Umkämpfte Grenzstadt Erdogan kritisiert westlichen Fokus auf Kobane

Die internationale Gemeinschaft zittert um Kobane, aber was ist mit dem viel größeren Aleppo? Der türkische Präsident Erdogan wirft den Partnern vor, das Leid in der belagerten Millionenstadt zu ignorieren.

Zerstörung in Kobane: Zu 90 Prozent vom IS befreit
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Zerstörung in Kobane: Zu 90 Prozent vom IS befreit


Istanbul - Nach verschiedenen Meldungen über die Befreiung der syrischen Grenzstadt Kobane hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan das große Interesse an der Stadt kritisiert. "Wenn es um Kobane geht, steht die ganze Welt auf und hilft", sagte Erdogan. Es interessiere sich jedoch niemand für die nordsyrische Millionenstadt Aleppo, sagte Erdogan in Ankara vor lokalen Politikern. "Wir sagen ihnen Aleppo, doch sie hören nichts", monierte er. In Kobane hatten vor Beginn der Schlacht etwa 100.000 Menschen gelebt, Aleppo hatte mehr als zwei Millionen Einwohner. Viele der geflüchteten Einwohner leben inzwischen in der Türkei.

Nach monatelangen Kämpfen hatten kurdische Kämpfer die Terrormiliz am Montag weitgehend aus Kobane vertrieben. Nach Angaben einer Oppositionsgruppe wurden die Kämpfe zwischen IS-Kämpfern und Kurdenmilizen außerhalb Kobanes fortgesetzt. Unterstützer des IS bestritten jedoch, die Stadt sei schon vollständig geräumt worden. Auch das US-Außenministerium meldete am Dienstag, dass es zu früh sei, die Operation für beendet zu erklären. Bislang seien rund 90 Prozent der Stadt zurückerobert worden, der IS ziehe sich aber zurück. Auch am Dienstag flogen die USA Angriffe auf IS-Stellungen.

Türkische Polizei hält Kurden von der Rückkehr nach Kobane ab

Die Nachricht vom Montag, dass der IS komplett aus Kobane vertrieben sei, ließ Augenzeugen zufolge viele Kurden aus Suruc und benachbarten Städten zur Grenze strömen. Sie hätten den Sieg der kurdischen Kämpfer gefeiert, berichtete ein Journalist. Die türkische Polizei habe sie am Grenzübertritt nach Syrien gehindert. Die Beamten hätten Straßen gesperrt und sogar Tränengas eingesetzt, sagte ein syrischer Kurdenpolitiker.

Erdogan sagte, die Türkei habe 200.000 Flüchtlinge aus der Region Kobane aufgenommen. Unklar sei jedoch, ob diese zurückkehren könnten. "Wer wird die zerbombten Orte wieder aufbauen? Niemand plant für die Zukunft", kritisierte er. Insgesamt leben nach Regierungsangaben rund 1,6 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei. Am Sonntag eröffnete das Land das bisher größte Flüchtlingslager in der Region Suruc, die ans syrische Kobane grenzt.

mia/Reuters/dpa



insgesamt 30 Beiträge
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Consanesco 27.01.2015
1. Zum Weglaufen...
Einer der aktuell größten Heuchler im internationalen Politikzirkus. Selbst verweigert er aus Gründen der eigenen Vorteilsnahme ein konsequentes Vorgehen gegen IS und erdreistet sich dann noch, die zu kritisieren, die den Menschen dort in ihrem Elend zu Hilfe kommen. Mir wird schlecht, wenn ich sehe, wie sich eine Merkel noch vor kurzem neben Erdogans Marionette zum Handshake aufstellt.
quakiutel 27.01.2015
2. Erdogan könnte ja einen Plan vorlegen -
- dabei ist er nur am kritisieren. Die Ungläubigen machen nicht genug - ein stabiler Lackaffe. Er traut sich nicht, einen Erfolg zu feiern. Er ist kein Partner für die EU. Er will nur dominieren und die Reise in eine Islamische Welt anführen.
diefetteberta 27.01.2015
3. Populismus a la Erdogan
Herr Erdogan hätte sollte erstmal dafür Sorge tragen, dass sein Land kein Transitland für IS-Kämpfer ist, die teilweise auf türkischen Boden wieder in Krankenstationen aufgepeppelt werden. Und zweitens hätte er - in Zusammenarbeit mit den Kurden und der FSA - ja schon längst dafür Sorgen können, dass ein humanitärer Korridor nach Aleppo eingerichtet wird.
mavisgravis123 27.01.2015
4. Ja nee, is klar...
wenn wir jetzt von kobane weggucken, und die Amis nicht mehr fliegen, ist Kobane 123 wieder IS und dann wars das. Schön eins nach dem anderen. Erstmal Kobane sichern und befestigen, Leute zurückholen, nach Westen, Osten und Süden ausbauen und dann im Zweifel auch Aleppo freimachen. Aber erstmal den Grund sichern. Ohne Bodenkontrolle gar keine Kontrolle.
merkur08 27.01.2015
5. Was für ein Heuchler
Er unterstützt den IS bis zu seiner Niederlage, dann wird er einmarschieren. Der türkischen Armee ist dort außer Zahal (5 Minuten googlen für den üblichen SPON Schrott) niemand gewachsen. Der Iran vielleicht. Aber niemand wird es ernsthaft mit der US Armee aufnehmen. Selbstmord. Und dann die NATO hintendran. Wenn Hillary als neue Präsidentin (ist sie) mit ihrem Allerwertesten wackelt bekommen etliche Regime Schnappluft. Ein Gutmensch wie Obama ist sie garantiert nicht............
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