Proteste in der Türkei: Erdogan will Anführer vom Gezi-Park treffen

Premier Erdogan (am Sonntag bei einer Kundgebung vor Anhängern in Ankara): Treffen mit Gezi-Park-Aktivisten Zur Großansicht
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Premier Erdogan (am Sonntag bei einer Kundgebung vor Anhängern in Ankara): Treffen mit Gezi-Park-Aktivisten

Am Mittwoch soll das Treffen stattfinden: Der türkische Premier Erdogan will mit den Anführern der Proteste in Istanbul reden. Zuletzt hatte der Regierungschef die Aktivisten mit harten Worten angegriffen.

Ankara - Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan trifft am Mittwoch Anführer der Protestbewegung vom Gezi-Park. Das gab der Vizepremier Bülent Arinc in Ankara bekannt. "Sie haben um ein Treffen mit dem Premierminister gebeten, und er hat zugesagt", sagte Arinc.

Die Protestgruppe hatte die Demonstrationen gegen den Abriss eines Parks im Zentrum Istanbuls ins Leben gerufen. Die Kundgebungen hatten sich schnell zu Großprotesten gegen die Erdogan-Regierung und ihrem als autoritär kritisierten Kurs ausgeweitet. Die Protestwelle entzündete sich an der brutalen Räumung eines Protestlagers im Gezi-Park, der am Rande des Istanbuler Taksim-Platzes liegt.

Zuletzt hatte der Premier harte Worte gegenüber den Aktivisten gewählt. Am Sonntag sagte er bei einer Rede in Ankara, seine Geduld sei endlich. Der 59-Jährige warnte, die Demonstranten hätten "einen Preis zu zahlen". Auch hatte der Regierungschef ein sofortiges Ende der Proteste gefordert und angekündigt, am umstrittenen Umbau des Taksim-Platzes festzuhalten.

Daraufhin forderte der Vorsitzende der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP), Kemal Kilicdaroglu, den Regierungschef zur Mäßigung auf. "Eine Politik, die sich aus Spannung nährt, stürzt die Gesellschaft ins Feuer", zitierte die Tageszeitung "Hürriyet" den Politiker.

Anti-Alkohol-Gesetz unterzeichnet

In der Nacht zum Montag ging die Polizei in mehreren Städten erneut gegen Demonstranten vor, darunter in der Hauptstadt Ankara und in Adana, wie türkische Medien berichteten. Die Polizei nahm in der südlichen Provinz Adana insgesamt 13 weitere Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter vorübergehend fest. Ihnen werde vorgeworfen, im Internet zu Unruhen angestachelt und Angriffe auf Polizeikräfte koordiniert zu haben, berichtete der Sender CNN Türk. Twitter und Facebook sind für viele Regierungsgegner die wichtigsten Kommunikationsmittel.

Bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden landesweit drei Menschen getötet und 5000 verletzt. Die Sicherheitskräfte wurden vor allem wegen des Einsatzes von Tränengas auch aus dem Ausland kritisiert.

Unterdessen unterzeichnete Präsident Abdullah Gül am Montag ein heftig umstrittenes Gesetz, das den Verkauf und Ausschank von Alkohol weiter beschränkt. Auch dagegen hatte sich der Protest gerichtet.

fab/dpa/Reuters

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1. Kennenlernen und danach verhaften?
wilckinson 10.06.2013
Ich traue dieser Erdogan nicht. Sein Ziel war und ist immer noch die Islamisierung der Turkei. Er ist NICHT lernfähig und will nicht von seine Ziele abweichen. Ich befürchte die Anführer werden dann später verhaftet. Besser wäre auf seine Baupläne zu verzichten aber das wird er wohl nicht einwilligen. Dickschädel nennt man das bei uns.
2. Erdogans gefährliches Spiel.
fuzuli 10.06.2013
Erdogan versucht das ganze als ein Umwelt Protest herunter spielen. Er wird sich mit Umwelt Aktivisten von Gezi Park treffen, dabei das ganze ist weit hinaus gewachsen. Die Protestbewegung hat nachdem brutale Vorgehen der Polizei gegen Umwelt Aktivisten ins rollen gekommen und sich von einer Umwelt Aktion zu einer Anti-Erdogan Protest entwickelt. Es ging schon lange nicht mehr um ein par Bäume, sondern um sein diktatorische Ein Mann Regierungsstil. Ich persönlich glaube nicht, dass die Proteste aufhören, besonders dann nicht wenn zwei Hausgemachte Pro-Erdogan Kundgebungen für Samstag in Ankara und für Sonntag in Istanbul von der AKP organisiert werden. Diese Vorhaben des Erdogans entebnet den Weg für eine noch nicht da gewesene Gewaltpotenzial frei. Es kommen sehr brisante und spannende Tage auf die Türkei zu, ich hoffe, obwohl ich wenig Hoffnung habe, dass das Gewalt nicht das Oberhand bekommt.
3.
dicimi 10.06.2013
Ich kann denn Demonstranten nur Gratulieren. Den Wirtschaftlichen Schaden den Sie angerichtet haben ist beachtlich..vielleicht schaffen Sie es ja auch die Regierung zu Stürzen.Die Kemalisten und Besserwisser von Gestern wieder an die Macht! Rückschritt in die Vergangenheit statt Fortschritt...Schade
4. Zeitspiel
icimizdekiseytan 10.06.2013
Ich würde nicht zu dem Treffen gehen ,da ich befürchte das Erdogan etwas im Schilde führt ,das kein gutes Ende nehmen wird.
5. Polzeigewalt?
objektive_betrachtung 10.06.2013
Die einseitige Berichterstattung in den deutschen Medien ist kaum zu verstehen. Nie wird erwähnt, dass Tränengas und Wasserwerfer gegen Randalierer eingesetzt werden. Ist in Deutschland ja gaaanz anders. Stuttgart 21, Castor Transporte, G8 Gipfel Heligendamm usw. Ist jetzt Merkel auch ein Diktator?
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