Energiewende nach Öl-Desaster Obama wirbt für ein grünes Amerika

Alternative Energien statt Abhängigkeit von Öl: Barack Obama will die USA auf erneuerbare Energien einschwören - und die Lehren aus dem Desaster im Golf von Mexiko ziehen. Doch für einen Gesetzentwurf fehlt ihm die nötige Mehrheit.

US-Präsident Obama: "Die nächste Generation darf nicht Geisel der Energiequellen sein"
AP

US-Präsident Obama: "Die nächste Generation darf nicht Geisel der Energiequellen sein"


Washington - US-Präsident Barack Obama will Konsequenzen ziehen aus der Ölpest im Golf von Mexiko - auch wenn das einigen Landsleuten reichlich spät erscheinen mag. Obama will nun das innenpolitisch umstrittene Gesetz zum Klimaschutz und zur Förderung alternativer Energien vorantreiben.

Die Abhängigkeit der USA von fossilen Brennstoffen und die anhaltenden Risiken der Ölförderung ließen "nur einen Weg" für die künftige Energiepolitik der USA zu - nämlich eine Abgabe auf Verschmutzung durch Kohlendioxid (CO2), sagte Obama am Mittwoch in Pittsburgh laut vorab verbreiteten Redeauszügen.

Der Präsident räumte ein, dass ein entsprechender Gesetzentwurf derzeit noch nicht über die nötige Mehrheit von 60 der 100 Stimmen im US-Senat verfüge. "Die Stimmen sind derzeit noch nicht da, ich habe aber die Absicht, sie in den kommenden Monaten zu sammeln", sagte er. Er kündigte an, auch mit den Republikanern zusammenarbeiten zu wollen. "Wir werden es schaffen", sagte Obama.

Die Amerikaner müssten angesichts der verheerenden Katastrophe im Golf von Mexiko eingestehen, dass nicht nur fossile Brennstoffe den Energiebedarf decken können. Die Zeit sei gekommen, "dass dieses Land eine Zukunft mit sauberer Energie wirklich annimmt", sagte Obama: "Die nächste Generation darf nicht Geisel der Energiequellen des vergangenen Jahrhunderts sein."

Obama hatte sein Amt im vergangenen Jahr mit dem Anspruch angetreten, dass die USA eine Führungsrolle beim Klimaschutz übernehmen und wie andere Industrieländer auch ein System des Emissionshandels etablieren sollten. Das Repräsentantenhaus hat bereits einen entsprechenden Gesetzentwurf verabschiedet, im Senat jedoch tritt das Projekt auf der Stelle. Die oppositionellen Republikaner, aber auch einige Senatoren von Obamas Demokraten, fürchten durch eine Emissionsabgabe zu hohe Belastungen für die Unternehmen.

Obama hat zudem ein Ende der Steuererleichterungen für Ölkonzerne gefordert. Die Milliarden Dollar sollten für die Forschung zu grünen Energien verwendet werden, sagte er.

Neue Panne bei BP

Die Ölpest breitet sich indes dramatisch aus: Jetzt sind auch die Touristen-Strände Floridas bedroht, in den Bundesstaaten Mississippi und Alabama werden Teerklumpen an Land gespült.

Zugleich gab es bei einem erneuten Versuch, den Ölfluss zumindest einzudämmen, eine Panne. Beim Absägen des defekten Steigrohrs am Ölleck blieb die Säge stecken. Zunächst sei die erste Sägeaktion in rund 1500 Meter Tiefe erfolgreich verlaufen. "Dann blieb die Säge im Steigrohr stecken", sagte US-Admiral Thad Allen am Mittwoch. Er sei aber optimistisch, dass dies bald gemeistert werden könne.

Das Öl sprudelt seit mittlerweile sechs Wochen ins Meer: Die schwerste Ölpest in der US-Geschichte lässt Präsident Obama hilflos erscheinen. Die "New York Times" vergleicht die Situation bereits mit dem Geiseldrama im Iran vor 30 Jahren. Damals wurden 52 US-Diplomaten 444 Tage lang in Iran gefangen gehalten - US-Präsident Jimmy Carter fand keine Lösung und verlor die Wahlen.

kgp/AFP/Reuters

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Forum - Obama - gutes Ölkrisen-Management?
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Seite 1
nurmeinsenf 26.05.2010
1. Andere Optionen?
Geschludert worden ist vor allem in der Vergangenheit. Die Tiefseebohrungen hätte nur unter anderen Sicherheitsauflagen durchgeführt werden dürfen. Jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist guter Rat teuer. Offenbar hat niemand so richtig gute Antworten darauf, wie man das Leck verschließt. Woher soll Obama die nehmen? Mehr als alle Ansätze zum Abdichten mit den nötigen Ressourcen zu unterstützen und anschließende Schadensbegrenzung/-seitigung zu treiben, wird nicht möglich sein. Wirklich schön ist das alles nicht, vor allem in der Region - Amerika hat seinen Umwelt-GAU.
Haio Forler 26.05.2010
2. .
Zitat von sysopBarack Obama gerät in der US-Ölkatastrophe in Louisiana zunehmend unter Druck: Der US-Präsident wird heftig kritisiert, weil er sich in der Krise weiter auf BP verlässt. Hat Barack Obama das Krisenmanagement im Griff?
Was soll er machen? Tauchen und sich draufsetzen?
Simpso, 26.05.2010
3.
Zitat von Haio ForlerWas soll er machen? Tauchen und sich draufsetzen?
Ja, ne... wäre Bush das gewesen, wänrem it absoluter Sicherheit die Kommentare sehr viel bösartiger ausgefallen. Es ist aber aschon richtig, weder Bush noch Obama können zaubern.
Epic Fail 26.05.2010
4. ...
Zitat von nurmeinsenfGeschludert worden ist vor allem in der Vergangenheit. Die Tiefseebohrungen hätte nur unter anderen Sicherheitsauflagen durchgeführt werden dürfen. Jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist guter Rat teuer. Offenbar hat niemand so richtig gute Antworten darauf, wie man das Leck verschließt. Woher soll Obama die nehmen? Mehr als alle Ansätze zum Abdichten mit den nötigen Ressourcen zu unterstützen und anschließende Schadensbegrenzung/-seitigung zu treiben, wird nicht möglich sein. Wirklich schön ist das alles nicht, vor allem in der Region - Amerika hat seinen Umwelt-GAU.
Nicht? Der Iran hat angeboten das Leck zu schließen, die meinten das es eine Kleinigkeit wäre. Aber da gibts ja momentan Stress mit Atomverhandlungen und da kann man ja nicht so einfach die Hilfe annehmen. Und noch dazu schuldet man dann dem Iran noch etwas, das geht ja mal garnicht. Da wird lieber der Golf von Mexiko geopfert. ;)
Hilfskraft 26.05.2010
5. Technik, Know-how, Manpower
"Den staatlichen Krisenteams fehlt Technik, Know-how, Manpower" Wo ist der legendäre Patriotismus der Amis? Daß es an Technik und Know-how fehlt, leuchtet ein. Frage: Wie sieht es damit bei uns aus? Sind zwar "nur" 70 Meter, aber die müssen auch bewältigt werden, im Falle des Falles. Manpower fehlt? Ein 300Millionen-Volk und keine Manpower? Wenigstens die Küstenbewohner könnten Hand anlegen und Säuberungsaktionen organisieren. Auch wenn es nichts nützt, käme es besser in den Medien rüber. Mir scheint, daß das den meisten Amerikanern am Popöchen vorbei geht. Dann fahren sie eben woanders hin, zum Baden. H.
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