Enteignungen in Simbabwe Weiße Farmer leisten Widerstand gegen Diktator Mugabe

Seit Monaten müssen weiße Großgrundbesitzer in Simbabwe Plünderungen und Folterungen über sich ergehen lassen. Diktator Robert Mugabe geht nun unerbittlich gegen Widerständler vor. Mit populistischen Parolen versucht der 78-Jährige, dem eigenen Machtzerfall vorzubeugen.

Von Rüdiger Strauch


Lässt weiße Farmer enteignen: Präsident Robert Mugabe. Er regiert seit 1980
AFP

Lässt weiße Farmer enteignen: Präsident Robert Mugabe. Er regiert seit 1980



Harare – Simbabwes Präsident Robert Mugabe nahm kein Blatt vor den Mund. Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, er könne auch noch den letzten Rest seines Ansehens im Ausland verspielen, höhnte der Despot aus dem früheren Kolonialstaat Rhodesien: "Das ist nicht Tony Blairs Land. Es ist Mugabes Land. Es ist das Land unserer Vorfahren." Die vor zweieinhalb Jahren gestartete Landreform seiner Regierung, bei der 95 Prozent der von weißen Farmern bewirtschafteten Anbauflächen an besitzlose schwarze Landarbeiter übertragen werden sollen, sei "vollkommen unumkehrbar", erklärte Mugabe und erntete den begeisterten Applaus Hunderter schwarzer Kleinbauern.

Günstlingswirtschaft im südlichen Afrika

Schon lange gibt sich der Machthaber keine Mühe, seine Willkürherrschaft in beschönigende Sätze zu hüllen. Der Präsident herrscht mit harter Hand und hat sein Land dadurch in die internationale Isolation geführt. Sein Wort gilt. Und das bedeutet allzu häufig, dass Bonzen von Mugabes Regierungspartei Zanu-PF die Gunst der Stunde nutzen und sich maßlos bereichern. Viele der bisher beschlagnahmten Farmen wurden kurzerhand von Günstlingen des Diktators übernommen. Simbabwe ist Mugabes Land. Da hat der Präsident ausnahmsweise Recht.

Unerbittliche Staatsmacht: Simbabwes Behörden sind durchsetzt von Günstlingen des Präsidenten
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Unerbittliche Staatsmacht: Simbabwes Behörden sind durchsetzt von Günstlingen des Präsidenten

Leidtragende sind etwa 4000 weiße Großgrundbesitzer, die das Rückgrat der Versorgung mit Lebensmitteln in der einstigen Kornkammer Afrikas bilden. Weil ihre schwarzen Nachfolger kaum über ausreichende Kenntnisse verfügen, das Land zu bewirtschaften, ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln nahezu zusammengebrochen. Seit Monaten schon versuchen die weißen Farmer vergeblich, sich gegen die drohende Enteignung zur Wehr zu setzen. Nach dem Verstreichen eines Ultimatums vor rund einer Woche wurden etliche gewaltsam von ihren Ländereien vertrieben. Auch Landwirte, die keinen Widerstand leisten, sind den Schergen Mugabes willenlos ausgeliefert. Am Samstag wurde der Weiße Tony Smith in seinem Haus in der Hauptstadt Harare von Polizisten und militanten Regierungsanhängern krankenhausreif geschlagen und anschließend festgenommen, obwohl er sein Landgut anstandslos aufgegeben hatte.

Mord, Folter, Plünderungen - Simbabwes Farmer leiden

Umso höher ist der Mut zu schätzen, mit dem sich am vergangenen Wochenende über 140 Farmer der Tyrannei Mugabes widersetzten. Sie waren auf ihren beschlagnahmten Höfen geblieben und müssen sich nun vor Sondergerichten verantworten. Ihnen drohen bei einer Verurteilung Haftstrafen von bis zu zwei Jahren.

"Wir dürfen nicht einfach nur willenlose Opfer bleiben", klagt Philip du Toit, Vorsitzender einer Interessengruppe weißer Farmer. Seit 29 Monaten seien die Landwirte gezwungen, hilflos mit anzusehen, wie ihre Fahrzeuge gestohlen würden, das Vieh geraubt und die Ernte geplündert werde. Hinzu kämen Folter, Mord und Verbrechen an der eigenen Bevölkerung, die unter den Folgen einer Jahrhundertdürre im südlichen Afrika leidet. Es sei an der Zeit, Mugabe, der seit 1980 regiert, vor Gericht zu stellen. Du Toit und seine Mitstreiter möchten deswegen den neu geschaffenen Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag anrufen, um den 78-Jährigen zur Verantwortung zu ziehen. Noch in dieser Woche soll eine erste Eingabe in die Niederlande geschickt werden, damit die Juristen weitere Nachforschungen anstellen und Erkenntnisse gegen den Diktator sammeln.

Simbabwe wählt: Im März wurde das Mugabe-Regime bestätigt. Die Opposition vermutet bis heute Manipulationen
AFP

Simbabwe wählt: Im März wurde das Mugabe-Regime bestätigt. Die Opposition vermutet bis heute Manipulationen

Mugabe hatte sich im März diesen Jahres zum Sieger der mehrtägigen Parlamentswahlen erklärt. Die Opposition hielt das Wahlergebnis für manipuliert. Selbst in Gegenden der 13 Millionen Einwohner zählenden südafrikanischen Landes, in denen kaum Menschen bei der Stimmabgabe gesehen wurden, soll es eine Wahlbeteiligung von über 90 Prozent gegeben haben. Die Wahl anzufechten, hätte keinen Sinn gemacht, da alle Gerichte längst mit regimetreuen Richtern besetzt sind.

Akute Hungersnot wegen Ernteausfalls

Obwohl Mugabe ein enges Netz von Bespitzelungs- und Unterdrückungsmechanismen über Simbabwe gelegt hat, war es nach den Wahlen zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Oppositionellen und militanten Regierungsanhängern gekommen. Dabei kamen mehrere Menschen ums Leben. Einer 53-jährigen Frau soll vor den Augen ihrer Töchter der Kopf abgehackt worden sein. Begründung: Unterstützung der Opposition.

Das blinde Wüten des Präsidenten gegen weiße Farmer werten Landeskenner als Versuch, die schwarze Bevölkerung mit populistischen Parolen gegen die früheren Kolonialherren aufzuhetzen. Folgt man der Logik Mugabes, sollen die Weißen Schuld sein an der desolaten wirtschaftlichen Lage des Landes. Dabei ist der Diktator nur auf der Suche nach einem Sündenbock und versucht mit allen Mitteln, seine zerfallende Macht zu retten, während sechs Millionen Simbabwer von akuter Hungersnot bedroht sind. Schon spricht das Hilfswerk "Brot für die Welt" von einer sich "anbahnenden Katastrophe".

Aus der selbst verursachten Not meinen nun Simbabwes Nachbarn ihren Profit schlagen zu können. In Mosambik, einem der ärmsten Länder der Welt, hat die Regierung die Grenzen für drangsalierte Farmer aus dem Nachbarland weit geöffnet. "Wenn jemand kommt und investieren will und unsere Gesetze respektiert, ist er willkommen – ob er nun weiß, schwarz, gelb oder grün ist," sagte der mosambikanische Außenminister Leonardo Simao im staatlichen Fernsehen. Schon zwölf Landwirte aus Simbabwe sollen sich in Mosambik angesiedelt haben. Ihnen bleibt nur noch, die chaotische Entwicklung in ihrer Heimat abzuwarten und auf einen Aufstand der darbenden Bevölkerung zu hoffen.



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