Entführung in Mali: Neue Terrorgruppe soll Deutschen getötet haben

Fünf Europäer wurden in den westafrikanischen Städten Timbuktu und Hombori verschleppt, ein Deutscher getötet. Nach Informationen einer französischen Sonntagszeitung soll eine neue islamistische Terrorgruppe für die Taten verantwortlich sein.

Esel transportieren Steinbrocken in Timbuktu: Das Auswärtige Amt warnt vor Anschlägen Zur Großansicht
AFP

Esel transportieren Steinbrocken in Timbuktu: Das Auswärtige Amt warnt vor Anschlägen

Berlin/Paris - Am Freitag und am Donnerstag waren sechs Europäer in den Städten Timbuktu und Hombori verschleppt worden. Einer von ihnen wurde dabei getötet. Bei ihm handele es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Deutschen, erklärte das Auswärtige Amt (AA) in Berlin. "Die deutsche Botschaft in Mali ist eingeschaltet und hat die konsularische Betreuung des Falls übernommen."

Hinter der Tat stehe eine neue islamistische Terrorgruppe, die von dem ehemaligen malischen Diplomaten und Präsidentenunterhändler Iyad Ag Ghali geführt werde, berichtet die französische Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Sicherheitsexperten aus Niamey.

Nach Angaben des malischen Rundfunks war der Deutsche am Freitag beim Mittagessen in einem Restaurant in der Oasenstadt Timbuktu am Rande der Sahara, als Bewaffnete hereinkamen, um ihn und drei weitere Europäer zu entführen. Bereits am Donnerstag hatten Bewaffnete in Hombori ein Hotel gestürmt und zwei Franzosen verschleppt, die als Geologen für ein malisches Bauunternehmen gearbeitet haben sollen.

Bisher hat sich niemand zu den Entführungen bekannt. In Mali hat die Terrorgruppe Al-Qaida im islamischen Maghreb (AQMI) bereits mehrmals Europäer als Geiseln genommen. Die AQMI agiert in mehreren nordafrikanischen Ländern. Dem Pariser Zeitungsbericht zufolge könnte hinter den jüngsten Entführungen aber Ghalis neue Organisation stehen. Ghali stehe der AQMI nahe und habe bei der Gründung seiner Gruppe von der Rückkehr von Tuareg-Kämpfern aus Libyen profitiert.

"Kein Gebiet mehr kann als sicher bezeichnet werden"

Das Auswärtige Amt warnt, in der gesamten Region seien Anschläge der AQMI, die sich auch gegen westliche und insbesondere französische Interessen richten könnten, zu befürchten. Das Amt warnt ausdrücklich vor Reisen in den Norden und Nordosten Malis, darunter Timbuktu und die Verwaltungsregion Mopti um Hombori. Für touristische Ziele bestünden deutlich erhöhte Anschlags- und Entführungsrisiken.

Das französische Außenministerium erklärte den Nordosten Malis zur "Rote Zone" und rief alle Franzosen auf, das Gebiet so schnell wie möglich zu verlassen. In die anderen Landesteile solle man nur reisen, wenn es gar nicht anders geht. "Angesichts der terroristischen Bedrohung (...) kann von nun an kein Gebiet mehr als sicher bezeichnet werden", hieß es.

Nach der Ermordung des Deutschen sind alle ausländischen Touristen aus der historischen Stadt in Mali ausgeflogen worden. Die rund 20 noch verbliebenen Urlauber wurden bis Samstagabend in einem von der malischen Regierung gecharterten Flugzeug nach Mopti sowie in die Hauptstadt Bamako gebracht.

Timbuktu, "Perle der Wüste" genannt, war einst bei Touristen sehr beliebt, leidet aber stark unter der Unsicherheit in der Region. Mit den Entführungen von Donnerstag und Freitag befinden sich derzeit neun Ausländer in der Sahel-Zone in der Gewalt von Entführern. Bereits seit September 2010 werden vier im Niger gekidnappte Franzosen als Geiseln gehalten.

In ungewöhnlich scharfem Ton reagierte die Regierung in Bamako auf die Entführungen und den Tod des Deutschen. Sie erklärte, der "terroristische Akt" sei ein "Angriff auf die Sicherheit und Stabilität des Landes". Für das arme westafrikanische Land, dessen Wirtschaft stark unter dem Terror von AQMI und Aktivitäten anderer bewaffneter Gruppen leidet, ist das endgültige Ende des Tourismus in Timbuktu ein schwerer Schlag.

jjc/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Mali
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren