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Entwicklungshilfe: Wie der Westen Afrika im Stich lässt

Rund 50 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe bis zum Jahr 2010 hatten die Industrienationen den afrikanischen Staaten beim letzten G-8-Gipfel versprochen. Die Wirklichkeit sieht zwei Jahre danach jedoch ganz anders aus: Bislang kam gerade einmal ein Zehntel des Geldes zusammen.

Berlin - Fast zwei Jahre nach dem letzten Gipfeltreffen der G-8-Staaten im schottischen Gleneagles ist von der vereinbarten deutlichen Ausweitung der Afrika-Hilfe der stärksten Industrienationen noch wenig zu sehen. Neben einem Schuldenerlass von 40 Milliarden Dollar für die ärmsten Länder der Welt sieht der seinerzeit beschlossene umfassende Aktionsplan für Afrika eine Verdopplung der Entwicklungshilfe auf 50 Milliarden US-Dollar bis 2010 vor.

Hungersnot in Angola (im Jahr 2002): Lässt der Westen Afrika im Stich?
AP

Hungersnot in Angola (im Jahr 2002): Lässt der Westen Afrika im Stich?

Doch bis heute hat der Westen gerade einmal zehn Prozent dieser Summe freigegeben, wie das gestern gegründete Africa Progress Panel (APP) mitteilte, das die Einhaltung der G-8-Verpflichtungen gegenüber Afrika kontrollieren soll. "Wenn die Bemühungen, die Hilfe bis 2010 zu verdoppeln, nicht bald verstärkt werden, wird es zu spät sein", warnte der Vorsitzende des APP, der ehemalige Uno-Generalsekretär Kofi Annan, als er die Ergebnisse der Initiative in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem britischen Premierminister Tony Blair präsentierte.

Seit dem Treffen in Gleneagles habe das Engagement, die Unterstützung für den afrikanischen Kontinent zu verstärken, stetig nachgelassen, beklagte Annan. "2005 lief es gut, 2006 rutschten wir ab, und wenn wir nicht von nun an jedes Jahr fünf Milliarden Dollar zur Verfügung stellen, werden wir unser Ziel nicht erreichen", fügte Annan hinzu.

Der Musiker Bob Geldof, der dem APP ebenfalls angehört, warnte davor, dass die "ökonomische Gerechtigkeit", die die Industrienationen in Gleneagles versprochen hätten, zusammenzubrechen drohe. Dies laufe auf eine "groteske Aufkündigung von Verantwortung" hinaus. "Ökonomische Gerechtigkeit ist das heiligste Versprechen, das man machen kann, denn wenn man es bricht, tötet man Menschen", mahnte Geldof.

Merkel und Blair versicherten nach ihrem Treffen mit Annan, die vereinbarte Ausweitung der Afrika-Hilfe umsetzen zu wollen. Die deutsche G-8-Präsidentschaft werde in diesem Jahr "den Impuls von Gleneagles aufnehmen", sagte Merkel gestern. Beim G-8-Gipfel in Heiligendamm im Juni soll Afrika wieder zu den Schwerpunktthemen zählen.

Merkel sagte, die wesentlichen Ziele für die Afrika-Hilfe seien festgelegt. "Wir müssen jetzt also keine weiteren Konferenzen machen, um Ziele zu definieren." Es gehe nun stattdessen darum Sorge zu tragen, dass die Vereinbarungen erfüllt würden. Blair betonte, dass es seit dem Gipfel in Gleneagles Fortschritte beim Ausbau der Entwicklungshilfe gegeben habe. "Es gibt aber viel mehr, was noch getan werden muss", räumte er ein.

Merkel nahm aber auch die afrikanischen Adressaten der Hilfe in die Pflicht. Die Geberländer sollten deutlich machen, dass nur diejenigen Länder unterstützt werden, die ihre Pflichten zu Hause erfüllen, sagte Merkel. Eine Vorgabe der G-8-Staaten ist etwa die "gute Regierungsführung". Merkel betonte, es müssten gewisse Standards eingehalten werden. Die G-8-Staaten würden sich genau anschauen, wo die Hilfe konzentriert werde und Partner aussuchen, wo die Hilfe auch bei den Menschen ankomme.

phw/ddp/AP

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