Macron im TV-Interview Syrien soll bis Ende Februar vom IS befreit sein

Der Irak verkündete jüngst den Sieg über die Terrormiliz IS. In Syrien wird es laut Frankreichs Präsident Macron bis spätestens Ende Februar so weit sein. An Friedensgesprächen will er auch Machthaber Assad beteiligen.

Bombenangriff im syrischen Rakka (August 2017)
REUTERS

Bombenangriff im syrischen Rakka (August 2017)


Der Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien wird nach Einschätzung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bis spätestens Ende Februar gewonnen sein. Das sagte Macron in einem Interview des TV-Senders France 2, das bereits vor mehreren Tagen aufgezeichnet und am Sonntag ausgestrahlt wurde.

Auch auf Twitter verkündete Macron: Der IS sei der Feind Frankreichs. "Bis Ende Februar werden wir den Krieg in Syrien gewonnen haben."

Der Irak hatte bereits vor knapp zwei Wochen mitgeteilt, das Land sei "vollständig befreit" von der Terrormiliz. Ministerpräsident Haidar al-Abadi sagte in Bagdad, dreieinhalb Jahre nach der Ausrufung des "Kalifats" durch den IS hätten die Streitkräfte die Kontrolle über die Grenze zu Syrien vollständig von der Miliz zurückgewonnen.

In Syrien will Macron nun Anfang 2018 Initiativen ergreifen, um Friedengespräche in Gang zu bringen. Alle Seiten seien dazu eingeladen - explizit auch Syriens Machthaber. Baschar al-Assad könne nach einem militärischen Sieg nicht ignoriert werden, sagte Macron in dem TV-Interview. Er werde sich aber eines Tages für seine Verbrechen verantworten müssen, "vor seinem Volk und vor internationalen Gerichten".

Russischer Teilabzug aus Syrien

Assad wird in dem bereits sechs Jahre währenden Bürgerkrieg von Russland und Iran unterstützt. Viele westliche Länder fordern dagegen einen Wechsel an der Spitze der syrischen Regierung.

Vor einer Woche war Russlands Präsident Wladimir Putin überraschend nach Syrien gereist und hatte dort auch Assad getroffen. Der Kreml-Chef kündigte dabei den Teilabzug der russischen Armee aus Syrien an. Dem russischen Militär sei es gemeinsam mit der syrischen Armee gelungen, "die effizienteste Gruppe internationaler Terroristen zu besiegen", sagte Putin. Auf mögliche Gegenoffensiven werde man reagieren: "Wenn die Terroristen noch einmal ihr Haupt erheben sollten, werden wir sie mit einer Macht schlagen, die sie noch nicht erlebt haben."

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Die für ihre Gräueltaten berüchtigte IS-Miliz hatte 2014 ihren Siegeszug im Irak und in Syrien gestartet. Im Juni 2014 rief sie ein "Kalifat" aus, nachdem sie in einer Blitzoffensive die irakische Armee bis kurz vor Bagdad zurückgedrängt hatte. Zum Zeitpunkt ihrer größten Machtausdehnung beherrschte die Miliz ein Gebiet von der Größe Italiens mit rund sieben Millionen Menschen (alle Fakten und Hintergründe zum "Islamischen Staat" können Sie hier nachlesen).

Die Gefahr durch den IS dürfte durch die militärischen Erfolge aber nicht gebannt sein. Zum einen gibt es ein großes Wüstengebiet, das sich kaum kontrollieren lässt und wo immer noch IS-Kämpfer unterwegs sein dürften. Zum anderen ist damit zu rechnen, dass die Extremisten untertauchen und verstärkt auf Terroranschläge sowie eine Guerilla-Taktik setzen, wie sie es bereits in der Vergangenheit getan haben.

aar/AP/Reuters



insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
JDR 18.12.2017
1.
Nun, die wahren Machthaber in Syrien sind heute wohl die Iraner und die Russen. Erstere werden Letztere mit Höflichkeiten und Komplimenten wieder an den Rand dirigieren. Sie dürfen Ihre Basen haben und sich aus der Innenpolitik heraushalten. Der Konflikt in Syrien ist jedoch noch lange nicht vorbei. Wer was wie lange kontrolliert wird abzuwarten bleiben. Erst einmal haben die Verbündeten Assad den Hals gerettet. Und seien wir ehrlich. Das ist grundsätzlich nichts schlechtes. Hätten bestimmte westlich orientierte Staaten zu einem bestimmten Zeitpunkt die Möglichkeit gesehen, die Hezballah in den Krieg gegen die ISIS zu schicken, um die Barbaren fernzuhalten, sie hätten diese Möglichkeiten wohl genutzt. Und was die Zukunft bringt, weiß nur G*tt ...
nach-mir-die-springflut 18.12.2017
2. Der Krieg, der vom Himmel fiel
Wenn wer den IS "besiegt" hat, dann wohl Russland - gegen alle Widerstände im Westen. Eine Kampagne aus Macron und Medien wollen den Sieg jetzt für sich verbuchen? Wieso zudem wieder "Bürgerkrieg", wenn eine der ersten Amtshandlungen Trumps war, der CIA die Gelder zu kürzen für den IS? Gleichlautend mit, wie sich Obama schon verplappert hatte, als er davon sprach, dass sie ihre "ISIL forces" unterstützen.
sven2016 18.12.2017
3.
"Befreit" ist so ein Begriff. Man hört, dass viele Orte seit Jahren von der syrischen Armee eingeschlossen sind, ausgehungert und mit Fassbomben und Chemiewaffen terrorisiert werden. Ob das dann dir richtige Beschreibung für den Krieg gegen die Bevölkerung ist? Ein Kriegsverbrecher regiert mit Hilfe der Russen gehen große Teile der Bevölkerung. Klassischer Eingreifgrund für die USA (früher).
Mesi0013 18.12.2017
4. Es wäre soweit
Dann können ja, gemäß internationalem Recht, die in Deutschland untergebrachten Flüchtlinge wieder zurück in ihre Heimat und diese aufbauen. Übrigens: Rußland errichtet in Syrien im großen Stil Wohnungen für die Rückkehrer!
spmc-125536125024537 18.12.2017
5. Gute Nachricht
und wenn dort Frieden herrscht und alle Vorraussetzungen für einen erfolgreichen Wiederaufbau geschaffen sind wird sich zeigen, wie viele Syrer tatsächlich im Geiste der Genfer Flüchtlingkonvention hierhin gekommen sind - Schutz vor Krieg und Vertreibung - und wieviele die Situation zur Einwanderung genutzt haben
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