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Widerstand gegen IS: Kurden erobern Mossul-Staudamm zurück

Mossul-Staudamm: Der Damm liegt rund 40 Kilometer nördlich der gleichnamigen Großstadt  entfernt  Zur Großansicht
AP

Mossul-Staudamm: Der Damm liegt rund 40 Kilometer nördlich der gleichnamigen Großstadt entfernt

Die irakischen Kurden verbuchen Erfolge im Kampf gegen die Terrorbewegung "Islamischer Staat": Mit Unterstützung der US-Luftwaffe haben sie laut eigenen Angaben den größten Staudamm des Landes zurückerobert.

Bagdad - Anfang August hat die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) den größten irakischen Staudamm nahe der Stadt Mossul unter ihre Gewalt gebracht. Jetzt haben kurdische Kämpfer ihn offenbar zurückerobert: Peschmerga-Truppen griffen mit US-Luftunterstützung mehrere IS-Stellungen rund um das Bauwerk an, wie die unabhängige irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria News meldete. Die Truppen hätten "80 Prozent des Dammes" unter Kontrolle und der IS-Miliz "große Verluste" beigebracht, zitierte das kurdische Nachrichtenportal Rudaw einen Politiker. Die Nachrichtenagentur AFP meldet die Eroberung des Dammes unter Berufung auf einen kurdischen Offizier sowie zwei Vertreter politischer Parteien.

Die Eroberung des größten Staudamms des Landes wäre von erheblicher strategischer Bedeutung. Der IS hatte ihn eingenommen und damit die Kontrolle über die Wasser- und Stromversorgung weiter Landesteile erlangt. Wäre es den extremen Islamisten gelungen, die Staumauer zu sprengen, hätte der Großstadt Mossul und ihren Zehntausenden Einwohnern eine Flutwelle gedroht.

Bei den jüngsten Kämpfen um den Damm nördlich der zweitgrößten irakischen Stadt seien mehrere Dschihadisten getötet worden, sagte sagte der kurdische Generalleutnant Abdulrahman Korini. Die kurdischen Peschmerga-Milizen wurden bei ihrer Offensive aus der Luft von US-Kampfflugzeugen und am Boden von der irakischen Armee unterstützt.

Sunnitische Stämme vertreiben IS-Kämpfer

Der weitere Vorstoß galt Korini zufolge der von den sunnitischen Dschihadisten kontrollierten Ortschaft Tal Kayf etwa hundert Kilometer östlich des Staudamms. Der Weg dorthin sei allerdings mit Sprengfallen der dschihadistischen Kämpfer gespickt. Dadurch verlangsame sich die Offensive.

Die US-Armee flog nach eigenen Angaben allein am Samstag neun Luftangriffe in der Nähe des Staudamms. Dabei hätten US-Kampfjets und Drohnen mehrere gepanzerte Truppentransporter und Militärfahrzeuge des "Islamischen Staats" zerstört. Am Sonntag führten demnach Kampfjets und unbemannte Drohnen erfolgreich 14 Schläge gegen die IS aus. Dabei seien unter anderem ein Stützpunkt und eine Reihe von gepanzerten Fahrzeugen zerstört worden.

In der irakischen Provinz Anbar westlich von Bagdad setzten bewaffnete Angehörige von mehr als 25 sunnitischen Stämmen ihren am Freitag begonnenen Widerstand gegen die Dschihadisten mit Unterstützung der Sicherheitskräfte fort. Nach Polizeiangaben vertrieben sie IS-Kämpfer aus von diesen gehaltenen Gebieten westlich der Provinzhauptstadt Ramadi.

