Macron und Merkel Gemeinsame Front im Sturm

Selten war ein deutsch-französischer Gipfel für die Franzosen so ein Hingucker. Plötzlich entdecken sie in Macron und Merkel eine gemeinsame Front gegen den Populismus.

Merkel und Macron in Meseberg
FILIP SINGER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Merkel und Macron in Meseberg

Von , Paris


Die Voraussetzungen waren schwierig, das Einverständnis zuvor getrübt. "Selbst wenn das Verhältnis herzlich bleibt, ist der Reiz aneinander verloren gegangen", schrieb die Pariser Tageszeitung "Le Monde" vor dem deutsch-französischen Gipfeltreffen über das Verhältnis von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Doch siehe da: Hinterher ist alles anders. Auf einmal überwiegen im öffentlichen Eindruck die Gemeinsamkeiten: "Mitten im Sturm halten sie gemeinsam die Frontstellung", bewunderte eine Kommentatorin im französischen BFM-Fernsehen das deutsch-französische Regierungspaar. Zuvor hatten Merkel und Macron mehrere Stunden in Meseberg bei Berlin konferiert. Selten waren solche Treffen zwischen Präsident und Kanzlerin in den vergangenen Jahren Aufmacher in den französischen 20-Uhr-Nachrichten.

Etwas war passiert, das nicht primär an Präsident und Kanzlerin lag. Denn genau genommen hatten beide nicht viel zu bieten. Macron bekam endlich seinen Haushalt für die Eurozone, den er in unzähligen Ansprachen gefordert hatte. Er selbst versuchte tapfer, das als seinen Erfolg zu verkaufen. "Was hatten wir vorher? Nichts. Morgen werden wir einen Haushalt der Eurozone haben", sagte Macron in Meseberg.

Video: Standpauke von Macron - "Du sprichst mich bitte mit 'Herr Präsident' an!"

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Doch jedem französischen Beobachter war klar, dass die Deutschen nicht wirklich mitgespielt hatten. Schließlich gab es keine Zahlen, wie groß besagter Haushalt im Jahr 2021 sein solle. Mehrere Hundert Milliarden Euro hatte Macron verlangt. Wenige Dutzend Milliarden hatte die Kanzlerin ihm zugestanden und dabei blieb es am Dienstag wohl auch. "Macron kann damit sein Gesicht wahren", analysierte Sebastien Maillard, Leiter des proeuropäischen Jacques-Delors-Instituts in Paris. "Aber um bei Europawahlen gut abzuschneiden, braucht er mehr."

Dieses Mehr aber lieferte ihm Merkel am Dienstag auf ganz andere, unerwartete Art. Zum ersten Mal seit vielen Jahren stand sie nicht als die übermächtige Deutsche neben einem schwachen Franzosen. Zum ersten Mal schienen die Rollen wieder gleich verteilt, so wie früher zum Beispiel zwischen Gerhard Schröder und Jacques Chirac. Beiden hatte einst US-Präsident George W. Bush geholfen, gemeinsam Kurs gegen den Irakkrieg zu halten. "Heute schüttet Trump das Öl in den deutsch-französischen Motor", sagte nun Maillard.

Tatsächlich hat inzwischen auch die französische Öffentlichkeit mitbekommen, dass sich US-Präsident Donald Trump die Kanzlerin und ihre Flüchtlingspolitik zur Zielscheibe erkoren hat. Klar war am Dienstag deshalb auch: Macron steht in der Flüchtlingspolitik zu Merkel. In den Abend-Talkshows im französischen Fernsehen ging es deshalb hoch her. Dort ist Merkels Flüchtlingspolitik oft nicht weniger umstritten als auf dem Trump-Sender Fox News in den USA. "Merkel hatte unrecht, 2015 die Grenzen zu öffnen", sagte die französische Star-Moderatorin Ruth Elkrief und fragte: "Aber sind wir deshalb auf der Seite von Trump?" Es war eine rhetorische Frage. Die Antwort der französischen Fernsehrunden lautete dann doch eindeutig: Natürlich nicht.

