Ende der Waffenpause Palästinenser stirbt bei israelischem Luftangriff

Neuer Ausbruch der Gewalt im Nahost-Konflikt: Einen Tag nach Beendigung eines sechsmonatigen Waffenstillstands ist ein palästinensischer Kämpfer bei einem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen. Zuvor waren Raketen aus dem Gaza-Streifen auf Israel abgefeuert worden.


Gaza - Am Freitag erst war die Waffenruhe zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten für beendet erklärt worden. Sechs Monate hatte der Nichtangriffspakt gehalten. Am frühen Samstagmorgen wurden die Kampfhandlungen im Grenzgebiet wiederaufgenommen: Bei einem Luftangriff der israelischen Armee auf eine Zelle bewaffneter Kämpfer wurde ein militanter Palästinenser getötet.

Protestierende Palästinenser mit Leiche des getöteten Al-Aksa-Kämpfers: Gewalt-Ausbruch nach sechs Monaten Waffenruhe
AP

Protestierende Palästinenser mit Leiche des getöteten Al-Aksa-Kämpfers: Gewalt-Ausbruch nach sechs Monaten Waffenruhe

Der Angriff war offenbar ein Vergeltungsschlag, nachdem zuvor von der im nördlichen Gaza-Streifen liegenden Stadt Beit Lahia aus Raketen auf israelisches Terrain abgefeuert worden waren. Armee-Angaben zufolge benutzten die Palästinenser vier selbstgebaute Kassam-Raketen und drei Mörsergranaten. Opfer oder Schäden auf israelischer Seite gab es jedoch nicht. Zu dem Angriff bekannten sich die Palästinenserorganisationen Islamischer Dschihad und Volksfront für die Befreiung Palästinas. Zwei weitere Palästinenser wurden verletzt.

Der getötete Ali Hijazi, 26, gehörte Agenturangaben zufolge der Al-Aksa-Märtyrer-Brigade an, einer Abspaltung der Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas. Die Hamas hatte den Waffenstillstand mit Israel offiziell aufgekündigt. Die Organisation wirft der israelischen Regierung die Blockade des Gaza-Streifens und Militäreinsätze im Gaza-Streifen vor.

Seit dem 5. November hat Israel den Gaza-Streifen fast vollständig von der Außenwelt abgeriegelt - als Reaktion auf den fortwährenden Raketenbeschuss israelischer Städte. Weil Israel keine ausreichenden Hilfsgüter- und Treibstofflieferung durchgelassen hatte, mussten die Vereinten Nationen von Donnerstag an die Lebensmittelversorgung von Hunderttausenden Palästinensern erneut einstellen.

Gegen die Blockade protestierten am Samstag erneut mehrere Friedensaktivisten aus dem Libanon. Bereits zum fünften Mal fuhren Aktivisten mit dem Schiff "Dignity" in den Gaza-Streifen. An Bord befanden sich auch ein israelischer Journalist, eine libanesische Journalistin und mit zwei Vertretern einer Regierungsorganisation aus Katar erstmals auch eine offizielle Delegation aus einem arabischen Land. Katar unterhält gute Beziehungen sowohl zu Israel als auch zur Hamas.

Das aus Libyen stammende internationale Solidaritätsschiff wurde von der Free-Gaza-Bewegung gechartert worden. Die US-Menschenrechtsorganisation hatte bereits seit August vier Seefahrten organisiert, um die Seeblockade des Gaza-Streifens symbolisch zu durchbrechen. Die israelische Marine ließ die Schiffe nach Gaza passieren.

Palästinenser-Präsident Abbas wurde am Freitag vom scheidenden US-Präsidenten George W. Bush zu einem Abschiedsbesuch im Weißen Haus empfangen. Zentrales Thema der Unterredung war der vor einem Jahr von den USA mit der Konferenz in Annapolis neu angestoßene Nahost-Friedensprozess. Abbas dankte Bush für dessen Einsatz und bekräftigte den Willen der Palästinenser, an dem eingeleiteten Friedensprozess festzuhalten. Die Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern sind allerdings seit einigen Monaten festgefahren.

bor/AP/dpa



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