Proteste in Istanbul: Erdogan will Baupläne im Gezi-Park durchziehen

AFP

Der türkische Premier Erdogan gibt nicht nach: Seine Regierung hält trotz der Massenproteste an den Bauplänen für den Istanbuler Gezi-Park fest. Für die Gewalt macht er Demonstranten verantwortlich. Unter den festgenommenen Ausländern ist auch ein Deutscher.

Tunis - Auf seiner Tunesien-Reise bekräftigte Erdogan die Baupläne am Istanbuler Taksim-Platz. Auf einem Parkgelände soll ein Einkaufszentrum entstehen, woran sich die Proteste in Istanbul entzündet hatten.

Erdogan sagte, für die Gewaltausbrüche seien Gruppen verantwortlich, die den friedlichen Protest ausnutzen würden. Er rückte dabei einen Teil der Protestteilnehmer in die Nähe des "Terrorismus". Zugleich stellte er klar, zwischen für den Umweltschutz protestierenden Demonstranten und den angeblichen Extremisten zu unterscheiden."Unter den Demonstranten sind Extremisten, einige sind in den Terrorismus verstrickt", so Erdogan.

Verantwortlich für die bei den Protesten entstandenen Schäden an Geschäften seien dieselben, die auch hinter dem Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Ankara im Februar steckten, sagte Erdogan laut der türkischen Zeitung "Hürriyet Daily News". Bereits vor Tagen hatte der Ministerpräsident behauptet, die Protestwelle gegen ihn und seine Regierung sei von Extremisten organisiert. Der türkische Geheimdienst sei deshalb inländischen und ausländischen Gruppen auf der Spur.

Unter den am Mittwoch festgenommenen Ausländern befindet sich auch ein Deutscher. Laut türkischen Medien sei er als Tourist ins Land eingereist. Den Ausländern wird vorgeworfen, sich als Provokateure unter die Demonstranten gemischt zu haben.

Die anhaltenden Proteste wirken sich auch negativ auf die Istanbuler Börse aus. Der Leitindex fiel um 5,5 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Anfang Dezember (75.220,40 Punkte). Die türkische Währung ging ebenfalls in den Keller: Ein Dollar stieg um bis zu 0,4 Prozent auf ein 16-Monats-Hoch von 1,8980 Lira.

Die Proteste hatten am vergangenen Freitag nach einer gewaltsamen Polizeiaktion gegen Umweltschützer begonnen, die ein Bauprojekt in einem Park in Istanbul verhindern wollten. Seitdem haben sich die Proteste auf das ganze Land ausgeweitet.

fab/max/tob/AFP/Reuters/dpa

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insgesamt 175 Beiträge
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1. Götterdämmerung
hubie 06.06.2013
Der Herr verhält sich wie ein stures Kind im Kindergarten. Diese Haltung wird ihm im Zweifel eine Abwahl oder einen Sturz einbringen.
2. Ein Schelm ...
Jacky Thrilla 06.06.2013
Zitat von sysopDer türkische Premier Erdogan gibt nicht nach: Seine Regierung hält trotz der Massenproteste an den Bauplänen für den Istanbuler Gezi-Park fest. Für die Gewalt macht er Demonstranten verantwortlich. Erdogan will Baupläne im Gezi-Park durchsetzen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/erdogan-will-bauplaene-im-gezi-park-durchsetzen-a-904182.html)
... wer dabei an S21 denkt!
3.
Social_Distortion 06.06.2013
Zitat von sysopDer türkische Premier Erdogan gibt nicht nach: Seine Regierung hält trotz der Massenproteste an den Bauplänen für den Istanbuler Gezi-Park fest. Für die Gewalt macht er Demonstranten verantwortlich. Erdogan will Baupläne im Gezi-Park durchsetzen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/erdogan-will-bauplaene-im-gezi-park-durchsetzen-a-904182.html)
Und im schönen neuen Einkaufszentrum gibts dann einen Erdogan-Schrein. Da sind fürs Volk dann unter anderem der "internationale Gaddafi-Preis für Menschenrechte", und der "König-Faisal-Preis" für lupenreine Islamverdienstler zu besichtigen.
4. optional
sprechweise 06.06.2013
Für Despoten sind Demokraten Terroristen
5. Oh Mist, das war zu erwarten
capt.nemo 06.06.2013
"Dem Druck der Straße nachgeben" gilt dem Mächtige als Offenbarungseid wobei allein ein Dialog meist schon als Nachgeben verstanden wird. Das wird jetzt schmutzig. Sehr schmutzig. Hat die EU Einfluss? Kann man den Sultan noch halbwegs zur Vernunft nötigen oder muss man respektieren, wie ein Beitrittskandidat seine Entwicklungsprobleme durchleidet?
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