Klage gegen britische Regierung: Libysches Folteropfer fordert Ein-Pfund-Entschädigung

Libyer Belhadsch: "Wir haben tiefes Leid erfahren" Zur Großansicht
AP

Libyer Belhadsch: "Wir haben tiefes Leid erfahren"

Der Libyer Abd al-Hakim Belhadsch wurde von britischen und US-Geheimdienstlern gejagt, dann an das Gaddafi-Regime ausgeliefert und gefoltert. Jetzt fordert er Gerechtigkeit. Von der Regierung in London verlangt er eine Entschuldigung und eine Entschädigung - ein symbolisches Pfund.

London - "Meine Frau und ich haben tiefes Leid erfahren", schreibt der Libyer Abd al-Hakim Belhadsch in einer Erklärung, die von der Menschenrechtsgruppe Reprieve veröffentlicht wurde. Als Gegner des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi wurde Belhadsch verschleppt und gefoltert.

Heute ist Belhadsch ein wichtiger Politiker in Libyen, und er fordert eine Entschädigung für das erfahrene Leid - doch seine Forderung ist überraschend gering. Er verlangt von der britischen Regierung, Ex-Außenminister Jack Straw und dem früheren MI6-Direktor für Spionageabwehr, Mark Allen, jeweils symbolisch ein Pfund (umgerechnet etwa 1,15 Euro). Und eine Entschuldigung.

Belhadsch erhebt schwere Vorwürfe: Jahrelang wurde er von amerikanischen und britischen Geheimdienstlern gejagt, weil er Islamist und Chef der "Libyschen Islamischen Kampfgruppe" war, die gegen das Gaddafi-Regime kämpfte. Mitte der neunziger Jahre floh er aus Libyen, 2004 nahmen CIA-Agenten ihn und seine Frau in Thailand fest. Laut Belhadschs Aussagen folterten sie ihn auch. Seine schwangere Frau wurde eigenen Aussagen zufolge in diesen Tagen an einer Gefängniswand angekettet.

Libysche Geheimdienstunterlagen legen nahe, dass der Einsatz in Bangkok unter britischer Führung stand. Die "Times" meldete 2011, dass Belhadsch auch von Mitarbeitern des britischen Geheimdienstes befragt worden sei. Anschließend wurden beide nach Tripolis geflogen - und London sei auch in diese illegale Auslieferung verwickelt gewesen, so Belhadsch.

Vom politischen Häftling zum mächtigen Militärchef

In Libyen erwarteten ihn eine sechsjährige Haftstrafe in dem berüchtigten Abu-Salim-Gefängnis und regelmäßige Folter, etwa Schlafentzug und ständiger Lärm. Nach seiner Freilassung 2010 schloss er sich dem Kampf gegen Gaddafi an und wurde nach dessen Sturz 2011 Militärchef in Tripolis - und somit einer der mächtigsten Männer des Landes. Belhadsch ist heute Chef der islamisch-konservativen Watan-Partei in Libyen, bei der ersten freien Wahl nach der Diktatur im Juli 2012 trat er als deren Spitzenkandidat an.

Mit seiner Klage in Großbritannien brachte er den Geheimdienst MI6 in Bedrängnis - dieser wollte unbedingt verhindern, dass Mitarbeiter vor Gericht aussagen müssten. Belhadsch will nun auf weitere rechtliche Schritte verzichten, wenn er die Entschuldigung und die symbolische Entschädigung erhält.

Offenbar will er auch den von britischen Medien erhobenen Vorwürfen entgegentreten, er und seine Frau wollten sich in dem Verfahren bereichern. Dem "Guardian" zufolge bestätigte ein Sprecher des britischen Außenministeriums, dass man einen Brief von Belhadsch erhalten habe. Einen Kommentar wolle man aber nicht abgeben.

Die Rechtsexpertin der Menschenrechtsgruppe Reprieve, Cori Crider, erklärte, es sei an der Zeit, die Absprachen des früheren Premierministers Tony Blair mit Gaddafi hinter sich zu lassen. Der britische und der amerikanische Geheimdienst hatten in der Vergangenheit in mehreren Fällen mit dem Regime kooperiert - was nach dessen Sturz an die Öffentlichkeit gelangte. Ein detaillierter Report von Human Rights Watch belegte die fragwürdige Zusammenarbeit: Im Gegenzug für Informationen übergaben die CIA und der britische MI6 mehrfach Gegner der Diktatur an Libyen. Folterung der Gefangenen wurde in Kauf genommen.

kgp/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
regensommer 04.03.2013
Demokratische und transparente Staaten, sage ich da nur.
2. Armes Opfer
KnoKo 04.03.2013
Mal schauen, was Wikipedia über diesen armen, unbescholtenen Mann so hergibt: Abd al-Hakim Balhadsch (http://de.wikipedia.org/wiki/Abd_al-Hakim_Balhadsch)
3.
loncaros 04.03.2013
Zitat von KnoKoMal schauen, was Wikipedia über diesen armen, unbescholtenen Mann so hergibt: Abd al-Hakim Balhadsch (http://de.wikipedia.org/wiki/Abd_al-Hakim_Balhadsch)
Möchtest du irgend etwas bestimmtes herausheben? Alles was ich sehe ist, wie er seine Heimat vor fremden Aggressoren verteidigt hat. Dann hat er versucht, Gaddafi zu töten und dann wurde er schon in der rassistisch motivierten Post-911 Welle von der CIA kassiert. Sieht also so aus, als möchtest du uns sagen dass dieser Araber gefälligst vor dem weißen Herren das Haupt zu beugen hat während wir die Rohstoffe seiner Heimat abbauen.
4. ...
KnoKo 04.03.2013
Zitat von loncarosMöchtest du irgend etwas bestimmtes herausheben? Alles was ich sehe ist, wie er seine Heimat vor fremden Aggressoren verteidigt hat. Dann hat er versucht, Gaddafi zu töten und dann wurde er schon in der rassistisch motivierten Post-911 Welle von der CIA kassiert. Sieht also so aus, als möchtest du uns sagen dass dieser Araber gefälligst vor dem weißen Herren das Haupt zu beugen hat während wir die Rohstoffe seiner Heimat abbauen.
Wer des Lesens mächtig ist, dem sollte recht schnell klar sein, das es hier um einen Dschihadisten geht und nicht um irgendeinem armen libyschen Bauern. Im Übrigen sind wir nicht per du. Interessant, was Sie sich so alles zusammen phantasieren.
5. Die Vorgeschichte dieses Mannes beginnt aber nicht erst in Libyen
wachsamer_bürger 04.03.2013
Schon das erste Resultat bei Google führt auf Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Abd_al-Hakim_Balhadsch) Der Herr ist nicht ganz so friedfertig wie er jetzt tut und ist auch nicht nur in Libyen aktiv gewesen. Allerdings ist seine Verhaftung und Verschleppung durch den CIA und MI6, sowie seine Auslieferung an den bösen Diktator Gaddafi sehr bedenklich. Womöglich ist er ja genau das was der CIA damals dachte und man hat gehofft Gaddafi würde ihn für immer verschwinden lassen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Libyen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare