2017 für die Sicherheit Macrons verantwortlich gewesen sei. Die Opposition kritisiert die Reaktion auf das Fehlverhalten des Mitarbeiters als zu lasch.

Kurz vor dem ersten Jahrestag seiner Amtsübernahme sah sich Macron mit Protesten gegen ihn konfrontiert. Allein an einem Wochenende Ende Mai hatten in Paris und Dutzenden anderen französischen Städten wie Marseille, Lyon und Montpellier Zehntausende gegen dessen Reformkurs demonstriert. Nach Angaben von Gewerkschaften gingen landesweit 250.000 Menschen auf die Straße.

Die Organisatoren der Demos werfen Macron eine Politik "zugunsten der Reichsten" und soziale Kälte vor. Für Reiche gebe es Steuererleichterungen, während Personal in Krankenhäusern oder bei der Polizei fehle.

dbate-Interview: Macron - Präsident ohne Rückhalt? (09.05.2017)

dbate

vks/dpa/Reuters

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