Enttäuschung für Afro-Amerikaner Senat ohne Schwarze

Es ist ein Rückschlag für die Afro-Amerikaner in den USA. Nach der US-Kongresswahl wird es keinen schwarzen Senator mehr geben. Alle drei Kandidaten sind gescheitert.

US-Senatoren vor Kongress-Sitzung (Archivbild von 2007): Kein einziger schwarzes Mitglied
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US-Senatoren vor Kongress-Sitzung (Archivbild von 2007): Kein einziger schwarzes Mitglied

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Berlin - Hiram Revels hatte sich seinen Weg in den Senat buchstäblich erkämpft. Der Mann aus Fayetteville in North Carolina stellte im amerikanischen Bürgerkrieg zwei rein afroamerikanische Regimenter auf - und war unter anderem bei der blutigen Schlacht 1864 in Vicksburg dabei. Der Prediger und gelernte Frisör half beim Sieg gegen die konföderierten Sklavenhalter-Staaten des Südens. 1870 zog er schließlich als erster Schwarzer in den US-Senat ein.

Dass 140 Jahre später kein einziger Schwarzer mehr unter den 100 Senatoren vertreten sein würde - das hätte sich Hiram Revels wohl nicht vorstellen können. Doch das ist der Stand nach den Kongresswahlen 2010.

Drei schwarze Senatorenkandidaten sind angetreten - und allesamt gescheitert. Der Demokrat Kendrick Meek unterlag in Florida, seine Parteifreunde Alvin Greene in South Carolina und Mike Thurmond in Georgia. Roland W. Burris, seit 2008 einziger Afro-Amerikaner im Senat, war außerdem nicht mehr angetreten. Er hatte Barack Obamas Sitz für den Bundesstaat Illinois übernommen, als dieser zum US-Präsidenten gewählt wurde.

Rund zwölf Prozent der US-Bevölkerung sind Schwarze - nun sind sie zu null Prozent im Senat vertreten. "Es sollte unsere Nation dazu bringen, über die Dysfunktionalität einer Demokratie nachzudenken", schreibt Jura-Professorin Terry Smith vom DePaul-College in einem Beitrag für die "Huffington Post". Die Folge sei, dass nun kein einziger Afro-Amerikaner mehr in jener Institution sitze, "die viele als mächtigstes Entscheidungsgremium der Welt ansehen".

Tatsächlich hatten es Schwarze im Senat bisher schwerer als zum Beispiel Frauen. 17 Frauen saßen bisher in der Kongresskammer, mit Hiram Revels dagegen nur sechs Afro-Amerikaner. Und nur einer von ihnen, Edward Brooke aus Massachusetts, kam auf zwei volle Amtszeiten, von 1967 bis 1979.

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Die Wahl in Bildern: Der Triumph der Republikaner
Gerade in manchen südlichen Bundesstaaten gibt es nach wie vor Vorbehalte gegenüber schwarzen Kandidaten. Der große Einfluss der reaktionären Tea Party-Bewegung bei der Kongresswahlkönnte diese Stimmung noch verstärkt haben. Die Republikaner haben ohnehin keinen Afroamerikaner für den Senat nominiert.

Der finanzielle Aufwand für eine Senatskandidatur ist immens - was für Afro-Amerikaner immer noch eine große Hürde sei, sagt die Politologin Carol Swain von der Vanderbilt University. Zunächst muss der Bewerber die Kampagne zur Nominierung seiner Partei schultern, dann den eigentlichen Wahlkampf. In Illinois zum Beispiel scheiterten zwei schwarze Bewerber bei den republikanischen und demokratischen Vorwahlen auch deshalb, weil ihre Kampagnen hoffnungslos unterfinanziert waren. Zwei weiße Politiker siegten, und das in dem Bundesstaat, der einst Barack Obama in den Senat wählte.

Schwarze stellen in keinem Bundessstaat die Mehrheit der Wähler, was die Verhältnisse bei Senatswahlen für sie erschwert - anders als in manchen Repräsentantenhaus-Wahlkreisen großer Städte wie New York oder Chicago. In den vergangenen Jahren ist die Zahl afro-amerikanischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus gestiegen. Vor der Wahl waren es 41. Für die neue Zusammensetzung gibt es noch keine Zahlen, fest steht aber, dass diesmal selbst bei den Republikanern Afro-Amerikaner in die Kongresskammer gewählt wurden, erstmals seit 2003: Allen West in Florida und Tim Scott in South Carolina.

Fest steht außerdem: Im Senat haben es andere Minderheiten leichter. Künftig wird es mindestens zwei Senatoren mit lateinamerikanischen Wurzeln geben - den Demokraten Robert Menendez aus New Jersey, der sich diesmal nicht der Abstimmung stellen musste, und für die Republikaner der Tea-Party-Mann Marco Rubio aus Florida. Außerdem wurde Daniel Inouye aus Hawaii wiedergewählt, ein Amerikaner japanischer Abstammung. Ebenfalls von der Inselgruppe im Pazifik kommt der Ur-Hawaiianer Daniel Akaka, der diesmal nicht zur Wahl stand.



insgesamt 3140 Beiträge
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Emil Peisker 02.11.2010
1. als Wichtigstes die HCR auf den Weg gebracht
Zitat von sysopDie Midterm Elections bescherten Demokraten von US-Präsident Barack Obama eine derbe Niederlage. Hat der Hoffnungsträger seine Wähler enttäuscht?
Seine Wähler, die erwartet haben, dass er trotz der massiven Kampagne gegen seine Pläne, diese wird voll umsetzen können, werden tatsächlich enttäuscht sein. Seine klugen Wähler allerdings, die werden erkennen, dass er trotz der massiven GOP- und Teabagger-Kampagne gegen ihn und seine Politik, eine Menge erreicht hat und als Wichtigstes die HCR auf den Weg gebracht hat. Und ich glaube nicht, dass nach 2012, sollte er die Wiederwahl verlieren, die HCR zurückgenommen wird. Das wird sich kein republikanischer Präsident trauen.
Friise 02.11.2010
2. Obama ist kein Erlöser
Obama hatte von vornherein keine Chance. Seinen Anhänger ist er nicht radikal genug, für seine Gegner ist er eine Mischung aus Hitler und Stalin. Und in der Tat ist es natürlich Kommunismus, wenn die Lobbyisten der Wirtschaft nicht als Minister am Kabinettstisch sitzen, wie das bei George W. der Fall war. Nun wir man möglicherweise die Knalltüte Sarah Pailin in zwei Jahren zur Präsidentin wählen und dann wird die Wirtschaft wieder die Regierung übernehmen. Das ist allerdings kein Musterbeispiel für Demokratie, sondern eher dessen Karikatur. Den Scherbenhaufen, den Bush hinterlassen hat wird man auch in 20 Jahren noch nicht weggeräumt haben. Zudem ist mit China eine neue Weltmacht auf den Plan getreten, die der Welt ihre Regeln diktieren wird. Wir gehen unruhigen Zeiten entgegen.
ray4901 02.11.2010
3. sowohl als auch
Zitat von sysopDie Midterm Elections bescherten Demokraten von US-Präsident Barack Obama eine derbe Niederlage. Hat der Hoffnungsträger seine Wähler enttäuscht?
Wahrscheinlich schon auch, aber die Gegner haben sich hinter Soccer Mums, Waffennarren, Libertarians, Gottesfürchtigen und Wallstreet Bankern, mit lautem Teetassengeklimper und FOX deutlich besser organisiert als 2008. Da ist eigentlich (drüben) alles klar. Nur hier bei uns bin ich auf die Beiträge der echten Linken und Moralisten gespannt. Eine Ahnung habe ich auch da. ;-)
rosomak, 02.11.2010
4. Kann mir das mal einer erklären?
Schon lustig wie der Spiegel von Obama einfach nicht lassen kann. Alte liebe rostet nicht?
Klaschfr 02.11.2010
5. Gut gemeint
Obama wird Opfer seiner eigenen Fehler. Der Urfehler war es, nach der Amtsübbernahme nicht sofort den Saustall auszumisten, den sein Vergänger hinterlassen hatte und diesen wie seine Mittäter (die Viererbande!) vor Gericht zu stellen. Das hätte seiner neuen Politik einen entscheidenden Impuls gegeben und klargestellt, daß auch ein verbrecherischer Präsident der USA nicht ungestraft Völker- und Menschenrecht verletzen kann. Und als Friedensnobelpreisträger mit Vorschuss hätte er die Beendigung der für das Ansehen der USA katastrophalen Kriege stärker vorantreiben müssen. Guantánamo ist noch immer da, es wird im Irak und inn Afghanistan weiter gefoltert und gemordet! Wann will er denn anfangen, eine neue Politik zu machen? Im eigenen Land hat er Aufgaben für drei Präsidenten auf einmal! So wird er ein Opfer seiner eigenen Zurückhaltung und der Besorgnis erregenden Verdummung des US-Bürgers.
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