Merkel, Macron und Trump Drei sind eine zu viel

Die Allianz zwischen Emmanuel Macron und Angela Merkel ist in Gefahr: Denn die deutsche Kanzlerin ist nicht mehr die Anführerin der freien Welt, sondern nur noch eine ziemlich lahme GroKo-Ente. Der Nutznießer könnte Donald Trump heißen.

Emmanuel Macron, Angela Merkel und Donald Trump (Archivbild)
AFP

Emmanuel Macron, Angela Merkel und Donald Trump (Archivbild)

Ein Kommentar von , Paris


Eben noch sah alles so aus, als seien Emmanuel Macron und Angela Merkel ein Paar - und Donald Trump Single. Doch was, wenn es anders kommt? Wenn Macron zu Trump überläuft, weil er Merkel nicht mehr attraktiv findet? Sie altert gerade sehr. Bei aller Liebe Macrons für seine Ehefrau Brigitte, die noch ein Jahr älter ist als Merkel: In der Politik zählt nur der Erfolg. Macron wollte sich mit der "Kanzlerin der freien Welt" liieren, die 2015 als "Person of the Year" die Titelseite des "Time"-Magazins zierte, aber mit einer Lame Duck an der Spitze eine GruselKo? Nun ja. Schon macht sich Trump an den Franzosen heran: Er hat Macron Ende April in Washington den ersten Staatsempfang seiner Amtszeit versprochen. Macron sieht darin einen "Freundschaftsbeweis". Ist das der Beginn seiner Abkehr von Merkel?

Trump zeigt Macron seine Sympathie auch auf andere Art: Er will in den USA eine Militärparade organisieren, wie er sie auf Besuch bei Macron im vergangenen Jahr am französischen Nationalfeiertag in Paris erlebte. Merkel dürften diese Männerspiele missfallen.

Trump und Macron eint mehr, als man zunächst glauben mag. Beide gewannen ihr Amt mit einem Siegeszug gegen das politische Establishment ihres Landes. Ganz anders als Merkel. Sie versucht gerade, das Establishment an der Macht zu halten. Ihre unerwarteten Schwierigkeiten aber bestätigen Trump und Macron. Beide wähnen sich bereits einen Schritt weiter in der Entwicklung der westlichen Demokratien: nämlich jenseits der Gegensätze rechts/links oder konservativ/liberal und fern des Diktats politischer Parteien.

Macron und Trump bauen auf Schulden, Merkel auf die schwarze Null

Das zeigt sich beispielhaft in der Wirtschaftspolitik. Auf den ersten Blick wirken beide unversöhnbar: Hier der Protektionist Trump, dort der Handelsbefürworter Macron. Doch bei genauem Hinsehen haben sie viel gemein: Trump verkündete gerade ein 1,5 Billionen Dollar-Programm zur Sanierung der Infrastruktur. Macron kann sich Ähnliches aufgrund des europäischen Stabilitätspaktes zwar nicht leisten, aber verlangt es doch: nämlich von Deutschland und der EU, etwa in Form eines neuen Euro-Haushalts über mehrere hundert Milliarden Euro. Sowohl Trump als auch Macron wollen damit der Teilung ihrer Gesellschaften in reiche, urbane Zentren (Paris, New York) und arme Peripherie (Zentralmassiv, Mittlerer Westen) begegnen. Hier liegt für sie eine Existenzfrage des Westens. Auch in Deutschland gibt es das Problem, nicht zuletzt im Gegensatz West/Ost, doch das Thema wird bei uns mit geringerer Dringlichkeit angegangen.

So aber kommt es, dass Trump und Macron auf Schulden bauen, Merkel aber immer noch auf die schwarze Null. Unter Barack Obama fiel das Haushaltsdefizit der USA in den Jahren 2010 bis 2016 von 9 auf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Jetzt könnte es sich innerhalb eines Jahres wieder auf 6 Prozent verdoppeln. Macron - ohne eigenen finanzpolitischen Handlungsspielraum - wäre froh, wenn die Deutschen zu ähnlichen Taten bereit wären und ihr Haushaltsdefizit von null auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts bringen würden. Doch Merkel sind solche Gedanken fremd.

Macrons Denken und die Pläne Trumps in Washington implizieren zudem wesentlich höhere Verteidigungsausgaben in den nächsten Jahren - für Merkel noch ein No-Go.

