Grubenunglück von Soma Erdogan feuert Berater nach Skandaltritt

Erst war er nur krankgeschrieben - jetzt ist Yusuf Yerkel seinen Job los. Der Berater des türkischen Premiers hatte nach dem Grubenunglück von Soma einen Demonstranten getreten. Erdogan soll ihm die Kündigung persönlich überbracht haben.


Ankara - Das Foto war vor etwas mehr als einer Woche um die Welt gegangen: Ein Demonstrant im türkischen Soma liegt am Boden, versucht seinen Körper mit seinen Armen zu schützen. Zwei Polizisten in militärischer Uniform sind über ihn gebeugt. Ein Anzugträger holt aus, um auf den liegenden Mann einzutreten. Der Mann, der da ausholt, ist Yusuf Yerkel, Berater von Premier Recep Tayyip Erdogan. Seit drei Tagen ist er seinen Job los.

Wie erst heute bekannt wird, wurde Yerkel bereits am 21. Mai seines Postens enthoben. Dies berichten die Nachrichtenagentur Reuters und türkische Medien übereinstimmend. Bereits Mitte der Woche war bekannt geworden, dass der Berater bereits kurz nach dem Vorfall in Soma krankgeschrieben war. Offenbar hatte er sich am rechten Bein verletzt - jenem Bein, mit dem er auf den Demontranten eingetreten hatte.

Eine offizielle Begründung für die Personalentscheidung gibt es noch nicht. Es liegt jedoch nahe, dass sie mit dem erheblichen Medienecho nach der Veröffentlichung der Bilder aus Soma zusammenhängen. Angeblich feuerte Erdogan seinen engen Mitarbeiter persönlich.

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Yerkel: Die Tritte des Beraters
Laut Augenzeugenberichten soll der Regierungsberater drei- oder viermal auf den am Boden liegenden Mann eingetreten haben. Er hatte angegeben, dass er bei dem Besuch in dem Ort des Minenunglücks "provoziert, beleidigt und attackiert" worden sei. Yerkel sagte, es tue ihm leid, dass er nicht die Ruhe bewahrt habe.

Das Bild von Yerkels Tritt hatte sich schnell in den sozialen Netzwerken verbreitet und war zu einem Symbol für den Umgang der Regierung Erdogan mit dem Unglück von Soma geworden, der von vielen als arrogant wahrgenommen wurde.

Erdogan selbst wird in diesen Stunden in Köln erwartet, wo er eine Rede vor Anhängern halten will. Der Besuch hatte im Vorfeld für massive Kritik gesorgt, auch von deutschen Politikern. Neben 30.000 Anhängern des Premiers werden ebenso viele Gegendemonstranten erwartet. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort, um Zusammenstöße zwischen beiden Lagern zu verhindern.

jok/Reuters



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insgesamt 70 Beiträge
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Thorkh@n 24.05.2014
1. Vorsicht!
Der Erdogan frisst seine politischen Kinder! Aber gut, dass dieser Yerkel weg ist. Eigentlich gehört der Yerkel wohl eher in den Kerkel, aber das werden wir wohl nicht erleben. Und mal schauen, ob Erdogan ungerupft aus Köln wieder heraus kommt. Ich glaub' das noch nicht.
herbert_schwakowiak 24.05.2014
2.
Zitat von sysopDPAErst war er nur krankgeschrieben - jetzt ist Yusuf Yerkel seinen Job los. Der Berater des türkischen Premiers hatte nach dem Grubenunglück von Soma einen Demonstranten getreten. Erdogan soll ihm die Kündigung persönlich überbracht haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/erdogan-feuert-berater-yusuf-yerkel-nach-skandaltritt-a-971432.html
Haben seine PR Berater Erdogan also doch noch überzeugen können ...
TC Matic 24.05.2014
3.
---Zitat von sysop;15753728Erdogan soll ihm die Kündigung persönlich überbracht haben. [url--- http://www.spiegel.de/politik/ausland/erdogan-feuert-berater-yusuf-yerkel-nach-skandaltritt-a-971432.html[/url] ---Zitatende--- Versuchte Schadensbegrenzung vor seinem Auftritt in Köln?
Toll-s-toy 24.05.2014
4. Erdogan, der Unschuldige!
Zitat von sysopDPAErst war er nur krankgeschrieben - jetzt ist Yusuf Yerkel seinen Job los. Der Berater des türkischen Premiers hatte nach dem Grubenunglück von Soma einen Demonstranten getreten. Erdogan soll ihm die Kündigung persönlich überbracht haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/erdogan-feuert-berater-yusuf-yerkel-nach-skandaltritt-a-971432.html
Rührend! So elegant wäscht man sich die Hände. Das Verhalten ist uns -so genannten Christen- längst bekannt.
seneca55 24.05.2014
5. Wie der Herr so's Gescherr?
Vielleicht war Erdogan dieser Berater zu zimperlich oder wehleidig, dass er ihm nach 10 Tagen Soma-Tragödie gefeuert hat. Wir als Kölner können nur hoffen, dass die Strassen von Köln heute Abend nicht so aussehen wie die in Soma! Kölle Inschallaaaaf !
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