Ende der Trauer um Jassin "Erwartet ein Erdbeben, wie ihr es noch nie erlebt habt!"

Die radikalen Gruppen im Nahen Osten schwören sich auf einen noch blutigeren Kampf gegen Israel ein. Die ägyptische Muslimbruderschaft rief zum Heiligen Krieg gegen die Zionisten auf. Hamas kündigte die Ermordung Scharons und ein "Erdbeben der Vergeltung" an.


Hamas-Kämpfer in Gaza: Vorbereitung auf das "Erdbeben"
REUTERS

Hamas-Kämpfer in Gaza: Vorbereitung auf das "Erdbeben"

Beirut - Zum Ende der dreitägigen Trauerzeit des am Montagfrüh von der israelischen Armee getöteten Hamas-Anführers Scheich Jassin ist es im Libanon, in Ägypten und in Palästina zu neuen Demonstrationen gekommen. In Beirut protestierten rund 7000 Menschen gegen die Liquidierung Jassins. An der Spitze der Kundgebung schoben sie einen leeren Rollstuhl vor sich her. "Scheich Jassin war körperlich gelähmt, sein Wille war es nicht", erklärte das libanesische Hamas-Mitglied Mohammed Nassal. Sein Tod werde den Kampf gegen die israelische Besatzung nur beflügeln.

Der Hamas-Vertreter im Libanon, Osama Hamdan, sagte, jetzt gehe es nicht nur um Vergeltung für den Tod von Scheich Jassin, sondern darum, die Welt von der "kriminellen und terroristischen Bande namens israelischer Regierung und ihrer Spitze Scharon" zu befreien. Mit einem Anschlag auf den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon hatte auch der politische Hamas-Führer Chaled Maschal gedroht. Ziel sollten "die prominentesten zionistischen Führer, darunter Scharon" sein, wurde Maschal auf einer Web-Seite zitiert. Anschläge in den USA schloss er dagegen ausdrücklich aus.

Auch in Kairo versammelten sich am Mittwoch 7000 Menschen zu einer Trauerfeier für Jassin. Der Führer der Muslimbruderschaft, Mohammed Mahdi Akef, rief zum "Heiligen Krieg gegen die Zionisten und die, die hinter ihnen stehen" auf, womit er die USA meinte.

Im Gazastreifen drohte die Hamas zum Abschluss der dreitägigen Trauerfeiern für Jassin Israel mit einem "Erdbeben". Vor Zehntausenden Hamas-Anhängern erklärte ein maskierter Vertreter des militanten Flügels al-Qassam am Mittwochabend: "Unsere Botschaft an die Zionisten ist: Erwartet ein Erdbeben, wie ihr es noch nie erlebt habt, das Erdbeben der Vergeltung!" Die Kundgebungsteilnehmer im Fußballstadion von Gaza hoben daraufhin ihre rechte Hand und rezitierten: "Was ist euer Wunsch? Für Gott zu sterben!"

Israelische Soldaten rücken erneut in Chan Junis ein

Israelische Soldaten sind am späten Mittwochabend erneut nach Chan Junis im südlichen Gazastreifen vorgerückt. Wie der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf palästinensische Angaben berichtete, beschossen Panzer eine Werkstatt, in der Raketen hergestellt worden sein sollen. Israelische Kampfhubschrauber vom Typ "Apache" hätten Raketen auf zwei Häuser in Chan Junis abgefeuert. Zwischen bewaffneten Palästinensern und israelische Soldaten sei es zu Feuergefechten gekommen. Angaben über mögliche Opfer lagen zunächst nicht vor.

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