Auch die Steuerreformen Trumps und Macrons ähneln sich. Beide entlasten Unternehmen und Kapitaleigentümer, ohne sich der Mehreinnahmen an anderer Stelle sicher sein zu können. "Der Traum Macrons könnte im Alptraum Trumps enden", warnte deshalb kürzlich der Pariser Starökonom Thomas Piketty, Autor des Bestsellers "Das Kapital im 21. Jahrhundert". Piketty plagte dabei die Vorstellung, dass alles nichts nützt und sowohl Infrastrukturausgaben als auch Steuerkürzungen die wachsende Ungleichheit in Frankreich und den USA nicht wirkungsvoll bekämpfen. Doch Merkels Alptraum muss ein ganz anderer sein: Wenn sich nämlich Trump und Macron in einer auf ihre Persönlichkeiten und die Machtfülle ihrer Ämter zugeschnittenen Politik treffen und sie damit in Zukunft abblitzen lassen. Ob diese Beziehung gut für den Westen wäre, ist zu bezweifeln. Doch in der internationalen Politik bleibt niemand gerne Single.



insgesamt 44 Beiträge
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Alberto Gracia Jahn 15.02.2018
1. Merkel wird liefern
Da werden doch schon heute die Zeichen sichtbar. Demnächst wird die Produktion der meisten Nato-Panzer in Frankreich Arbeit und Wohlstand schaffen. Schiffbau und Flugzeuge folgen. Dann werden die deutschen Autobauer durch ständige Regulierungen soweit bedrängt das sie ihre Produktion nach Frankreich und Amerika und China verlegen und den Menschen dort zu Arbeit und Brot verhelfen. Dann sogt Macron dafür das die herantransportierten Menschen aus aller Herren Länder weiterhin nach dem Wunsche Merkels möglichst vollständig nach Deutschland gebracht werden. Weiß er doch, wo das größte Sozialamt der Welt steht. Alles wird gut.
scratchpatch 15.02.2018
2. Sollen sie mal
Da mache ich mir keine Sorgen. Sollen Trump und Macron sich doch gegenseitig ihre Militärparaden vorführen und Nationalstolz zelebrieren und vielleicht finden sie in Berlusconi ja einen noch ganz anders gearteten Populisten, der bei so was sicher auch gerne mitmachen würde. Am Ende ist die "langweilige" Kanzlerin doch die, ohne die es in Europa nicht geht. Merkel dürfte viel zu klug sein, um sich über diese Spielchen aufzuregen. Am Ende zählt die langfristige Strategie und nicht die Taktik des Augenblicks.
Stefan_C 15.02.2018
3. Am Ende des Tages ...
... geht nichts in der EU ohne Deutschland. Und ob die Kanzlerin sich zu Hause auf eine formidable Mehrheit stützen kann oder nicht, ist dabei egal. Ohne ihr Wort bzw. ihre Unterstützung kann Macron noch so viele Ideen entwickeln wie er will. Das weiß er und das weiß Merkel. Und Macron weiß, dass Frankreichs Gewicht in der Welt, nun ja, überschaubar ist und erst im Verbund mit der EU international relevant wird.
rolantik 15.02.2018
4. Abenteuerliche Analyse
Heute sind die Autoren bei SPON anscheinend noch in Katerstimmung. Artikel wie dieser von Herrn Blume und der über Frau Lange von Herrn Fleischhauer, potentielle Chefin der SPD, haben etwas, was an der Sache vorbeigeht. Herr Macron ist nicht so blöd, dass er sich mit Trump über Gebühr verbinden würde, nur weil beide in der Entlastung der Unternehmen ähnliche Gedanken haben. Muss muss nur einmal betrachten, wo Frankreich heute steht mit seiner Ökonomie und auch wo Amerika herumdümpelt und dann Deutschland daneben betrachtet. Spätestenes dann wird einem klar, dass der Artikel schlecht recherchiert und von wenig Kenntnis der Franzosen ist, geschweige denn der Amerikaner zeugt. Sitzen geblieben, Klasse wiederholen Herr Blume
Actionscript 15.02.2018
5. Merkel mag vielleicht in Deutschland unbeliebt sein,
doch im Ausland ist Merkel immer noch die Nummer 1. Und hier muss man ihr Respekt zeugen. Denn sie war zB die einzige, die Trump klare Grenzen gesetzt hat. Macron ist dumm, wenn er sich von Trump einlullen und einspannen lässt. Trump's Strategie ist, die EU zu spalten. Doch vielleicht zeigt Macron ja auch jetzt, wer er wirklich ist, ein arroganter selbstgefälliger Aufsteiger, der nur im Rampenlicht stehen will. Merkels Strategie ist jedoch, die EU fest zusammenzuhalten, und das ist richtig.
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