Enthüllungen Mastercard sperrt Zahlungen an WikiLeaks

WikiLeaks kommt immer schwieriger an Geld: Nach PayPal hat jetzt auch Mastercard Zahlungen an die Plattform gesperrt. In Großbritannien bereiten die Behörden angeblich die Festnahme Julian Assange vor - der will sich nach Angaben seines Anwalts der Polizei stellen.

WikiLeaks-Gründer Assange: Finanzierung immer komplizierter
AFP

WikiLeaks-Gründer Assange: Finanzierung immer komplizierter


San Francisco/London/Bern - Spendengelder an WikiLeaks zu überweisen, wird komplizierter. Jetzt hat das Kreditkartenunternehmen Mastercard Zahlungen an die Enthüllungsplattform WikiLeaks gesperrt. Das berichtete die Nachrichten-Website CNET unter Berufung auf einen Mastercard-Sprecher. Grund für das Vorgehen sei die Regel, wonach Kunden gesperrt würden, die "illegale Handlungen direkt oder indirekt unterstützen oder erleichtern", sagte der Sprecher demnach. Zuvor hatte bereits das Internet-Bezahlsystem PayPal Zahlungen an WikiLeaks gesperrt. Die Plattform, die ihre Sympathisanten in den vergangenen Tagen um Spenden gebeten hat, kann damit nur noch über Visa, Banküberweisungen oder auf dem altmodischen Postweg Geld erhalten.

Auch eine andere Geldquelle ist für WikiLeaks nicht mehr zugänglich: Der Schweizer Finanzdienstleister PostFinance hat am Montag die Schließung des Kontos von WikiLeaks-Gründer Julian Assange bekanntgegeben. Als Grund nannte die Bank falsche Adressangaben. Als seinen Wohnort habe Assange Genf angegeben, was sich bei einer Überprüfung der Daten aber als unwahr herausgestellt habe, hieß es weiter. Assange könne keinen Schweizer Wohnsitz nachweisen. Dies sei jedoch Voraussetzung für eine Kundenbeziehung. Man werde nun versuchen, mit Assange Kontakt aufzunehmen, um zu erfahren, auf welches Konto das Geld überwiesen werden könne, sagte ein PostFinance-Sprecher.

WikiLeaks erklärte daraufhin, es handele sich um ein Konto von Julian Assange mit einem Guthaben in Höhe von 31.000 Euro, darunter auch private Mittel. Das Geld sei für die Verteidigung des WikiLeaks-Gründers und seiner Mitarbeiter bestimmt gewesen. Assange bemühe sich um eine Aufenthaltsgenehmigung für die Schweiz, sei aber derzeit noch ein Flüchtling ohne festen Wohnsitz. Deshalb habe er bei der Bank die Adresse eines Anwalts angegeben.

Für den untergetauchten Assange wird es derweil immer enger: Die britische Polizei erhielt laut einem Bericht der BBC einen überarbeiteten internationalen Haftbefehl aus Schweden, mit dem sie den in Großbritannien vermuteten Australier festnehmen kann. Scotland Yard werde Assange womöglich in den kommenden 24 Stunden festnehmen, falls sein genauer Aufenthaltsort bekannt sein sollte, zitierte der britische Sender BBC nicht näher genannte Quellen. Die britische Press Association berichtet, dass der Polizei der Haftbefehl nun komplett vorliege. Im Falle einer Verhaftung durch britische Behörden würde Assange dem City of Westminster Magistrates' Court vorgeführt, der über seine Auslieferung nach Schweden entscheiden könnte. Ein Polizeisprecher sagte auf Anfrage, man äußere sich in solchen Fällen erst, wenn jemand festgenommen worden sei.

Assange will sich nach Angaben seines Anwalts freiwillig mit der britischen Polizei treffen. "Julian Assange ist wegen nichts angeklagt worden", sagte Mark Stephens am Montag im BBC-Fernsehen. Momentan liefen Vorbereitungen für ein Treffen mit der Polizei, bei dem offene Fragen geklärt werden sollten. Nähere Angaben machte Stephens nicht.

Assange wird wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung von zwei Schwedinnen gesucht. Er weist die Vorwürfe von sich und soll sich Medienberichten zufolge in Südostengland aufhalten. Assange hat die Vorwürfe als Intrige zurückgewiesen. Der 39-jährige Australier hat mit der Veröffentlichung Hunderttausender vertraulicher Diplomatenberichte vor allem die US-Regierung gegen sich aufgebracht.

anr/AFP/AP



Forum - Assange-Verfahren - wie geht es weiter mit WikiLeaks?
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Phoeni, 07.12.2010
1. ...
Interessanter wäre die Frage, wie es mit Assange weitergeht. Wird er nur ausgeliefert an die USA oder wird er einen merkwürdigen Unfall haben? Oder gar Suicid unter mysteriösen Umständen. Man weiß es nicht, aber es werden wohl genug sein, die ihm nach dem Leben trachten, nur weil zu Tage gefördert wurde, was die halbe Welt eh vermutet hat...
roterschwadron 07.12.2010
2.
Zitat von sysopJulian Assange ist im Gewahrsam der britischen Polizei. Der von Schweden wegen Vergewaltigungsverdachts gesuchte WikiLeaks-Gründer hat sich in London den Beamten gestellt. Wie geht es nun weiter führ WikiLeaks?
Alles sehr spannend, und man weiß einfach nicht, wohin das führt. Das kommt eben davon, wenn der geneigte Leser alles nur aus dritter Hand erfährt...
SaT 07.12.2010
3.
Es ist eigentlich absurd, dass eine Macht wie die USA so lange braucht um jemanden wie Assange zu stoppen. Das dieser so lange sein Unwesen treiben konnte lässt darauf schließen, dass er Unterstützung aus einflussreichen Kreisen erhielt – zumindestens so lange bis er seine Schuldigkeit geleistet hatte: die Veröffentlichungen jener Diplomatenberichte, welche die tief liegenden Rivalitäten zwischen Perser und Araber erneut anheizen. P.S. Die Geschichte mit den zwei Damen hat schon einen langen Bart. Könnte man sich nicht etwas besseres einfallen lassen um jemanden zu kompromittieren?
RUPAW, 07.12.2010
4. Die Zukunft von WIKILEAKS hat mit Assanges Schicksal nichts zu tun
Der Geist ist aus der Flasche. Wikileaks - und bald schon aehnliche Plattformen - werden den Maechtigen auf die Finger schauen, und das ist sehr sehr gut so. Noch versuchen diese mit Assanges Verhaftung potentiellen Nachahmern Angst einzufloessen. Die Anschuldigungen wegen Vergewaltigung sind unter diesen Umstaenden wirklich nicht ernst zu nehmen. Das kann kein Zufall sein. Assange wird zum Maertyrer. Der Sturm ueber seine Verhaftung wird sich noch lange nicht legen, und die Hacker-Community nur ermuntern. Ich bin auf Seite der Wikileak Leute. Keine demokratisch gewaehlte Regierung der Welt sollte fuerchten, dass DAS VOLK die Wahrheit ueber ihre Handlungen erfaehrt.
Borun 07.12.2010
5.
Auf die kommende Verfilmung bin ich sehr gespannt. Dort wird man bestimmt einen besseren Grund finden^^
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