Entführung in Mali Deutsche und drei weitere Europäer bei Wüstentour verschleppt

Auf dem Rückweg aus der Wüste sind vier europäische Touristen, darunter eine 75-jährige Deutsche, an der Grenze zwischen Mali und Niger verschleppt worden. Bei dem Überfall wurde auf die Jeeps der Besucher geschossen, einige aus der Gruppe konnten entkommen.

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Berlin - Es sind wieder einmal bedrohliche Nachrichten, die am Nachmittag im Krisenzentrum des Auswärtigen Amts (AA) in Berlin eingingen. In der Sahara wurden europäische Touristen entführt. Unter den Gekidnappten ist auch eine deutsche Reisende.

Sahara-Wüste (im Norden Malis): Europäische Reisegruppe entführt
Reuters

Sahara-Wüste (im Norden Malis): Europäische Reisegruppe entführt

Das Ministerium von Frank-Walter Steinmeier bestätigte am Abend auf Nachfrage die SPIEGEL-ONLINE-Informationen über den neuen Entführungsfall, der die Diplomaten in Atem hält.

Steinmeiers Ministerium hielt sich, wie bei solch heiklen Fällen üblich, mit Details strikt zurück, um das Leben von Geiseln nicht zu gefährden. Man gehe Hinweisen nach, dass eine Deutsche in der Grenzregion zwischen den nordwestafrikanischen Staaten Mali und Niger verschleppt worden ist, sagte ein Sprecher. Die Botschaft und auch das Bundeskriminalamt (BKA) arbeiten seit dem Nachmittag intensiv an dem Fall.

Schüsse in der Wüste

Die europäische Reisegruppe, insgesamt sieben oder acht Touristen aus Deutschland, Luxemburg, der Schweiz und Großbritannien, war am Mittag (Ortszeit) mit mehreren Geländewagen auf dem Rückweg vom sogenannten Festival Andéramboukane, einem mehrtägigen Volksfest der Tuareg-Stämme, die die Grenzregion bewohnen.

DER SPIEGEL

Als der kleine Konvoi gegen Mittag die Grenze von Mali nach Niger passiert hatte, wurden sie von Unbekannten etwa 60 Kilometer von der Grenze entfernt angegriffen. Dabei fielen laut SPIEGEL-ONLINE-Informationen auch mehrere Schüsse, verletzt wurde aber offenbar niemand. Ein Geländewagen der Gruppe, in dem auch der lokale Reiseleiter und ein weiterer Deutscher saßen, konnte dem Hinterhalt entkommen, das andere Auto wurde jedoch gestoppt.

Die Insassen, eine 75-jährige Deutsche aus Hessen, ein Brite und ein Schweizer Pärchen, wurden nach dem Überfall von den Angreifern verschleppt. Über Forderungen wurde bislang nichts bekannt. In dem Wagen, der nicht in die Hände der Kidnapper geriet, saßen außer dem Deutschen noch mindestens zwei weitere europäische Touristen. Alle sind wohlauf und konnten sich mittlerweile weit vom Tatort entfernt in Sicherheit bringen.

Die lokalen Behörden vermuten Mitglieder der Tuareg-Stämme hinter dem Kidnapping. Noch aber sind die Details aus der Region spärlich und die Aussagen der Behörden wohl eher als erste Arbeitsthese denn als Fakt anzusehen. Angeblich haben sich sowohl das malische Militär und auch Soldaten aus Niger auf die Suche nach den Verschleppten und den Entführern gemacht.

Die Reisegruppe hatte einen elftägigen Trip in der Sahara, einschließlich einer Tour auf dem Niger-Fluss, gebucht und war am 18. Januar aufgebrochen.

Warnung vor Wüstentouren

Das AA warnt auf seiner Web-Seite explizit vor solchen Wüstentouren in das Gebiet, da die Gefahr von Entführungen besteht. Zudem gibt es kriminelle Angehörige der Tuareg-Stämme, die Touristen meist überfallen, um ihre Autos und Bargeld zu erbeuten.

Teile der Stämme führen auch einen bewaffneten Kampf gegen die Regierung in Niger, da sie sich nicht genug an der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Region beteiligt sehen.

Im Juni 2008 waren vier Franzosen von Tuareg-Rebellen entführt worden, sie kamen nach drei Tagen wieder frei. Im Dezember waren im Niger zwei kanadische Mitarbeiter der Vereinten Nationen von Unbekannten verschleppt worden.

In der Vergangenheit war es in der Sahara immer wieder zu spektakulären Entführungsfällen von Touristen gekommen, bei denen immer wieder auch Europäer verschleppt worden waren. Im Jahr 2003 war eine 14-köpfige Reisegruppe verschleppt worden, darunter mehrere Deutsche. Eine deutsche Frau erlag damals einem Hitzeschock und starb in der Wüste.

Erst im vergangenen Herbst war eine weitere Touristengruppe, darunter fünf Deutsche, im ägyptischen Teil der Sahara verschleppt worden, die Touristen kamen aber recht zügig wieder frei.



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