Entführte Blauhelme: Israel fürchtet Abzug der Uno-Friedenstruppen
Die von syrischen Extremisten entführten Uno-Blauhelme sind wieder frei. Nun befürchtet die israelische Regierung, dass die desolate Sicherheitslage auf den Golanhöhen zum Ende der Uno-Mission dort führen könnte. Dann stünde Israel den radikalen Rebellen direkt gegenüber.
Die Geiselnahme von 21 Blauhelmen im Niemandsland zwischen Israel und Syrien hatte das Potential zu einem tödlichen Desaster - doch nun hat sie ein gutes Ende gefunden. Die philippinischen Soldaten seien freigelassen worden und hätten am Nachmittag jordanisches Territorium betreten, bestätigte ein Uno-Gesandter. Die Gruppe war bei einer Routine-Patrouillenfahrt von extremistischen Rebellen entführt worden.
Bei den Kidnappern handelte es sich um die sogenannte Jarmuk-Märtyrer-Brigade, die im Verdacht steht, in der Vergangenheit Kriegsgefangene in ihrer Obhut exekutiert zu haben. Die Erleichterung über den glimpflichen Ausgang der Episode kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Sicherheitslage auf den von Israel besetzt gehaltenen syrischen Golanhöhen in den vergangenen Wochen stetig verschlechtert hat.
Mehrfach wurden dabei Konvois der in der Pufferzone zwischen beiden Ländern patrouillierenden Blauhelme von Rebellentrupps gestoppt und deren Fahrzeuge gestohlen. Immer wieder gehen Querschläger aus Gefechten zwischen syrischen Rebellen und Regierungstruppen im Niemandsland nieder, bei einem Vorfall wurde ein österreichischer Blauhelm verletzt. Seit Ende Februar wird zudem ein Soldat der Uno-Truppe vermisst, ohne dass viel über sein Schicksal zu erfahren wäre. Japan und Kroatien haben ihre Soldaten des Uno-Kontingents wegen der unsicheren Lage abgezogen.
In Israel wächst nun die Sorge, dass die Uno nach der jüngsten Entführung ihre Beobachtermission entlang der Waffenstillstandslinie von 1974 beenden könnte. Derzeit überwachen etwa 1500 Soldaten das Grenzgebiet zwischen Syrien und Israel, Österreich stellt mit 375 Mann vor den Philippinen und Indien das größte Kontingent.
Offene Flanke Richtung Syrien
Das Niemandsland, in dem die Blauhelme Streife fahren, ist 80 Kilometer lang und bis zu zehn Kilometer breit. Das Mandat für die "Beobachtertruppe der Vereinten Nationen für die Truppenentflechtung" (Undof) muss jedes halbe Jahr vom Uno-Sicherheitsrat erneuert werden. Die nächste Verlängerung muss Ende Juni genehmigt oder abgelehnt werden. Bislang baute Israels Militär darauf, dass die Anwesenheit der Uno-Truppe die Kämpfe in Syrien auf Abstand zur israelischen Grenze hält. Das ist nun vorbei: Israels Armee (IDF) bereite sich auf den Fall vor, dass die Entführung der Philippiner das Ende der Undof-Mission einläuten werde, berichten verschiedene israelische Tageszeitungen am Freitag. Die Evakuierung der Japaner und Kroaten sei "nur der Anfang", zitiert die "Maariv" Armeequellen.
Israels Sorge, plötzlich mit einer zu Syrien offenen Flanke dazustehen, ist deshalb so groß, weil sich auf der syrischen Seite der Grenze zunehmend extremistische Rebellengruppen eingenistet haben. Diese könnten sich - sobald ihr Erzfeind Assad geschlagen ist - dem Kampf gegen Israel verschreiben.
Anhänger des globalen Dschihad hätten sich vor allem in der Nähe der grenznahen Stadt Daraa angesiedelt, schreibt Amir Rapaport in der "Maariv". Israels Armee gehe davon aus, dass der syrische Staat nach dem Sturz des Assad-Regimes zerfallen werde. Das Ende der Diktatur Baschar al-Assads könne der Startschuss für neue innersyrische Kämpfe sein, bei denen auch Israel ins Visier einiger radikaler Rebellentruppen geraten könne. "Die Befehlshaber der IDF im Norden Israels sind davon überzeugt, dass die Saat für den nächsten Krieg heute auf dem Golan ausgebracht wird", schreibt Nahum Barnea in der "Jediot Acharonot". "Die Pessimisten sprechen über eine Verschlechterung der Lage innerhalb von Wochen, Optimisten sprechen über ein paar Monate."
Barnea schreibt, dass Israel keine andere Wahl bleiben könnte, als Vorstöße auf syrisches Gebiet zu unternehmen. Im schlimmsten Falle könne es zu einem ähnlichen Szenario wie im Libanon kommen. Dort hielt Israel den Süden des Landes über Jahre hinweg besetzt. Bereits am Montag hatte Israel den Uno-Sicherheitsrat gewarnt, dass nicht erwartet werden könne, dass Israel "untätig zusehe", wenn der syrische Bürgerkrieg auf israelisches Territorium übergreifen sollte.
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- Samstag, 09.03.2013 – 15:57 Uhr
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