Enthauptungsvideo: CIA-Agent im Irak grausam ermordet?

Von Yassin Musharbash

Erneut ist vor laufender Videokamera offenbar ein Mensch enthauptet worden. Eine bisher unbekannte irakische Gruppe bekannte sich zu dem Mord. Die Täter behaupten, ihr Opfer sei ein CIA-Offizier. Das Video tauchte auf einschlägigen islamistischen Websites auf.

Das Opfer vor der Hinrichtung, während ihm seine Mörder ein Schild umhängen

Das Opfer vor der Hinrichtung, während ihm seine Mörder ein Schild umhängen

Berlin - Erst vor wenigen Tagen hatte ein 22-jähriger US-Amerikaner die Welt mit einem gefälschten Hinrichtungsvideo zum Narren gehalten. Bei dem jetzt aufgetauchten Band spricht vieles dafür, dass es authentisch ist. Eine Verifikation jenseits aller Zweifel ist bei solchen Aufnahmen allerdings naturgemäß unmöglich.

Das Video liegt SPIEGEL ONLINE vor. Mittlerweile ist es auf mehreren einschlägig bekannten islamistischen Internetseiten veröffentlicht worden. Die Überschrift, unter der es verbreitet wird, lautet: "Band von der Abschlachtung eines CIA-Mitgliedes durch die heldenhaften Mudschahidin im Irak."

Das insgesamt knapp über vier Minuten lange Video zeigt, wie dem Opfer - einem weißhäutigen Mann mittleren Alters - zunächst ein Bild um den Hals gehängt wird, auf dem verschwommen ein Mann an einem großen Tisch zu erkennen ist. Die arabische Bildunterschrift lautet: "Dieser Mann ist ein Offizier des amerikanischen Geheimdienstes CIA."

Mutmaßlicher Beweis der Terroristen: Ein Besucherausweis

Mutmaßlicher Beweis der Terroristen: Ein Besucherausweis

Vermutlich um zu beweisen, dass es sich bei dem Mann auf dem Bild und dem Opfer um dieselbe Person handelt, filmen die Täter auch einen Lichtbildausweis ab, auf dem mit großen Buchstaben "Visitor" zu lesen steht. Offenbar soll suggeriert werden, dass die Täter diesen Ausweis bei ihrem Opfer gefunden und auf diese Weise erkannt haben, dass es sich bei ihm um den angeblichen CIA-Mitarbeiter handelt. Für welche Einrichtung der Besucherausweis gilt, ist auf dem Video nicht zu erkennen.

Enthauptung am helllichten Tage

Das Opfer zeigt vor seiner Hinrichtung deutlich erkennbare Spuren totaler Erschöpfung und wahrscheinlich auch von Schlägen. Die Enthauptung findet im Freien und am Tage statt. Vor einer Lehmmauer posiert etwa ein halbes Dutzend vermummter und bewaffneter Männer in arabischer Kleidung. Einer von ihnen trägt einen Granatwerfer, ein anderer ein Maschinengewehr und ein aufgeschlagenes Koranexemplar. Im Hintergrund sind Dattelpalmen zu erkennen, ein möglicher Hinweis darauf, dass das Video im Irak aufgenommen wurde.

"Ein CIA-Mitarbeiter": Auszug aus der Bildunterschrift unter einer angeblichen Aufnahme des Opfers

"Ein CIA-Mitarbeiter": Auszug aus der Bildunterschrift unter einer angeblichen Aufnahme des Opfers

Die Hinrichtung selbst ist an Grausamkeit und Brutalität nur noch mit der ebenfalls auf einem Video dokumentierten Enthauptung des US-Bürgers Nicholas Berg im Mai dieses Jahres vergleichbar. Mit mehreren Hieben eines langen Messers wird der Kopf des auf einem Stuhl sitzenden Opfers abgetrennt und anschließend wie eine Trophäe in die Höhe gehalten. Der Nachrichtenagentur AP zufolge rufen die Täter währenddessen "Allahu Akbar", die arabischen Worte der muslimischen Formel "Gott ist groß".

Bislang schon 80 Geiselnahmen im Irak

Das Video enthält keinerlei Hinweis darauf, welcher Gruppe die Täter zuzuordnen sind. Heute Nachmittag aber tauchte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP im Internet ein kurzes Bekennerschreiben auf. Demzufolge übernahm eine bisher unbekannte Gruppe namens "Die grüne Brigade" die Verantwortung für die Bluttat, die sich selbst offenbar als Splittergruppe der im Irak aktiven Terrorgruppe "Al-Tawhid wa al-Dschihad" bezeichnet.

"Al-Tawhid wa al-Dschihad" wird geführt von dem Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi, der als Statthalter des Qaida-Gründers Osama Bin Laden im Irak gilt. Der US-Bürger Nicholas Berg sowie ein koreanisches und mindestens ein bulgarisches Opfer waren in den vergangenen Monaten von dieser Gruppe brutal ermordet worden. Auf der semioffiziellen Internetseite der Sarkawi-Gruppe, wo bis heute die anderen Hinrichtungsvideos und -Bilder zu finden sind, ist dieses neue Video bis jetzt noch nicht abgelegt worden.

Das Opfer vor der Hinrichtung: Bekennerschreiben aufgetaucht

Das Opfer vor der Hinrichtung: Bekennerschreiben aufgetaucht

Ein namentlich nicht genannter US-Beamter teilte der Nachrichtenagentur AP derweil mit, dass die CIA keinen ihrer Mitarbeiter vermisse. US-Beamte arbeiteten daran, die Authentizität des Bandes zu klären, hieß es weiter. Mindestens drei US-Bürger - Keith Maupin, William Bradley und Timothy Bell - werden im Irak derzeit vermisst. Keiner dieser Männer wurde nach dem 9. April gesehen. Ein arabischer Fernsehsender berichtete allerdings vor einigen Wochen, Maupin sei am 29. Juni getötet worden. Das US-Militär, wo Maupin arbeitet, hat das bisher nicht bestätigt.

Insgesamt sind in den vergangenen Monaten mindestens 80 Menschen im Irak gekidnappt worden, einige von ihnen zum Zweck der Lösegelderpressung, andere, um durch die Geiselnahme oder Hinrichtung der Opfer ausländische Staaten zum Abzug ihrer Soldaten aus dem Irak zu zwingen.

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