Außenminister Steinmeier kündigt ein "Signal der Solidarität" an

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hielt sich am Samstag zu einem Besuch im Irak auf und sicherte den Menschen in dem Krisenland Unterstützung zu. Bei einem Treffen mit dem irakischen Außenminister Hussein al-Scharistani sagte er, es sei Zeit für ein "Signal der Solidarität". Gegenüber der "Bild am Sonntag" lehnte Steinmeier unterdessen einen eigenständigen Kurdenstaat im Nordirak ab. Dieser würde "die Region weiter destabilisieren und neue Spannungen hervorrufen", sagte er.

Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak schloss Steinmeier im Gespräch mit den ARD-"Tagesthemen" am Samstagabend nicht mehr gänzlich aus. Es gebe "keine risikofreien Entscheidungen", sagte er. Langfristig müsse es aber eine politische Lösung für den Irak-Konflikt geben. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel zeigte sich offen für Waffenlieferungen in den Irak. "Wir können nicht zusehen, wie bis an die Zähne bewaffnete Fanatiker Tausende unschuldige Menschen umbringen und deren Verteidiger keine wirksamen Mittel zum Schutz haben", sagte der Vizekanzler dem SPIEGEL.

Jesiden werden zu Kämpfern ausgebildet

Für weitere Unterstützung im Kampf gegen den IS haben militante Kurden unterdessen Hunderte Jesiden zu Soldaten ausgebildet. Die kurdische Miliz YPG teilte am Sonntag mit, in Syrien befänden sich mehrere Trainingslager für Mitglieder der religiösen Minderheit, die im benachbarten Irak von IS-Kämpfern verfolgt wird. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters, der eines der Lager unweit der Grenze zum Irak besuchte, sah nach eigenen Angaben mehr als 50 Jesiden, die darin geschult wurden, Sturmgewehre und Granaten zu handhaben.

In den vergangenen Tagen seien bereits mehrere Hundert Jesiden ausgebildet worden, erklärte der YPG-Sprecher. Es meldeten sich immer mehr Freiwillige. Die YPG ist eine bewaffnete Gruppe, die mehrere Gebieten im Norden des Bürgerkriegslands Syrien unter ihrer Kontrolle hat. Zehntausende Jesiden sind vor den IS-Kämpfern auf den Berg Sindschar geflohen. Die Islamisten haben nach unbestätigten Berichten bereits Hunderte von ihnen getötet.

Luftangriffe der syrischen Armee

Während die US-Luftwaffe die irakischen Kurden unterstützt, hat auch die syrische Luftwaffe am Sonntag mindestens 41 Angriffe gegen Stellungen des IS geflogen. 36 der Attacken haben die Streitkräfte des Regimes nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in der nordöstlichen Provinz Al-Rakka gestartet. Dabei seien mindestens 31 Dschihadisten getötet worden.

Al-Rakka gilt als "Hauptstadt" des selbsternannten Kalifats der militanten Islamisten. Von dort begann die Miliz ihren Angriff auf den Irak. Anfang August hatten IS-Kämpfer zudem die letzten syrischen Soldaten aus Al-Rakka vertrieben.

