Streit über Kampfjet-Abschuss Erdogan verlangt Assads Sturz

Es sind drastische Töne aus Ankara: Nach dem Abschuss eines Militärjets droht der türkische Regierungschef Erdogan dem Assad-Regime - auf jede weitere Aggression werde man mit militärischen Mitteln reagieren. Ziel sei es, Syrien von "diesem blutdürstigen Diktator und seiner Clique" zu befreien.

Regierungschef Erdogan: "So wertvoll die Freundschaft der Türkei ist, so heftig ist ihr Zorn"
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Regierungschef Erdogan: "So wertvoll die Freundschaft der Türkei ist, so heftig ist ihr Zorn"


Ankara/Brüssel - Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat nach dem Abschuss des türkischen Militärjets scharfe Worte gefunden: Er forderte den Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. "Die Türkei unterstützt das syrische Volk mit allen nötigen Mitteln, bis es von Unterdrückung, Massakern, diesem blutdürstigen Diktator und seiner Clique befreit ist", kündigte Erdogan in Ankara an.

Den Abschuss eines türkischen Militärjets durch Syrien verurteilte der Premier scharf. Sein Land werde auf jede weitere Aggression durch Syrien mit Gewalt reagieren, sagte Erdogan in einer Rede vor der Parlamentsfraktion seiner Regierungspartei AKP an. Die Einsatzregeln der türkischen Armee seien entsprechend geändert worden. Die Türkei werde Provokationen nicht ignorieren.

Den Abschuss des Jets am vergangenen Freitag nannte er einen "bewussten" und "feindseligen Akt". "So wertvoll die Freundschaft der Türkei ist, so heftig ist ihr Zorn", sagte Erdogan.

Alle Möglichkeiten des Völkerrechts ausnutzen

Ankara zufolge war eine unbewaffnete F-4 "Phantom" am Freitag während einer Übungsmission versehentlich kurzzeitig in syrischen Luftraum eingedrungen, dann aber in internationalem Luftraum abgeschossen worden. Damaskus behauptet dagegen, der Vorfall habe sich im syrischen Luftraum abgespielt.

Die Türkei werde nach dem Abschuss des Flugzeugs über internationalen Gewässern alle Möglichkeiten des Völkerrechts ausnutzen, sagte Erdogan weiter. Jede weitere syrische Aktion dieser Art werde als Bedrohung aufgefasst und entsprechend beantwortet. Die Türkei werde nicht jenen in die Falle gehen, die einen Krieg wollten, so der Regierungschef. Doch sie sei auch kein Land, das "mit gefesselten Händen" auf einen Angriff wie den auf ihr Flugzeug schaue.

Am Vortag hatte Vize-Regierungschef Bülent Arinc erklärt, die Türkei werde wegen des Zwischenfalls keinen Krieg führen.

Nato verurteilt syrischen Jet-Abschuss

Die Nato, die auf Antrag der Türkei am Dienstag zu einer Krisensitzung zusammen gekommen war, verurteilte den Abschuss des türkischen Kampfjets durch die syrische Luftwaffe als "nicht hinnehmbar". "Wir verurteilen das in schärfster Weise", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nach dem Treffen. "Das ist ein weiteres Beispiel für die Missachtung der internationalen Normen, des Friedens, der Sicherheit und des Menschenlebens durch das syrische Regime."

Das Bündnis werde sich weiterhin mit der Lage im östlichen Mittelmeer befassen. Auf die Frage, was die Nato bei einem erneuten Zwischenfall dieser Art tun werde, sagte Rasmussen: "Ich erwarte ganz sicher, dass so etwas nicht wieder passieren wird." Die Nato müsste ansonsten "beraten, was sonst getan werden könnte."

Assad-Regime auch Bedrohung für Türkei

Erdogan deutete in seiner Rede zudem eine stärkere Unterstützung seines Landes für die syrische Opposition an. Das Regime von Baschar al-Assad habe jede Legitimation verloren und sei inzwischen nicht mehr nur eine Bedrohung für das syrische Volk, sondern auch für die Türkei.

Das Assad-Regime unterdrückt den vor 16 Monaten ausgebrochenen Aufstand mit Gewalt. Die Vereinten Nationen gehen von mehr als 10.000 zivilen Opfern aus, die syrische Regierung beklagt mehr als 2600 tote Polizisten und Soldaten.

Trotz der Eskalation hat sich die Nato - anders als in Libyen - aus dem Konflikt bisher herausgehalten. Die syrische Armee ist vergleichsweise stark. Eine Einmischung könnte nach Befürchtung der Nato-Staaten einen Flächenbrand in der ohnehin instabilen Region auslösen.

heb/AFP/Reuters/AP

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euroberliner 26.06.2012
1. Na wunderbar...
Zitat von sysopREUTERSEs sind scharfe Töne aus Ankara: Der türkische Regierungschef Erdogan hat den Abschuss eines Militärjets durch Syrien als "bewussten und feindseligen Akt" verurteilt. Er drohte Damaskus - auf jede weitere Aggression des Nachbarns werde mit militärischen Mitteln reagiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,840977,00.html
...dann kann ER ja gleich, den Befehl geben, in Syrien einzumarschieren und den gehassten Assad, zu entfernen.
moev 26.06.2012
2.
Dann können wenigstens mal ein paar Leopards alte russische Modele zerlegen anstatt das es immer nur Abrams und Challengers dürfen.
na_iche 26.06.2012
3. Für wie blöd...
wird hier eigentlich die menschheit gehalten? Da fliegt mitten in einer krise, in der syrien und die türkei verwickelt sind, ein aufklärer AUSVERSEHEN in syrisches hoheitsgebiet? Um das türkische radar zu testen? Hier gehts doch nur um eines: endlich einen vorwand für militärisches eingreifen zu provozieren! Kriegen diese idioten denn nie genug von ihren scheiß kriegen?
CitizenTM 26.06.2012
4. Bin wahrlich kein Freund von Syrien...
... aber das Spiel, dass hier gespielt wird ist ja so offensichtlich man muss sich schämen.
Liquid 26.06.2012
5. so so
Zitat von sysopREUTERSEs sind scharfe Töne aus Ankara: Der türkische Regierungschef Erdogan hat den Abschuss eines Militärjets durch Syrien als "bewussten und feindseligen Akt" verurteilt. Er drohte Damaskus - auf jede weitere Aggression des Nachbarns werde mit militärischen Mitteln reagiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,840977,00.html
da hat man jetzt wochenlang lamentiert und es ist nach außen nichts passiert. dafür wurde wohl hinter der bühne ein deal getätigt. erdogan bekommt von den amis bewaffnete drohnen, provoziert den nato-verteidigungsfall und alle marschieren ein, in 5 jahren ist dann erdogan dem neuen großosmanischen reich einen weiteren schritt näher, die kurden dezimiert und wir wundern uns als ob wir nie was geahnt hätten. respekt herr erodgan, sie sind wirklich einer der schlausten politiker der jetztzeit!
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