Österreich Erdogan wettert gegen geplante Moscheenschließung

Österreich will zahlreiche Moscheen schließen und Imame ausweisen. Der Sprecher des türkischen Präsidenten Erdogan wirft dem Land Islamophobie vor. Erdogan selbst droht mit Konsequenzen.

Recep Tayyip Erdogan (Archiv)
TUMAY BERKIN/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Recep Tayyip Erdogan (Archiv)


Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die von Österreich geplante Schließung von Moscheen und die bevorstehende Ausweisung zahlreicher Imame scharf verurteilt - und mit nicht näher beschriebenen Konsequenzen gedroht.

"Ich fürchte, dass die Schritte des österreichischen Bundeskanzlers die Welt zu einem neuen Kreuzzug führen", sagte Erdogan am Samstagabend nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. "Ihr macht so etwas, und wir sitzen tatenlos herum? Das bedeutet, dass auch wir einige Schritte unternehmen."

Erdogan äußerte sich bei einem Wahlkampfauftritt. Der Vorsitzende der islamistischen AKP will sich bei den Wahlen am 24. Juni im Amt des Staatschefs bestätigen lassen. Wie schon in vorherigen Wahlkämpfen macht Erdogan mit Äußerungen gegen westliche Regierungen gezielt Stimmung.

Der Sprecher des türkischen Präsidenten hatte zuvor kritisiert, die Entscheidung Wiens verstoße gegen Minderheitenrechte und spiegele die "islamophobe, rassistische und diskriminierende Welle" in Österreich wieder.

Der Fraktionsvorsitzende der rechten FPÖ, Johann Gudenus, sagte laut Nachrichtenportal Heute.at, Österreich lasse sich diese Drohungen nicht gefallen. "Diese Aussagen zeigen eindeutig, wie die Türkei mit Erdogan in die Politik europäischer Länder Einfluss nehmen will", erklärte er am Sonntag.

Wien hatte am Freitag die Ausweisung von möglicherweise bis zu 40 Imamen und die Schließung von sieben Moscheen angekündigt. "Parallelgesellschaften, politischer Islam und Radikalisierungstendenzen haben in unserem Land keinen Platz", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz in Wien. Bei den Imamen im Visier der Behörden handelt es sich um Geistliche der "Türkisch-Islamischen Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich" (Atib).

Die rechtskonservative Regierung aus ÖVP und FPÖ will muslimische Einrichtungen künftig generell stärker kontrollieren. Grundlage für die Entscheidung ist das Islamgesetz von 2015, das unter anderem eine positive Grundeinstellung gegenüber Staat und Gesellschaft in Österreich fordert.

Unter anderem werde eine Moschee in Wien, die unter dem Einfluss der als extremistisch und faschistisch eingestuften türkischen "Grauen Wölfe" stehen soll, wegen illegalen Betriebs geschlossen, hieß es in Wien.

Atib ist vergleichbar mit dem Moscheeverband Ditib in Deutschland. Kritiker in Deutschland sehen in der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) den verlängerten Arm von Erdogan. Die türkische Religionsbehörde Diyanet entsendet für die 960 Ditib-Moscheegemeinden Imame nach Deutschland und bezahlt sie auch.

lov/AFP/dpa



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