Entscheidung bei den Republikanern McCain macht Präsidentschaftskandidatur klar

Das Rennen bei den Republikanern ist endgültig entschieden: John McCain wird Kandidat für die US-Präsidentschaftswahlen im November. Deutliche Siege bei den Vorwahlen in Texas und Ohio brachten ihm die nötige Mehrheit bei den Delegiertenstimmen. Konkurrent Huckabee gibt auf.


Washington - Klarer Sieg bei den Republikanern: In Vermont, Rhode Island, Texas und Ohio siegte laut CNN der Favorit, John McCain. Der Senator aus Arizona hat nun die nötige Anzahl an Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag Anfang September in Minneapolis erreicht.

"Jetzt beginnt das wichtigste Rennen", sagte McCain nach seinem Sieg. Er wurde in Dallas, Texas, von einer jubelnden Menge empfangen. "Danke Texas, Ohio, Vermont und Rhode Island", rief er seinen Unterstützern zu. Er habe nun genug Delegiertenstimmen gesammelt, um das Rennen um den Einzug ins Weiße Haus antreten zu können. "Wir werden jede Minute dafür kämpfen, dass Amerika eine Regierung bekommt, die fähig, weise, mutig und anständig ist - wie die Menschen, denen sie dient", sagte der 71-Jährige.

Der Vietnam-Kriegsveteran legte auch die Grundzüge seiner Politik dar. "Ich werde die Entscheidung verteidigen, dass Saddam Husseins Regime vernichtet wurde", sagte McCain. Auch kündigte er an, von Verbündeten künftig mehr Engagement im Afghanistan-Krieg einzufordern. Der Senator wandte sich gegen Handelsschranken und versprach billigere Krankenversicherungen. Zudem will er die Abhängigkeit der USA von ausländischem Öl verringern, indem alternative Energiequellen stärker entwickelt und genutzt werden.

Der einzige noch verbliebene Konkurrent, Mike Huckabee, zog sich noch am Abend aus dem Rennen zurück. In einer Ansprache in Irving im US-Bundesstaat Texas dankte der einstige Baptistenprediger seinen Anhängern für die Unterstützung.

"Wir hätten es gerne gewonnen, aber wir waren bis zum Ende dabei", sagte er und rief seine Parteifreunde zur Geschlossenheit auf. "Es ist jetzt wichtig, dass wir uns keine Gedanken mehr darüber machen, was hätte sein können, sondern über das, was nun entstehen muss: eine geeinte Partei." Seinem bisherigen Rivalen McCain gratulierte er und bot ihm seine Hilfe im weiteren Wahlkampf an.

McCain wird sich heute mit US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus treffen - zum Mittagessen und, davon gehen Beobachter aus, um sich dessen Segen für den Wahlkampf zu holen. Bush, der nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal zur Wahl antreten darf, wird McCain dann vermutlich seine offizielle Unterstützung zusichern.

Bei den Abstimmungen der Republikaner war John McCain ohnehin der unangefochtene Favorit. Nun hat er Berechnungen des US-Nachrichtensenders CNN zufolge mehr als die 1191 Delegiertenstimmen zusammenbekommen, die bei den Republikanern notwendig sind, um sich die Nominierung zu sichern. Er hatte schon vor den heutigen Wahlen 1014 Delegierte hinter sich gebracht, Huckabee war mit 257 Delegierten weit abgeschlagen.

Vor einem Monat hatte der Senator beim Super Tuesday seinen größten Rivalen, den ehemaligen Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, klar hinter sich gelassen. Romney schied daraufhin aus dem Rennen aus. McCain hatte sich bereits im Jahr 2000 um die Präsidentschaftskandidatur beworben, aber gegen den späteren Präsidenten George W. Bush verloren.

Noch vor wenigen Monaten erst hatten Experten dem Wahlkampf McCains praktisch keine Chancen mehr eingeräumt. Zeitweise war sein Wahlkampf von schweren Geldnöten gekennzeichnet. Vielen Konservativen gelten unter anderem seine Ansichten zur illegalen Einwanderung als zu liberal. Für Aufsehen hatte auch seine strikte Ablehnung jeder Art von Folter gesorgt. In vietnamesischer Gefangenschaft war McCain selbst gefoltert worden.

ffr/dpa/AP/AFP/Reuters



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