Entführte im Irak Weiter keinen Draht zu den Kidnappern

Neun Tage nach der Entführung der Deutschen Susanne Osthoff gibt es weiter kein Zeichen der Hoffnung. Noch immer versucht die Bundesregierung, einen Kontakt zu den Entführern herzustellen.


Geisel Susanne Osthoff: "Ein wahrer Freund aller Völker Iraks"
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Geisel Susanne Osthoff: "Ein wahrer Freund aller Völker Iraks"

Berlin - Die Sitzungen des Krisenstabs in Berlin gehören für alle Beteiligten mittlerweile zur traurigen Routine des Entführungsfalls. Doch auch am Sonntag konnten die Verantwortlichen nach der Runde im Auswärtigen Amt (AA) nichts mitteilen, was auf eine Verbesserung der Lage hinweisen würde.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Sonntagabend im ZDF, weder kenne man Osthoffs Aufenthaltsort, noch habe man ein Lebenszeichen von ihr. Zahlreiche Prominente aus Politik, Kirche und Verbänden forderten in einem Appell die Freilassung der entführten Deutschen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem Elyas, bot sich selbst zum Austausch für die Geisel an.

Merkel betonte in einem vorab verbreiteten ZDF-Interview, die Regierung werde alle Kanäle nutzen, um das Leben der Entführten zu retten. Sie hoffe, dass dies gelingen könne. Kanzleramtsminister Thomas de Maizière sagte im gleichen Sender, öffentliche Äußerungen zum Stand des Verfahrens seien nicht hilfreich. Bundespräsident Horst Köhler erklärte in Berlin, die Gedanken der Deutschen seien bei dem Opfer.

Unterdessen bot sich der Vorsitzenden des Zentralrats der deutschen Muslime als Austauschgeisel für Osthoff an. Nadem Elyas sagte der Berliner "tageszeitung", er könne sich vorstellen, sich für einen möglichen Austausch zur Verfügung zu stellen. "Für mich kommt alles in Frage, was ihr Leben retten kann", wurde der Zentralrats-Vorsitzende zitiert.

Elyas trat ebenfalls einem Appell von Prominenten für die Freilassung Osthoffs bei. Er schrieb, die Entführung verstoße gegen die Werte des Islam, der Vernunft und jeder Zivilisation. Der Vorsitzende des Islamrates in Deutschland, Ali Kizilkaya, betonte, die Muslime in Deutschland verurteilten diesen terroristischen Akt. Dem Appell schlossen sich unter anderen der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, FDP-Chef Guido Westerwelle, DGB-Vorsitzender Michael Sommer, DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun und Grünen-Chefin Claudia Roth an.

In New York veröffentlichten elf kulturhistorische und archäologische Organisationen einen weiteren Freilassungsappell. Osthoff habe jahrelang unermüdlich gearbeitet, um dem irakischen Volk zu helfen und deren Kulturschätze für die Iraker zu erhalten. "Sie ist ein wahrer Freund aller Völker des Irak", hieß es. Auf den Aufruf machte ein Bekannter Osthoffs aufmerksam, der die Internetadresse susanne-osthoff.de einrichtete.



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