Geiseldrama auf BP-Gasfeld: Algerische Arbeiter entkommen Islamisten

BP-Gasfeld in Algerien: Geiseldrama tief in der Sahara Zur Großansicht
AFP/ Statoil/ Kjetil Alsvik

BP-Gasfeld in Algerien: Geiseldrama tief in der Sahara

Islamisten halten Dutzende Geiseln in Algerien fest, die Armee belagert die Entführer. Jetzt konnten 30 einheimische Arbeiter den Extremisten entkommen - ob auch Ausländern die Flucht gelang, ist bisher unklar. Die Regierung in Algier erwägt offenbar, um internationale Hilfe zu bitten.

Algier - Eine Gruppe algerischer Arbeiter des BP-Gasfeldes Ain Amenas ist nicht mehr in der Gewalt von Islamisten, die den Ort im Süden Algeriens am Mittwochmorgen überfallen haben. Die staatliche Nachrichtenagentur APS meldet, 30 Arbeiter hätten fliehen können. Die Agentur beruft sich auf Informationen der Behörden, nannte aber keine weiteren Details.

Möglich ist auch, dass die Extremisten die Algerier freigelassen haben. Hunderte algerische Arbeitskräfte waren am Mittwoch zunächst gefangen genommen, später aber unversehrt freigelassen worden.

Die schwer bewaffneten Islamisten nahmen auch Dutzende Ausländer als Geiseln - sie stammen unter anderem aus Irland, Norwegen, Großbritannien, Japan und den USA. Es gibt erste Berichte, dass 15 von ihnen den Entführern ebenfalls entkommen konnten, darunter ein französisches Pärchen. Dies meldet der algerische Fernsehsender Ennahar und beruft sich auf eine "offizielle Quelle". Bestätigt ist dieser Bericht allerdings nicht.

Wie viele Menschen die Terroristen überhaupt in ihre Gewalt gebracht hatten, ist nicht klar. Das algerische Innenministerium sprach bislang von etwa 20 ausländischen Geiseln, die Geiselnehmer selbst von 41. Ein Brite und ein Algerier wurden bei dem Überfall getötet.

Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira berichtet nun, die Entführer hätten damit gedroht, eine britische Geisel zu töten, sollten algerischen Soldaten angreifen. Regierungstruppen haben das Gasfeld seit Donnerstagmorgen umstellt und die Gruppe eingekesselt. Lokale Medien melden, dass es bereits erste Gefechte zwischen den Streitkräften und den Extremisten gegeben hat. Einige der Ausländer wurden einem Bericht von France 24 zufolge gezwungen, Sprengstoffgürtel zu tragen. Die Entführer wollen so offenbar mögliche Attacken von Sicherheitskräften verhindern.

"Leben der Geiseln hat oberste Priorität"

Die "oberste Priorität" müsse sein, dass die Geiseln lebend befreit würden, mahnte Japans Außenminister. Die Regierung in Algier hofft nun offenbar auf Hilfe von außen: Sie verhandelt laut Nachrichtenagentur AP mit den USA und Frankreich über einen internationalen Einsatz.

Laut algerischem Innenminister Daho Ould Kablia hatten die Islamisten mit ihren Geiseln das Land verlassen wollen, er habe das aber abgelehnt. Nach Aussage eines Zeugen verlangten die Täter zudem die Freilassung von mehr als hundert Islamisten.

Auf Forderungen der Extremisten will die algerische Regierung grundsätzlich nicht eingehen. Zu dem Angriff hatte sich eine Terrorgruppe unter der Führung von Mokhtar Belmokhtar bekannt, der sich auch Mokhtar Belamour oder Khalid Abu al-Abbas nennt. Der Anschlag sei eine Vergeltungsaktion für die Entscheidung der algerischen Regierung, dem französischen Militär Überflugrechte zu gewähren. Frankreichs Armee bekämpft im Norden Malis die Islamisten - nun scheinen extremistische Kämpfer für die französische Militärmission Rache genommen zu haben.

Der Erdgaskomplex Ain Amenas, auf dem sich das Geiseldrama abspielt, liegt 1300 Kilometer südlich der Hauptstadt Algier tief in der Sahara-Wüste. Der britische Ölkonzern BP betreibt das Gasfeld zusammen mit dem norwegischen Energiekonzern Statoil und dem algerischen Staatsunternehmen Sonatrach. Die japanische Firma JGC Group ist als Dienstleister vor Ort.

Algerien ist flächenmäßig das größte Land auf dem afrikanischen Kontinent und gilt als Verbündeter der USA und Frankreichs im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Die Beziehungen zwischen Algier und Paris sind allerdings latent belastet durch die Kolonialzeit und den blutigen Unabhängigkeitskrieg vor 50 Jahren.

