Energiekrise McCain will 45 neue Atomkraftwerke bauen

Der Ölpreis steigt, die Amerikaner werden nervös. US-Präsidentschaftsbewerber McCain setzt nun massiv auf die Atomenergie. Er fordert 45 neue Reaktoren bis zum Jahr 2030 und "Hunderte" in der Zeit danach - eine saubere Sache auch für das Klima, sagt er.


Washington - Die Energiepolitik drängt sich angesichts der gestiegenen Benzinpreise in den Mittelpunkt des Wahlkampfs in den USA. Für John McCain ist der Ausweg klar: Er sei ein Anhänger der Atomkraft als "saubere, sichere und effiziente Energiequelle", sagte der Kandidat der Republikaner in Springfield im US-Bundesstaat Missouri.

McCain: Erstmal 45 neue Reaktoren, später mehr
AP

McCain: Erstmal 45 neue Reaktoren, später mehr

Sollte er bei den Wahlen in November Präsident werden, werde er sich für den Bau von 45 neuen Atomreaktoren bis 2030 einsetzten, kündigte er an. Damit solle die Abhängigkeit der USA von ausländischem Öl verringert werden.

Sein Endziel sei der Bau von hundert neuen Atomkraftwerken, um "Häuser, Fabriken und Städte der USA mit Strom zu versorgen". McCain erinnerte daran, dass seit mehr als 30 Jahren kein neues Kernkraftwerk mehr gebaut wurde. Derzeit erzeugen rund hundert Atomkraftwerke in den USA 20 Prozent des gesamten Stromes.

Der demokratische Bewerber Barack Obama hat sich ebenfalls für die Nutzung der Atomkraft ausgesprochen, klare Aussagen über neue Kraftwerke aber bislang vermieden. Auf seiner Internetseite weist er aber auch das ungelöste Problem der atomaren Abfälle und die Gefahren der Weiterverbreitung von Atomwaffen hin.

Ein Endlager ist in den Yucca Mountains geplant, rund 145 Kilometer von Las Vegas entfernt. Dessen Bau ist aber bereits Jahre hinter dem Zeitplan, und es trifft auf eine starke Ablehnung. Wegen der ungeklärten Abfallentsorgung sind in den USA seit den 1970er Jahren keine Genehmigungen für neue Atomkraftwerke mehr erteilt worden. Der schwere Unfall 1979 in dem Atommeiler von Three Mile Island (Pennsylvania) hatte den Reaktorbau zum Stillstand gebracht.

Seit April hat der Konzern Westinghouse Electric zwei Verträge für den Bau neuer Reaktoren abgeschlossen.

asc/AFP/Reuters



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Hador, 19.06.2008
1. Super!
Tolle Idee, Mr. McCain. Dumm nur, dass (neben der natürlich vernachlässigbaren Gefahr eines Strahlenunfalls) Atomenergie schon alleine deshalb nicht die Lösung unserer Energieprobleme sein kann weil die Uranvorkommen auch nicht viel weiter reichen als die Ölvorräte. Erst Recht dann nicht wenn jetzt alle wie verrückt anfangen Kernkraftwerke zu bauen. Aber gut, nachdenken und strategisch planen ist halt nicht jedermanns Sache.
NOIdS 19.06.2008
2. Ahso, Atomkraftwerke mal wieder
Wie viel Strom wird aus Erdöl denn produziert? Wie viele "Erdöl-Kraftwerke" gibt es denn in den USA? In DE kann ich es genau sagen! Nicht ein Einziges. In den USA denke ich auch nicht. Das die Atomkraftwerke in 50 Jahren spätestens unter "Brennstoffmangel" leiden werden ist auch hinreichend bekannt. Was soll man dazu sagen? Die Amerikaner haben doch keine Ahnung wie Strom produziert wird, das ist der normale Bildungsstand.
tylerdurdenvolland 19.06.2008
3. ....
Tja, so sieht es nun mal aus, auf dieser Welt, mit der Zukunft. ALLE werden sich früher oder später dieser Einstellung anschliessen. Auch in Germoney. Wer Sicherheitsbedenken hat, oder gar darauf hinweist, dass es keinerlei Möglichkeit gibt den "Atommüll" zu entsorgen, der wird einfach übergangen. Einfach weniger Energie zu verbrauchen wäre eine Alternative, die nicht existiert, und das Volk ist ja (Gott sei Dank für die Industrie), doof genug sich auf sowas gar nicht einzulassn. Aber auch ich gestehe, ich hab meine Einstellung mittlerweile ein klein wenig geändert. Wir haben keinerlei Chance den Bau von Atomkraftwerken im Rest der Welt zu verhindern. Die Sicherheitsstandards in deutschen Atomkraftwerken sind besser als im Tschad oder Kambodscha, von der Ukraine ja offensichtlich ganz zu schweigen. Es wäre also vollkommen sinnlos hier abzuschalten... Wir werden also in einer Welt leben, in der irgendwann, in der nicht allzu fernen Zukunft, ein Atomkraftwerk in die Luft fliegen wird. Es wird ein grosses Geschrei geben, und noch lautere Beschwichtigungen und Versprechen von Industrie und Politik. Dann wird irgendwann ein weiteres in die Luft gehen, vielleicht in 10, vielleicht 20, vielleicht auch erst in 50 Jahren. Aber sie werden!!! usw. usw.... Und wir (ich hoffentlich nicht mehr) werden in einer Welt leben, in der es halt nun mal bestimmte Gebiete gibt, die z. Zt. "Leider unbewohnbar" sein werden. Wir werden dann, wie bis vor hundert Jahren üblich, Landkarten mit weissen Flecken haben, und wir werden uns dran gewöhnen, weil ja dann alles so normal ist, und wir den Strom für unsere Elektroautos ja unbedingt brauchen. Mit diesen Menschen kann man ja leider alles machen , und deshalb wird man das ja auch..... Wenn man es genau betrachtet, dann verdienen es auch nicht anders.
Geziefer 19.06.2008
4. Nur noch 70 Jahre.
Zitat von sysopDer Ölpreis steigt, die Amerikaner werden nervös: US-Präsidentschaftsbewerber McCain will als Ausweg aus der Energiekrise die Atomenergie massiv ausbauen. Er fordert 45 neue Reaktoren bis zum Jahr 2030. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,560616,00.html
Abgesehen von den bekannten Risiken der Atomkraftnutzung (Betriebs- und Endlager-Risiko) setzen die Förderkosten pro Kilogramm Uran ökonomische Grenzen für neue Reaktoren. Bei dem aktuellen Uranverbrauchsbedarf (ohne Zubau weiterer Reaktoren) und maximalen Förderkosten von 130 US-Dollar pro Kilogramm Uran steht der Stoff noch 70 Jahre zur Verfügung. Darüber hinaus gehende Vorräte sind nur mit erheblich höheren Förderkosten verfügbar.
Think-Smart 19.06.2008
5. Usa
Zitat von sysopDer Ölpreis steigt, die Amerikaner werden nervös: US-Präsidentschaftsbewerber McCain will als Ausweg aus der Energiekrise die Atomenergie massiv ausbauen. Er fordert 45 neue Reaktoren bis zum Jahr 2030. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,560616,00.html
Wo steigt denn der Ölpreis für die Amerikaner? Ein Liter Benzin kostet dort umgerechnet 70 Cent.
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