Kurz vor Unterzeichnung Massenproteste gegen Macrons Arbeitsmarktreform

Scharfer Gegenwind für Frankreichs Präsidenten Macron: In Paris sind erneut tausende Menschen gegen seine geplante Arbeitsmarktreform auf die Straße gegangen, die an diesem Freitag verabschiedet werden soll.

AFP

Mehr als 130.000 Menschen haben in Frankreich erneut gegen die geplante Arbeitsmarktreform von Präsident Emmanuel Macron demonstriert. Das berichtete das Innenministerium. Die linke Gewerkschaft CGT, die zu den Protesten aufgerufen hatte, sprach hingegen von mehreren hunderttausend Demonstranten. Vor eineinhalb Wochen sollen bereits mehr als 200.000 Menschen auf die Straße gegangen sein.

Die Ende August vorgestellte Reform soll an diesem Freitag von der Regierung verabschiedet werden. Macron will die entsprechenden Verordnungen dann auch unterschreiben. Die Reform soll die Rolle von Branchen- und Betriebsvereinbarungen stärken und teilweise auch den Kündigungsschutz lockern. Entschädigungen für ungerechtfertigte Kündigungen sollen gedeckelt werden.

Der sozialliberale Staatschef verteidigte das Vorhaben in Marseille bei einer offensichtlich ungeplanten Straßendebatte mit Bürgern. Die Reform sei nötig, denn in Frankreich hätten zu viele Menschen keine Arbeit. Die Arbeitslosigkeit ist mit rund zehn Prozent mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland.

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Proteste gegen Macron: Gegenbewegung

Die Regierung des konservativen Premiers Edouard Philippe hatte die Reform Ende August vorgestellt. Die Aussichten, das Vorhaben noch zu stoppen, sind sehr begrenzt. Das Parlament gab der Regierung bereits eine Art Vollmacht, um das Vorhaben mit fünf Verordnungen zu erlassen. Nach der Billigung im Ministerrat am Freitag werden die Verordnungen veröffentlicht und sind dann gültig. Das Parlament, in dem Macron eine Mehrheit hat, muss allerdings später noch ein Gesetz verabschieden, das die Verordnungen billigt.

ehh/dpa



insgesamt 117 Beiträge
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hansriedl 22.09.2017
1. Macrons Arbeitsmarktreform
Vor kurzem noch der Messias, das glaubten die Franzosen. Er wurde deshalb gewählt. Nun steht die Arbeitsmarktreform an u. schon haben alle Angst um ihre vermeintlichen wohl erworbene Rechte. Besonders das Heer von Staatsdienern steigt auf die Palme, alle anderen nur nicht sie, sollen die Reform mit tragen Einen Mann wie Macron fehlt auch bei uns in AUSTRIA. All die ROT Schwarzen Pfründe, wo Milliarden versickern, da wäre ein Reformer wie Macron der richtige.
panzerknacker 51 22.09.2017
2. Ist doch klar
Die Schröderei kommt in Frankreich nicht gut an.
sofk 22.09.2017
3. Ich befürchte das Schlimmste...
...was Kommentaren angeht, die von unverschämtarroganten, nationalistischen Deutschen über soziale Politik in ihren Nachbarländern geschrieben werden ;) Einfach lächerlich. Ich warte noch zehn Jahren und da werde ich mich möglicherweise richtig totlachen...
Braveheart Jr. 22.09.2017
4. Voila ...
c'est l'Agenda 2017 !!
Annabelle_ 22.09.2017
5. Will Macron denn auch eine Kapitalmarkt- und Unternehmens-"Reform"?
Falls nein, warum nicht? Und warum bedeuten "Reformen" neuerdings immer Reformen, die die Habenichtse belasten? Ja, auf wessen Seite steht dieser Ex-Banker eigentlich, was will er und warum?
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