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Erdgipfel in Johannesburg: Zum Abschluss ein Papier voller fauler Kompromisse

Als Erfolg bezeichnete Uno-Generalsekretär Kofi Annan den Uno-Gipfel in Johannesburg. Doch dem Aktionsplan, den die 190 Teilnehmerstaaten zum Abschluss billigten, fehlt auf Grund zahlreicher Kompromisse der Biss. Kritiker sprechen von einem "Gipfel der nachhaltigen Enttäuschung".

"Ein beschämender Gipfel": Das war das Urteil etlicher Teilnehmer und Beobachter
AFP

"Ein beschämender Gipfel": Das war das Urteil etlicher Teilnehmer und Beobachter

Johannesburg - Im Ringen um das rund 70 Seiten starken Aktionsplans zum Umweltschutz und zur Bekämpfung der Armut mussten sich viele der Delegierten in Südafrika in zehntägigen Beratungen oft von strikten Zielvorgaben trennen. So konnte sich die EU etwa in der Forderung nach konkreten Zielen beim Ausbau erneuerbarer Energien nicht durchsetzen. Umwelt- und Entwicklungsorganisationen sprachen von Rückschritten und einer verpassten Chance.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete die Konferenz trotzdem als Erfolg. "Nachhaltige Entwicklung ist wieder kraftvoll zurück auf der Tagesordnung", sagte er. Die Teilnehmer hätten erkannt, wie wichtig es sei, das empfindliche Gleichgewicht zwischen Entwicklung und Umwelt zu erhalten. Konferenzen wie der Gipfel von Johannesburg könnten keine Wunder vollbringen, doch hätten sich Regierungen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen auf "eine beeindruckende Bandbreite konkreter Verpflichtungen" geeinigt.

Mehrere Umweltschutz- und Bürgerrechtsgruppen verließen aus Protest den Gipfel. Sie warfen den Delegierten vor, ihre Ziele nicht erreicht und nur symbolische Übereinkunft bei Randaspekten erzielt zu haben. "Die Welt wird im Stich gelassen", sagte ein Sprecher der australischen Grünen. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete den Gipfel als Enttäuschung. Anstatt eine historische Chance zu nutzen, hätten die Delegierten die Umweltinteressen verraten, sagte die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt am Mittwoch in Berlin. Sie sprach von einem "Gipfel der nachhaltigen Enttäuschung".

Bundeskanzler Gerhard Schröder und Umweltminister Jürgen Trittin bezeichneten die Kritik an der Johannesburger Konferenz als nicht berechtigt. Trittin sagte, es sei gelungen, in bestimmten Bereichen neue Ziele zu vereinbaren. Er verwies dazu auf die Vereinbarungen, mit denen der Verringerung der Artenvielfalt und der Vernichtung der Fischbestände Einhalt geboten werden solle. Auch sei es gelungen, die Frage des Einsatzes erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern auf die Tagesordnung zu setzen. Daran solle ein internationaler Kongress in Bonn anknüpfen. Schröder räumte ein, dass in Johannesburg "bei einigen Themen nicht die Erfolge eingetreten sind, die wir uns erhofft" hätten.

Die Europäische Union sprach sich unterdessen für ein "Jahrzehnt des Handelns" aus. Der Weltgipfel habe seine Mission erfüllt; nun sei es an der Zeit für eine Umsetzung der Ziele, sagte der dänische Ministerpräsident und derzeitige EU-Ratspräsident Anders Fogh Rasmussen.

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