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SS-Massaker von Marzabotto: Kriegsverbrecher gibt Ehrenbürger-Medaille zurück

Von , Rom

Ein Ortsschild der Gemeinde Engelsbrand Zur Großansicht
DPA

Ein Ortsschild der Gemeinde Engelsbrand

Die heftigen Proteste zeigten Wirkung: Ein wegen seiner "sozialen Verdienste" ausgezeichneter mutmaßlicher Kriegsverbrecher wird von der Schwarzwaldgemeinde Engelsbrand wieder entehrt.

Der in Italien als Kriegsverbrecher verurteilte Wilhelm Ernst Kusterer gibt seine Ehrung wieder an die Gemeinde Engelsbrand in Baden-Württemberg zurück. Er soll im Zweiten Weltkrieg in Italien an der Ermordung Hunderter Frauen und Kinder beteiligt gewesen sein.

"Bürgermeister Rosenau erhält die Medaille, die der 94-jährige Kusterer im vergangenen Jahr aufgrund seines sozialen Engagements in der Gemeinde erhalten hat, zurück. Auch die Auszeichnung hat keinen Bestand mehr." So heißt es in einer Erklärung der Schwarzwaldgemeinde vom Dienstag. Die Rückgabe der Medaille erfolge voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche.

Die Gemeinde hatte Kusterer "für dessen vielfältiges Engagement für die örtlichen Vereine und als langjähriges gewähltes Mitglied des Gemeinderates" öffentlich geehrt und gefeiert. Erst vor wenigen Tagen wurde das auch außerhalb der Stadtgrenzen bekannt und löste heftige Proteste aus, vor allem in Italien.

Dort soll der belobigte Bürger im Herbst 1944 aktiv am "Blutbad von Marzabotto" beteiligt gewesen sein. Angehörige der deutschen Wehrmacht und der SS hatten in der Nähe von Bologna mindestens 770 Menschen bestialisch umgebracht. Die meisten der Opfer waren ältere Männer, Frauen und Kinder, das jüngste Opfer war 14 Tage alt. Kusterer wurde dafür von einem italienischen Gericht zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt, die er nie antrat. Die deutsche Justiz kam über die Einleitung von Ermittlungsverfahren gegen ihn nie hinaus.

Als italienische Medien und auch SPIEGEL ONLINE darüber berichteten, dass ein in Italien verurteilter Kriegsverbrecher in Deutschland zum Ehrenbürger ernannt wurde, reagierten auch in Deutschland viele Bürger und Politiker mit Protesten und Unverständnis. Der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, nannte den Vorgang einen "schlimmen Missgriff".

Ihm sei nichts von den Vorwürfen bekannt gewesen, hatte der Bürgermeister versichert. Jetzt aber seien diese "von offizieller Seite" bestätigt worden: Kusterer, so heißt es in der Erklärung der Gemeinde Engelsbrand weiter, "war 1944 zu der angegebenen Zeit an SS-Aktivitäten und den ihm vorgeworfenen Kriegsverbrechen beteiligt."

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