Im Hintergrund dieser Debatten spielte eine ganz neue deutsch-französische Musik. Ihre Melodie: Wir gegen den Rest der Welt. "Der Motor läuft wieder", sagte Maillard und meinte damit ein sich neu einstellendes Gefühl, dass Deutsche und Franzosen gegen Trump und seine populistischen Verbündeten in Europa zusammenhalten müssten. Zu der Stimmung trug am Dienstag auch der italienische Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini bei, der die Zählung von Roma und Sinti in Italien gefordert hatte. Ein Unding nach deren Verfolgung durch die Nazis, auch für die meisten Franzosen. Dabei neigen sie bei europäischen Fragen, etwa in der Wirtschaftspolitik, eigentlich mehr zu Italien als zu Deutschland. Doch mit Leuten wie Salvini geht das plötzlich nicht mehr.

Schon vor ein paar Wochen hatte der Pariser Schriftsteller Pascal Bruckner, einer der meistübersetzten französischen Autoren der Welt, mit Blick auf die deutsch-französischen Beziehungen bemerkt, dass gemeinsame Feinde die besten Freunde machen. Das ist es wohl, was Merkel und Macron aus Sicht vieler Franzosen plötzlich so überraschend einig erscheinen lässt.

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Ezechiel 20.06.2018
1. Der zusätzliche Budget im aufgestockten Haushalt.
Einen zusätzlichen Haushalt soll es nicht geben. Der bestehende Haushalt soll um ein Zusatz-Budget aufgestockt werden. Dieses Budget ist dafür vorgesehen, die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den EU-Staaten auszugleichen. "Für Deutschland wird es teurer werden", stand heute in den Blättern der Rhein-Main-Verlagsgesellschaft. Wenn es denn so kommt, wäre das der Einstieg in die Transferunion und der Preis den die Kanzlerin (bzw. der Steuerzahler) für eine europäische Lösung in der Flüchtlingsfrage zahlt (sage ich). Es wäre allerdings auch die beste Wahlpropaganda für die AfD, die auf Bundesebene an der SPD vorbei ziehen würde.
defy_you 20.06.2018
2. Frankreich weist Migranten an der italienischen Grenze ab!
Frankreich hat Grenzkontrollen an der Grenze zu Italien und schickt Migranten (auch wenn sie Asyl sagen) einfach zurück nach Italien. Jetzt signalisieren und Medien eine große Einigkeit zweifachen Merkel und Macon, dabei macht Macron, was Seehofer will, aber Merkel gerade nicht. Verrückte Welt...
isar56 20.06.2018
3. Die europäische Lösung Merkels
Kein abgelehnter Asylbewerber aus EU Ländern wird an der deutschen Grenze abgewiesen. Folglich drohen in Dänemark. Schweden etc Tod und Verfolgung, oder die Ablehnungen dort sind nicht rechtmäßig. Macron macht die 180 Gradwende, nimmt ungleich mehr Brwerber auf als die bisher 10 000 pro Jahr und weist an den Grenzen nicht mehr ab. Am 01.07. legt Merkel die europäische Lösung vor, NACHDEM Sie sich mit dem Demokraten und Menschenrechtler Orban am 05.07. traf. Die bereits 550 000 Ausreisepflichtigen im Land bleiben, bei fehlenden Wohnungen, Erziehern, Kitaplätzen, Lehrern und Sozialarbeitern..... und da wäre noch der von Merkel frisierte, ähhhhh überarbeitete Armutsbericht.... Ist nun das Massensterben meiner grauen Zellen, oder derer von Merkel in vollem Gange, was Logik betrifft?
watch15 20.06.2018
4. Interessant
Merkel und Macron "beschließen" also einen Haushalt für die Eurozone. Haben die anderen 26 Mitgliedsstaaten da eigentlich auch schon zugestimmt ... oder ist das solch eine "gemeinsame europäische Lösung" von der unsere Bundeskanzlerin immer spricht?
gatopardo 20.06.2018
5. Auch aus dem EU-Süden
wird das deutsch-französische Tandem genau verfolgt. Es ist abzusehen, dass man darauf aufspringen will, denn wir Europäer müssen zusammenstehen gegen Trump und den Populismus von links und rechts in unseren eigenen Reihen. Nur so können wir unsere Werte und Menschenrechte verrteidigen, die uns so viele Jahre gemeinsamer Zugeständnisse gekostet haben. Auch in Italien ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen und man wird zu demokratischen Verhältnissen zurückkehren, wie sie einst für die EU-Gründerstaaten eine Selbstverständlichkeit waren.
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