London/Algier - Wie viele ausländische Geiseln sind am Donnerstag beim Befreiungsversuch der algerischen Armee an einem BP-Gasfeld im Südosten Algeriens ums Leben gekommen? Die Lage ist unklar, Dutzende der Festgehaltenen und viele Terroristen sind nach Angaben mehrerer Nachrichtenagenturen getötet worden. Nach bisherigen Informationen wurde auch ein Brite getötet, zwei Schotten konnten entkommen.
Gibt es noch weitere britische Opfer? Premier David Cameron kündigte am Donnerstagabend überraschend an, seine für Freitag in Amsterdam geplante Ansprache über das britische Verhältnis zur EU nicht zu halten. Er werde stattdessen in Großbritannien bleiben, um sich um das Geiseldrama zu kümmern. Seine Landsleute müssten sich auf weitere schlechte Nachrichten aus Algerien einstellen, hieß es von der Regierung in London.
Cameron hatte am Freitagmorgen in Amsterdam über das Verhältnis seines Landes zur EU sprechen wollen. Es wurde erwartet, dass er dabei die Rückholung von Befugnissen von Brüssel nach London fordern würde. Zudem wurde angenommen, dass er für die Zeit nach den Wahlen 2015 ein Referendum zu der Frage ankündigen werde. Cameron steht unter Druck des euroskeptischen Flügels seiner konservativen Partei. Die pro-europäischen Liberaldemokraten, die mit an der Regierung beteiligt sind, lehnen ein Referendum aber entschieden ab. Wann Cameron die Rede nachholt, steht noch nicht fest.
Verärgert über algerisches Vorgehen
Cameron hatte zuvor über seinen Sprecher mitteilen lassen, er wäre gern im Vorfeld über die Militäraktion der Algerier informiert worden. Die algerische Regierung habe London erst informiert, als der Angriff bereits begonnen habe. Die algerische Armee war am Donnerstag mit Luftangriffen und Bodentruppen gegen die islamistischen Geiselnehmer auf dem BP-Gasfeld vorgegangen. Ein Sprecher der Geiselnehmer sagte der mauretanischen Nachrichtenagentur Ani, bei dem Einsatz seien 34 Geiseln und 15 Kidnapper getötet worden, Großbritannien, Frankreich und Norwegen bestätigten den Einsatz. Algerischen Medien zufolge gelang 15 Ausländern und 30 Algeriern die Flucht.
Die Situation auf dem Gasfeld war auch lange nach Beginn des Militäreinsatzes unübersichtlich. Der algerische Kommunikationsminister Mohand Oussaid Belaid sagte am Abend, die Militäroperation halte noch an. Der Angriff sei am Mittag gestartet worden, nachdem sich die Geiselnehmer geweigert hätten, aufzugeben. Dabei seien mehrere Geiseln getötet und verletzt worden. Zahlen nannte der Minister nicht. Zugleich habe das Militär mehrere Menschen aus den Händen der Entführer befreit. Eine "bemerkenswerte Zahl" an Terroristen habe die Armee "neutralisieren" können. Die Geiselnehmer sollen aus verschiedenen Ländern stammen. Algerische Sicherheitskräfte hätten am Abend weiterhin versucht, die restlichen Geiseln zu befreien, sagte Belaid weiter.
Frankreichs Präsident François Hollande bezeichnete die Lage vor Ort am Abend als "dramatisch". Er verfüge aber noch nicht über genug Informationen, um eine Bewertung abzugeben. Japan forderte ein sofortiges Ende der andauernden Militäraktion. Unter den Geiseln befanden sich auch Japaner. Die US-Regierung zeigte sich besorgt und forderte Klarheit über mögliche ausländische Opfer.
als/syd/Reuters/dpa/AFP
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