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Entscheidung in den USA: Obama und McCain kämpfen bis zur letzten Minute

Der lange Wahlkampf ist zu Ende, jetzt entscheiden die US-Bürger: In zwei kleinen Dörfern haben die Präsidentschaftswahlen bereits begonnen. Barack Obama und John McCain warben bis zuletzt um Wählerstimmen. Sogar am Wahltag hat der in Umfragen zurückliegende Republikaner noch Termine angesetzt.

Washington - Startschuss in New Hampshire: Mit der Öffnung der Wahllokale in zwei kleinen Dörfern in dem Bundesstaat haben am Dienstag um Mitternacht (6 Uhr MEZ) die Präsidentenwahlen in den USA begonnen. Traditionell gehen die Wahlberechtigten in den Ortschaften Dixville Notch und Hart's Location bereits in den ersten Minuten des Wahltages an die Urnen. Bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen 2000 und 2004 hatte der Republikaner George W. Bush in den Dörfern seine demokratischen Rivalen geschlagen.

Doch diesmal war es in beiden Orten anders: 15 Wähler stimmten in Dixville Notch für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama, 47. Auf seinen 72-jährigen Rivalen John McCain entfielen nur sechs Stimmen. Auch in Hart's Location gewann Obama: 17 Wähler stimmten für ihn, zehn für McCain.

Obama (in Virginia): Wird er der erste schwarze Präsident der USA?
REUTERS

Obama (in Virginia): Wird er der erste schwarze Präsident der USA?

Schon 29 Millionen US-Bürger haben ihre Stimme abgegeben. Sie nutzten die Möglichkeit in 30 der 50 US-Staaten, schon vor Öffnung der Wahllokale am Dienstag zu wählen. Die hohe Beteiligung wurde als Vorteil für Obama betrachtet. Insgesamt wahlberechtigt sind am Dienstag 213 Millionen US-Bürger.

Es könnte eine historische Wahl werden, wenn Obama gewinnt - denn er wäre der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten. Nach einer letzten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup für die Zeitung "USA Today" wollen 53 Prozent der Befragten Obama als neuen Präsidenten, 42 Prozent sind für McCain. In anderen Umfragen betrug der Vorsprung für Obama lediglich sieben bis acht Prozentpunkte. Nach jüngsten Umfragen der Universität Quinnipiac führt Obama in den beiden als möglicherweise entscheidend betrachteten Staaten Ohio und Pennsylvania, während sich in Florida ein Kopf-an-Kopf-Rennen abzeichnet.

Gewählt werden am Dienstag 538 Wahlmänner in den 50 einzelnen Staaten sowie im Hauptstadtbezirk Washington D.C. Derjenige Kandidat, der in einem Staat die meisten Stimmen bekommt, erhält alle Wahlmännerstimmen dieses Staates. Sobald ein Kandidat mindestens 270 Wahlmännerstimmen gesammelt hat, ist die Wahl entschieden.

Mit dem Votum ging auch der teuerste Wahlkampf der Geschichte zu Ende.

Auch wenige Stunden vor Öffnung der Wahllokale in den USA kämpften Obama und McCain noch um jede Stimme. Dabei beschränkte sich Obama auf Kundgebungen in drei US-Staaten, in denen vor vier Jahren die Republikaner gewannen. McCain eilte am letzten Tag des Wahlkampfs durch sieben bis zuletzt besonders umkämpfte Staaten.

"Ich bin ein Amerikaner, und ich habe mich entschieden zu kämpfen", rief McCain am Montag auf Kundgebungen in Florida, Pennsylvania, Indiana und Virginia aus. Der 72-Jährige wurde anschließend auch noch in New Mexico, Nevada und Arizona erwartet.

Am Montag war McCain damit insgesamt 18 Stunden unterwegs. Sein Wahlkampfmanager Rick Davis sagte, in den Staaten im Westen der USA gebe es hoffnungsvolle Trends auf einen Umschwung in den Umfragen. Deswegen setzte McCain sogar am Wahltag noch Auftritte in New Mexico und Colorado an.

Obama tourte am Montag in Florida, North Carolina und Virginia - lauter Staaten, die auf der politischen Landkarte der USA bisher in der roten Farbe der Republikaner markiert sind, in denen am Dienstag aber eine Mehrheit für den demokratischen Kandidaten möglich ist. Vor mehreren zehntausend Menschen in Charlotte, North Carolina, gedachte Obama am Montag seiner tags zuvor verstorbenen Großmutter.

"Sie ist heimgegangen", sagte er und versetzte die Menge mit einer emotionalen Ansprache in eine ungewohnte Stille. Seine Großmutter habe zu den zahllosen stillen Helden Amerikas gehört, die sich aufopferungsvoll für ihre Kinder und Enkel einsetzten, sagte Obama und fügte hinzu: "In nur einem Tag haben wir die Gelegenheit, all diese stillen Helden zu ehren. Wir können den Wechsel für Amerika bringen um sicherzustellen, dass ihre Arbeit und ihr Opfer Anerkennung finden."

Obamas Großmutter Madelyn Payne Dunham starb im Alter von 86 Jahren auf Hawaii. Der Senator hatte im Oktober seinen Wahlkampf unterbrochen, um an das Krankenbett seiner an Krebs leidenden Großmutter zu eilen. Jetzt teilte die Familie mit, dass nach Abschluss des Wahlkampfs eine private Trauerfeier geplant sei.

McCain kondolierte dem politischen Gegner. Zusammen mit seiner Frau Cindy veröffentlichte er eine Erklärung mit den Worten: "Unsere Gedanken und Gebete gehen hinaus zu ihnen." Obama dankte McCain für sein Mitgefühl.

Neben der Präsidentschaftswahl standen am Dienstag auch Kongress- und Gouverneurswahlen sowie mehrere Volksabstimmungen an. Neu zu wählen sind alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses. Die Demokraten hoffen auf eine Ausweitung ihrer Mehrheit von bislang 235 zu 199 Mandaten bei einem vakanten Sitz. Außerdem war der Senat zu einem Drittel neu zu wählen. Von den 35 zur Wahl stehenden Senatssitzen wurden bislang 23 von den Republikanern und zwölf von den Demokraten gehalten. Insgesamt gibt es im Senat bisher 49 Republikaner, 49 Demokraten und zwei Unabhängige. Von den 50 Gouverneuren der Einzelstaaten sind elf neu zu wählen. Das Augenmerk richtete sich dabei besonders auf drei Staaten mit knappen Mehrheitsverhältnissen: Indiana, North Carolina und Washington.

als/AP/dpa

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