cst/Reuters/AFP/dpa

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1. Kurden gewinnen die Übermacht im Irak
hermannheester 17.08.2014
Zitat von sysopAPDie irakischen Kurden verbuchen Erfolge im Kampf gegen die Terrorbewegung "Islamischer Staat": Mit Unterstützung der US-Luftwaffe haben sie laut eigenen Angaben weite Teile des größten Staudamms des Landes zurückerobert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/erfolg-im-kampf-der-irakischen-kurden-gegen-is-beim-mossul-staudamm-a-986572.html
Die Bedrohung der Kurden durch den Staat Irak und nun auch noch durch die IS ist anscheinend ein Anlass für die Weltpolizisten von eigenen Gnaden, hier einschreiten zu wollen und zu sollen. Dabei spielt es keine Rolle, dass nach dem Einsatz für den Weltfrieden Kurden weiter Freiwild für Nachbarn und andere Unterdrücker bleiben werden. Selbst der große Diplomatie-Guru (wofür er sich zu halten scheint) Steinmeier lehnt immer noch eine Autonomie der Kurden in einem eigenen Staat ab. Kurden dürfen für den Westen zwar die IS - Kastanien aus dem Feuer holen, danach haben sie aber gefälligst wieder in die Rolle der Unterdrückten zurückzutreten.....
2. Sie bringen da etwas durcheinander ...
sappelkopp 17.08.2014
Zitat von hermannheesterDie Bedrohung der Kurden durch den Staat Irak und nun auch noch durch die IS ist anscheinend ein Anlass für die Weltpolizisten von eigenen Gnaden, hier einschreiten zu wollen und zu sollen. Dabei spielt es keine Rolle, dass nach dem Einsatz für den Weltfrieden Kurden weiter Freiwild für Nachbarn und andere Unterdrücker bleiben werden. Selbst der große Diplomatie-Guru (wofür er sich zu halten scheint) Steinmeier lehnt immer noch eine Autonomie der Kurden in einem eigenen Staat ab. Kurden dürfen für den Westen zwar die IS - Kastanien aus dem Feuer holen, danach haben sie aber gefälligst wieder in die Rolle der Unterdrückten zurückzutreten.....
...die Kurden kämpfen nicht für den Westen, sie kämpfen für sich, auch und gerade gegen die Terroristen des IS. Denn auch bei der IS hätten sie keinen eigenen Staat. Dem Weltfrieden kann es völlig egal sein, ob es einen IS gibt oder nicht.
3. und was passiert, wenn die Amis nicht mehr von oben
politik-nein-danke 17.08.2014
Bomben werfen? dann geht das spiel wieder in die andere Richtung....und alle haben neue Waffen...
4. Der weisse Elefant im Raum
tailspin 17.08.2014
Abu Dhabi National Energy Company (TAQA), Addax, Afren, Aspect Energy, Chevron, Dana Energy, DNO, Dogan, Exxon, Exxon Mobil, ExxonMobil, Forbes & Manhattan, Gazprom, Genel Energy, Groundstar Resources, Gulf Keystone, Heritage Oil, Hess, Hillwood, HKN, HKN Energy, Hunt Oil, Kar Group, KNOC, Korea National Oil Company, Marathon, Murphy Oil, Niko, Norbest, Oil Search, OMV, Oryx Petroleum, Perenco, Petoil, Prime Oil, Qaiwan, Reliance Industries, Repsol, ShaMaran Petroleum, SINOPEC, Sterling Energy, Talisman, Total, Viking, WesternZagros Das sind die Oel - und Gasfirmen, die im Kurdenland aktiv sind, und mehr als 80 des im Irak gefoerderten Erdgases produzieren. Ich glaube nicht, dass dieser Umstand irgendwas mit der humanitaeren Bombadierung des Irak oder mit dem Steinmeiers Besuch zu tun hat. Schliesslich sagte der SPON Artikel nichts darueber aus. Das heisst es gibt keine Verbindung. Und die Erwaehnung der Firmen und der uebergeordneten Interessenlage ist eigentlich auch gar nicht der Rede wert. Nur so am Rande.
5. Zitat Kurden das betrogene Volk
amed 17.08.2014
Es ist wohl ein Fluch der Kurden ausgenutzt und betrogen zu werden.Schon nach dem ersten Weltkrieg wurden die Kurden verarscht und hintergangen.Kurden die einer der ältesten Völker der Welt sind und seit über siebentausend Jahre dort leben,dürfen nicht mal einen eigenen Staat haben.Laut F.W.Steinmeier dürfen die Kurden keinen eigenen Staat haben,weil es seiner Meinung nach für weitere unstabillisierung der Region hervorrufen wird.Ich frag mich wer gerade für Frieden,Ordnung und Sicherheit der Kinder,Frauen der Region sorgt und mit ihren verrosteten Waffen der brutalen Is zu Kampf stellt. Nämlich die KURDEN.
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