kgp/AFP/Ap

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1. Da kann nur einer helfen:
BoMoUAE 17.01.2013
Chuck Norris!!!
2. das muss auch uns warnen!
nikta 17.01.2013
Und nun sehen wir erste Wirkung und Rückmeldung auf aufgewachte französische Gaullismus und Mali-Einsatz. Nun französischer Gaullismus ist nicht unbekannt und wird auf Schultern der Fremdenlegion getragen. Die Franzosen sind ungefähr so beliebt in Afrika, wie Amerikaner in Latein Amerika. Trotzdem würde gerne bei Afrika-Einsätze, ehrlicher wäre Interventionen (!!!), bei den Amis lernen, die nach ihrer Niederlage in Somali unter Bill Clinton im 1993, nie mehr ihre Problemen in Afrika mit eigenen Truppen lösen wollen. Insbesondere die Fernsehbilder getöteter und durch die Straßen Mogadischus geschleifter US-Soldaten führten in den USA zu einem Wandel der öffentlichen Meinung über das Engagement in Somalia. Im Großen und Ganzen war es ein spannender Thriller mit toten amerikanischen Militärs, Rücktritt von Verteidigungsminister Les Aspin (versteht sich aus „persönlichen Gründen“) und Niederlage-Abzug der US-Truppen am 25. März 1994. Das Desaster von Mogadischu übte bleibenden Einfluss auf die US-Politik aus, der dazu führte, dass sich die USA in den Folgejahren nur zurückhaltend sogar an Blauhelm-Einsätzen beteiligten geschweige noch im Alleingang. Die Franzosen erhalten bekanntlich Ihre Präsenz fast in allen ihrer Ex-Kolonien und lösen entstehende ständig Problemen mit Hilfe ihrer Fremdenlegion, die aus modernen Söldnern bzw. Anwärter der französischen Bürgerschaft besteht. Aus diesem Grund die toten Legionären lösen keine politischen Unruhen innerhalb Frankreich… Die ausländischen Söldner sind keine Rede wert…Ich würde aber mit solchen Beispielen gegen „Neuteutonismus“ warnen, egal in welchen Gewand er gewickelt wird…
3.
Jan2607 17.01.2013
Ist besser, wenn das eine amerikanische oder eine französische Einheit macht, den Algeriern traue ich so etwas nicht zu. Das würde letzten Endes darauf hinauslaufen, dass die Geislen tot sind. Die Delta Force/DEVRU (ehemals SEAL Team 6) weiß da eine recht gute Quote auf, was "Personenrückführungen" angeht.
4. BoMoUAE
Spiegelleserin57 17.01.2013
na diesen Typ brauchen wir wirklich nicht, mal gelesen was WIKIPEDIA zu ihm sagt, nein Danke! Außerdem war mit einer Rache zu rechnen! Es stellt sich mir weider die Frage was hat Frankreich dort überhaupt zu suchen, nämlich NICHTS! Alle sollen vor den Karren von Frankreich gespannt werden und es wird auch noch eine Million zur Hilfe bereitgestellt während hier das Geld dringend für andere Projekte gebraucht wird. Unser Land ist hoch verschuldet!!! Die Benzinpreise werden mit Sicherheit wieder extrem steigen und wir dürfen das ganze Desaster bezahlen, hatten wir doch schon mal!!! Wie war das mit nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen? Alle haben es geglaubt wehe dem der es gewagt hat zu sagen da ging es um Öl und hinterher war das sonnenklar!
5. Danke
pigtime 17.01.2013
Zitat von niktaUnd nun sehen wir erste Wirkung und Rückmeldung auf aufgewachte französische Gaullismus und Mali-Einsatz. Nun französischer Gaullismus ist nicht unbekannt und wird auf Schultern der Fremdenlegion getragen. Die Franzosen sind ungefähr so beliebt in Afrika, wie Amerikaner in Latein Amerika. Trotzdem würde gerne bei Afrika-Einsätze, ehrlicher wäre Interventionen (!!!), bei den Amis lernen, die nach ihrer Niederlage in Somali unter Bill Clinton im 1993, nie mehr ihre Problemen in Afrika mit eigenen Truppen lösen wollen. Insbesondere die Fernsehbilder getöteter und durch die Straßen Mogadischus geschleifter US-Soldaten führten in den USA zu einem Wandel der öffentlichen Meinung über das Engagement in Somalia. Im Großen und Ganzen war es ein spannender Thriller mit toten amerikanischen Militärs, Rücktritt von Verteidigungsminister Les Aspin (versteht sich aus „persönlichen Gründen“) und Niederlage-Abzug der US-Truppen am 25. März 1994. Das Desaster von Mogadischu übte bleibenden Einfluss auf die US-Politik aus, der dazu führte, dass sich die USA in den Folgejahren nur zurückhaltend sogar an Blauhelm-Einsätzen beteiligten geschweige noch im Alleingang. Die Franzosen erhalten bekanntlich Ihre Präsenz fast in allen ihrer Ex-Kolonien und lösen entstehende ständig Problemen mit Hilfe ihrer Fremdenlegion, die aus modernen Söldnern bzw. Anwärter der französischen Bürgerschaft besteht. Aus diesem Grund die toten Legionären lösen keine politischen Unruhen innerhalb Frankreich… Die ausländischen Söldner sind keine Rede wert…Ich würde aber mit solchen Beispielen gegen „Neuteutonismus“ warnen, egal in welchen Gewand er gewickelt wird…
...schöner Beitrag. Leider glauben viele, Frankreich wäre seit den 60zigern auf diesem Kontinent militärisch inaktiv.
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Fläche: 2.381.741 km²

Bevölkerung: 35,468 Mio.

Hauptstadt: Algier

Staatsoberhaupt:
Abdelaziz Bouteflika

Regierungschef: Abdelmalek Sellal

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