Türkei Schüler wegen Präsidentenbeleidigung verurteilt

Ein 17-Jähriger wurde in der Türkei zu elf Monaten Haft verurteilt - auf Bewährung. Sein Vergehen: Er hatte Staatspräsident Erdogan Korruption vorgeworfen.

Recep Tayyip Erdogan: Bloß keine Kritik äußern!
REUTERS

Recep Tayyip Erdogan: Bloß keine Kritik äußern!


Die türkische Justiz geht weiter scharf gegen Kritiker von Staatschef Recep Tayyip Erdogan vor. Ein Gericht in Konya hat am Freitag einen Schüler wegen "Beleidigung des Präsidenten" zu elf Monaten Gefängnis verurteilt.

Die Strafe wurde wegen des guten Betragens des Angeklagten während des Prozesses für die Dauer von drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt, meldete die Nachrichtenagentur Dogan.

Im Dezember 2014 hatte der damals 16-jährige Mehmet E.A. im zentralanatolischen Konya während einer öffentlichen Veranstaltung eine Rede gehalten. In dieser warf er Erdogan und dessen islamisch-konservativer Partei AKP Korruption vor. Er wurde aus dem Schulunterricht heraus festgenommen und war zwei Tage lang inhaftiert.

Nach der Urteilsverkündung sagte der Schüler, er werde im Geiste des Gründers der türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, weiter politisch aktiv sein. Der Fall entfachte eine landesweite Diskussion über die Einschränkung der Rede- und Meinungsfreiheit unter Erdogan.

Erst im März wurde der Student Aykutalp Avsar zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er den Präsidenten einen "Diktator" genannt hat. Mehrmals wurden auch Menschen festgenommen, die Erdogan via Twitter beleidigt haben sollen.

wbr/AFP



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